Vier neue Stromautobahnen für Deutschland: Netz-Ausbau trifft Niederrhein

Vier neue Stromautobahnen für Deutschland: Netz-Ausbau trifft Niederrhein

Eine der vier gigantischen Stromautobahnen, die durch Deutschland gebaut werden, führt durch den Niederrhein bei Düsseldorf, Meerbusch und Wesel. Bürgermeister und Initiativen reagieren einsichtig, aber auch besorgt.

Das Rheinland steht im Zentrum des Neubaus großer Stromleitungen, um den Ausstieg aus der Atomenergie und den Einstieg in ein Zeitalter erneuerbarer Energien zu bewerkstelligen. Eine der vier großen Trassen führt von Emden in Norddeutschland zum Niederrhein, dann an Düsseldorf vorbei entlang der Rheinschiene nach Koblenz und von dort bis zum baden-württembergischen Philippsburg. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Netzentwicklungsplan hervor.

Bürger, Gemeinden und Unternehmen haben nun sechs Wochen Zeit, Anregungen zu geben und Einsprüche geltend zu machen. Auf dieser Grundlage wollen die vier Stromtrassenkonzerne die Planungen überarbeiten, bevor im August die Bundesnetzagentur in Bonn die Regie übernimmt. Am Ende mündet das Verfahren in ein Bundesgesetz, das den Bedarf für den ehrgeizigen Stromtransport besiegeln soll.

Genaue Trassenführung noch unklar

Wie die für die Region zuständige Amprion GmbH betonte, sollen zunächst vorhandene Masten und Trassen genutzt werden. Das Konzept sieht aber auch neue Strecken oder Streckenausbauten vor, die unabhängig von der Energiewende bereits in der Planung, in der Genehmigung oder im Bau waren und nun forciert werden.

Dazu gehören unter anderem am Niederrhein Neubauten von 380-kV-Freileitungen von Fellerhöfe bis St. Tönis, von Osterath bis Gohrpunkt, von Gohrpunkt bis Rommerskirchen und von Utfort bis Hüls-West. Eine "Stromkreisertüchtigung" ist für den Bereich Meerbusch-Ost vorgesehen. Und eine neue 380-kV-Anlage soll zwischen Dülken, Osterath, Selbeck, Gellep und Mündelheim gebaut werden.

Die genaue Trassenführung steht nach Angaben von Amprion noch nicht hundertprozentig fest, aber in der Grobplanung stützen sich die Trassenkonzerne auf die Verbindung zwischen Emden, Osterath bei Düsseldorf und Philippsburg in Baden-Württemberg.

Bürgermeister und Landräte der betroffenen Gebiete reagierten am Mittwoch zwar mit der Einsicht, neue Strom-Autobahnen würden benötigt. "Wir haben aber schon reichlich Leitungen und damit eine erhebliche Belastung", sagte Meerbuschs Bürgermeister Dieter Spindler. Meerbuschs Stadtteil Osterath ist ein wichtiger Knotenpunkt der Höchstspannungsleitung.

Sorge um Gesundheit

Thomas Gossen, Bürgermeister der Stadt Tönisvorst, mahnte den Netzbetreiber zu Transparenz: "Bei diesem Thema ist es sehr wichtig, die Menschen mitzunehmen." Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp erklärte, Belastungen für die Landschaft und mögliche Gesundheitsgefahren müssten in den Abwägungsprozess einbezogen werden.

Viele Bewohner, die in der Nähe von Höchstspannungsleitungen leben, sorgen sich um ihre Gesundheit. Bürgerinitiativen unter anderem in Neuss, Krefeld, Kaarst und Meerbusch fordern den Netzbetreiber dazu auf, Erdkabel zu verlegen statt Freilandleitungen zu bauen. "Elektrosmog macht krank", befürchtet Willi Trauts von "Pro Erdkabel Neuss".

Nach Angaben von Amprion kostet ein Kilometer Erdkabel rund zehn Millionen Euro. Ein Kilometer Freilandleitung wird hingegen mit 1,5 Millionen Euro kalkuliert. Die Differenz müsste der Stromkunde tragen.

Hier geht es zur Infostrecke: Stromkosten: Das sind die zehn Städte mit dem größten Sparpotential

(das)
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