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Nach Hiesinger-Abgang

Neue Vorwürfe gegen Chefin der Krupp-Stiftung

Ursula Gather, Rektorin der Technischen Universität Dortmund, ist seit 2013 Chefin des Kuratoriums der Krupp-Stiftung. Foto: dpa

Essen Bei Thyssenkrupp bleibt die Lage trotz der Berufung von Interims-Chef Guido Kerkhoff angespannt. Nun gerät die Chefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, zunehmend unter Druck. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, soll Gather sich mit einem Vertretern des finnischen Thyssenkrupp-Konkurrenten Kone getroffen haben.

Kone wird ein Interesse an der lukrativen Aufzugsparte der Essener nachgesagt.

Das Treffen ist deshalb so brisant, weil Gather zwar als Kuratoriums-Chefin den größten Thyssenkrupp-Einzelaktionär repräsentiert. Das Kuratorium ist jedoch satzungsgemäß „für die Verwaltung des Stiftungsvermögens“, und die „Verwendung der Vermögenserträge“ zuständig. Sprich: Sie kann zwar über die ausgeschütteten Mittel entscheiden, redet aber nicht in Managementfragen mit. Dem Bericht zufolge hat sich Gather aber vor zwei Jahren mit Kone-Hauptaktionär Antti Herlin getroffen.

In einer Erklärung räumt die Stiftung ein, dass es einen Kontakt mit Kone gegeben habe. Dort heißt es: „Bei den vom Mehrheitsaktionär von Kone erbetenen Kontakt hat die Stiftung stets auf die Zuständigkeit des Unternehmens zu Fragen der Aufzugsparte verwiesen.“ Über geführte Gespräche sei der Vorstand der Thyssenkrupp AG stets informiert gewesen. „Allein dem Unternehmen obliegen Äußerungen und Entscheidungen zu Anfragen von Wettbewerbern." Thyssenkrupp wollte den Bericht nicht kommentieren. Von Kone und dessen Herlin war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Aufzugsparte gilt als Perle des Konzerns. Sowohl Heinrich Hiesinger als auch Kerkhoff haben sich stets gegen einen von manchen Investoren ins Spiel gebrachten Verkauf oder Börsengang ausgesprochen. Auch wurden Kone immer wieder Avancen in Richtung Thyssenkrupp nachgesagt. Analysten halten eine Verbindung für sinnvoll. Bank of America Merrill Lynch hatte ausgerechnet, dass so Synergien von mehr als 570 Millionen Euro im Jahr erzielt werden könnten.