Mindestens 140 lokale Versorger wollen Tarife erhöhen: Neuer Preisschock für Millionen von Gaskunden

Mindestens 140 lokale Versorger wollen Tarife erhöhen : Neuer Preisschock für Millionen von Gaskunden

Hamburg (RPO). Erneuter Preisschock für Millionen von Gaskunden: Mindestens 140 lokale Versorger wollten in den kommenden Wochen die Gaspreise um durchschnittlich 6,6 Prozent erhöhen, berichtete das unabhängige Verbraucherportal verivox.de am Freitag in Heidelberg. Die Kosten für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden erhöhten sich damit um durchschnittlich 85 Euro im Jahr.

Erst zum Jahreswechsel hatten zahlreiche Gasversorger ihre Preise angehoben, nun wartet schon die nächste Teuerungswelle auf Millionen von Verbrauchern: Die größte Erhöhung müssen laut Verivox die Kunden der Stadtwerke Reichenbach in Sachsen verkraften. Der günstigste Tarif des Anbieters koste für einen Vier-Personen-Haushalt künftig 186 Euro mehr im Jahr. Ebenfalls deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen Kunden der Stadtwerke Eichstätt und Stadtwerke Gunzenhausen. Dort wird der günstigste Tarif für einen Vier-Personen-Haushalt um je 167 Euro im Jahr teurer.

Überdurchschnittlich hoch fallen laut verivox die Erhöhungen bei den Energieriesen EnBW und RWE aus. EnBW Gas hat demnach eine Verteuerung von 8,3 Prozent zum 1. April angekündigt, bei der RWE Westfalen-Weser-Ems steigen die Preise im gleichen Zeitraum sogar um 9,5 beziehungsweise 10,1 Prozent, je nach Lieferregion. Dies bedeute für EnBW-Kunden Mehrausgaben von 102 Euro jährlich für einen Musterhaushalt und bei RWE Westfalen-Weser-Ems von 119 Euro. Der größte deutsche Gasimporteur Eon Ruhrgas hatte Mitte Februar eine weitere Preiserhöhung für Erdgas zum 1. April angekündigt. Über die Größenordnung hatte das Unternehmen nichts gesagt.

Geringste Steigerungen in Schwerin und Bochum

Vergleichsweise gering fallen die Preissteigerungen in Schwerin und Bochum aus, wo Verbraucher ab dem Frühjahr 0,8 beziehungsweise 1,2 Prozent mehr zahlen müssen. Die Daten für den Vergleich der Gaspreise stammen laut Verivox von den Versorgern selbst.

Als Gründe für die Preiserhöhungen nannten die Versorger die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis. Der Ölpreis war in den vergangenen Monaten stark gestiegen, die Gaspreise reagieren meist mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Die Unternehmen seien somit gezwungen, die Gastarife anzupassen, betonen die Versorger.

Kritik hatte es schon im Vorfeld von Verbraucherschützer gegeben. Die Preise für Gasimporte seien zum Vorjahr um 7,4 Prozent gesunken, erklärte die Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Ölpreisbindung diene einzig dazu, die Gewinnmaximierung der Energieversorger zu vertuschen. Mit den tatsächlichen Kosten der Versorger habe dies nicht das Geringste zu tun. Die örtlichen Gasversorger hätten schon längst die Möglichkeit gehabt, sich aus den langfristigen Bezugsverträgen mit ihren Vorlieferanten zu verabschieden und günstigere Bezugsmöglichkeiten zu erschließen.

Verivox rät den Verbrauchern zu Gaspreisvergleichen. Nur so könnten Haushalte prüfen, ob sich ein Anbieterwechsel lohne.

Hier geht es zur Infostrecke: Was Verbraucher gegen hohe Gaspreise tun können

(afp)
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