Mittelstandsbarometer 2014: Mittelstand leidet unter Fachkräftemangel

Mittelstandsbarometer 2014 : Mittelstand leidet unter Fachkräftemangel

Gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft: Der Mittelstand erlebt einen regelrechten Boom. Mehr Jobs, mehr Umsatz - die kleinen und mittleren Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Einziges Sorgenkind bleibt der Fachkräftemangel.

Aufatmen bei den deutschen Mittelständlern: Nach einem schwachen Jahr 2013 tritt das Rückgrat der Wirtschaft laut dem aktuellen Ernst & Young (EY) Mittelstandsbarometer 2014 wieder aufs Gaspedal und sagt deutliches Wachstum voraus. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) erwarten im gerade angelaufenen Jahr steigende Umsätze - im Schnitt um 1,2 Prozent (Vorjahr: 0,8 Prozent). Pessimistisch zeigen sich lediglich 17 Prozent des Mittelstands, die ein Umsatzminus erwarten.

Auch die aktuelle Geschäftslage beurteilt die Mehrheit (53 Prozent) als gut. Vor einem halben Jahr lag der Anteil noch deutlich geringer bei 36 Prozent. Vor allem der Bereich Bau und Energie erfreut sich guter Zahlen, dort bezeichnen 59 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als uneingeschränkt gut. Die Industrie kann da nicht mithalten, hier sind es nur 45 Prozent.

Für weiteres Wachstum wollen viele deutsche Mittelständler investieren. Etwa drei von zehn Befragten planen laut der EY-Studie, im Jahr 2014 mehr Geld als im Vorjahr in neue Maschinen, Fabriken oder Büros zu stecken.

326.000 offene Stellen im Mittelstand

Auch für Jobsuchende kommen aus dem Mittelstand gute Nachrichten; anstatt auf Karriere bei Konzernen zu setzen, sollten sie sich bei den kleinen und mittleren Unternehmen gründlich umschauen, denn die wollen auch hier investieren. 60 Prozent der Mittelständler bieten derzeit offene Stellen, insgesamt sind 326.000 Stellen unbesetzt.

Nur neun Prozent der Unternehmen planen, Jobs zu streichen - von massiven Sparplänen wie bei RWE, Siemens, Commerzbank und Co. mit teils Tausenden Stellenstreichungen keine Spur. Peter Englisch, Partner bei EY: "Der Jobmotor Mittelstand läuft wieder rund. Die Unternehmen setzen in diesem Jahr wieder voll auf Wachstum — und müssen dafür auch in neue Mitarbeiter investieren." Laut der Studie wollen 28 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden Monaten neue Jobs schaffen. Englisch erwartet, dass das "auch dem deutschen Arbeitsmarkt starke Impulse geben" dürfte.

Bei der Besetzung der freien Stellen haben die kleinen und mittleren Unternehmen typischerweise oft mit ihrer Unbekanntheit zu kämpfen. Sind sie in ihren jeweiligen Nischen auch noch so erfolgreich - viele Bewerber setzen auf bekannte Firmen und mondän klingende Namen, sei es für vermeintlich größere Karrierechancen oder etwa weil sie nicht in ländlichen Regionen leben und arbeiten möchten, wo die mittelständischen Unternehmen zumeist lokalisiert sind. So gaben 70 Prozent der Mittelständler an, große Schwierigkeiten damit zu haben, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden.

Fachkräftemangel versursacht hohe Umsatzeinbußen

Könnten diese mangels Bewerbern freien Stellen besetzt werden, würde der Mittelstand wohl einen ordentlichen Wachstumsschub verbuchen. Laut der Ernst & Young- Studie beklagt immerhin jedes neunte Unternehmen erhebliche Umsatzeinbußen durch unbesetzte Stellen, weil dadurch Aufträge nicht angenommen werden oder weniger produziert werden könne. Weitere 42 Prozent beklagen geringfügige Umsatzeinbußen.

Die Umsatzausfälle durch fehlende Fachkräfte summierten sich demnach 2013 auf satte 31 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr könne das sogar noch mehr werden, fürchtet Englisch. "Im aktuellen Aufschwung erweist sich der Fachkräftemangel als Nadelöhr für die deutsche Konjunktur." Er ergänzt: "Immer mehr Unternehmen verpassen Wachstumschancen, weil sie Aufträge ablehnen müssen oder bei Neuentwicklungen und in der Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten können."

Für das Ernst & Young Mittelstandsbarometer wurden 3000 Mittelständler befragt. Die Untersuchung wird alle sechs Monate durchgeführt.

(jre)