Karstadt-Sanierung: Nicolas Berggruen gesteht Fehler ein

Karstadt-Sanierung : Nicolas Berggruen gesteht Fehler ein

Nicolas Berggruen wurde einst als Karstadt-Retter gefeiert. Dreieinhalb Jahre nach der Übernahme ist noch immer unklar, ob Karstadt überlebt. Kurz vor neuen Tarifverhandlungen äußerte sich Berggruen nun kritisch über seine eigene Rolle, interne Konflikte und den "Feind Internet".

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat dreieinhalb Jahre nach der Übernahme des Konzerns eine kritische Zwischenbilanz gezogen. "Ich war nicht klar genug und als Geschäftsmann zu weich", sagte Berggruen der "Süddeutschen Zeitung". "Ein normaler Investor hätte sich ganz anders benommen, viel härter, er hätte einen Teil der Läden geschlossen oder verkauft."

Berggruen forderte von den Gewerkschaften wenige Tage vor Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag von den Gewerkschaften Unterstützung bei der Sanierung. "Eigentlich müssten wir bei Karstadt sagen: Der Feind ist nicht drinnen, sondern da draußen - die Konkurrenz, das Internet", sagte Berggruen. Stattdessen aber gebe es einen "internen Konflikt". Mitten in der Restrukturierung des angeschlagenen Warenhauskonzerns helfe das nicht.

Karstadt hatte im vergangenen Mai einen bis 2015 befristeten Ausstieg aus der Tarifbindung verkündet, der Warenhausriese will sich so Lohnerhöhungen sparen. Bei der Gewerkschaft Verdi hatte dies erbitterte Proteste ausgelöst, sie will eine Rückkehr in die Tarifbindung erreichen.

Unklare Zukunft der Warenhäuser

Der einst als Retter gefeierte Milliardär Berggruen hatte den angeschlagenen Karstadt-Konzern im Juni 2010 übernommen. Inzwischen hat er Teile des Konzerns weiter veräußert und kontrolliert nur noch das kriselnde Kerngeschäft mit den verbliebenen 83 klassischen Warenhäusern. Die Mehrheit an den Luxus-Kaufhäusern um das Berliner KaDeWe und den Sport-Geschäften hat im vorigen Jahr der österreichische Investor Rene Benko übernommen.

Zuletzt hatte es in Branchenkreisen geheißen, Berggruen könnte sich auch von den Warenhäusern verabschieden. Arbeitnehmervertreter hatten mehrfach die Sorge geäußert, Karstadt könne zerschlagen oder mit der Metro-Tochter Kaufhof zusammengelegt werden. Den Fragen, ob er Benko auch die übrigen Warenhäuser verkaufen wolle und ob der österreichische Investor Karstadt und Kaufhof zusammenführen wolle, wich Berggruen in dem Interview aus: Wesentlich sei, das Karstadt die Wende schaffe, antwortete er. "Die Konstellation ist nicht wichtig."

Welche Rolle er künftig bei Karstadt spielen wird, ließ Berggruen offen. "Ich bin weiter da und kämpfe für Karstadt. Wenn alles gut läuft, und ich bin am Ende immer noch der Eigentümer: Dann bin ich sehr glücklich", sagte er. Aber ob Karstadt überlebe, hänge nicht allein von ihm ab.

(REU/AFP)
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