Ortung von Milliarden Handys weltweit: Mobilfunker besorgt wegen NSA

Ortung von Milliarden Handys weltweit : Mobilfunker besorgt wegen NSA

Neue Enthüllungen über die Praktiken der National Security Agency (NSA) machen nun auch Deutschlands Telefonkonzerne nervös.

Nach einem Bericht der "Washington Post" sammelt die NSA täglich fast fünf Milliarden Ortungsdaten von Mobiltelefonen rund um den Globus. So könne der US-Geheimdienst genau erfassen, wo Verdächtige oder andere Personen sich aufhalten. Und er kann herausfinden, welche Personen sich mit einem beobachteten Menschen treffen, indem man wiederum analysiert, welche Mobiltelefone sich in der Nähe befinden und wem sie gehören. Die Zeitung beruft sich bei ihrem Bericht auf Dokumente des Ex-US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Die vier deutschen Telefonkonzerne Telekom, Vodafone Deutschland, E-Plus und O2 betonen auf Anfrage, sie würden Daten ihrer Nutzer keineswegs an ausländische Geheimdienste überspielen. Das wäre sogar eine Straftat. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Verunsicherung, ob die USA auf bisher unbekannten Wegen doch die tatsächlich gesammelten Daten der deutschen Kunden irgendwie bekommen. "Vielleicht greifen sie ja die Luftschnittstellen ab", meint ein Technikkenner bei einem Unternehmen. Gemeint wäre damit der Funkverkehr zwischen einem Kunden und den jeweiligen Mobilfunkmasten sowie der Richtfunkverkehr zwischen verschiedenen Standorten.

Gleichzeitig heißt es aber sowohl bei Vodafone wie bei der Telekom, dass man die Kundendaten vor Zugriff schützt: "Natürlich muss unser Netzcomputer immer informiert sein, wo ein Mobilfunkkunde sich befindet, damit ihn ein Gespräch überhaupt über den jeweiligen Funkmast erreicht. Aber diese Daten laufen nicht über öffentliche Leitungen, und wir geben wir sie nur bei einem richterlichen Beschluss weiter", heißt es bei Vodafone. Ähnlich sieht die Telekom-Führung die Lage und verlangt Klarheit über die Praktiken der NSA: "Wir wissen nicht, was die NSA genau macht, und wir brauchen Aufklärung", sagt Thomas Kremer, Datenschutzvorstand des Konzerns.

Der US-Softwarekonzern Microsoft wehrt sich derweil gegen die NSA-Praktiken. Das Unternehmen sei der Auffassung, dass die US-Behörden nicht befugt seien, im Ausland gespeicherte Daten abzugreifen, sagte Microsoft-Justiziar Brad Smith. Das Unternehmen kündigte an, weit öfter als bisher den internen Datenverkehr zu verschlüsseln. Hintergrund sind Berichte, wonach die NSA die Datenströme der Internet-Riesen Google und Yahoo außerhalb der USA ohne Gerichtsbeschluss angezapft hat. Auch Google und Yahoo wollen ihren Datenverkehr absichern.

(kowa)
Mehr von RP ONLINE