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Metro wächst, der Aktienkurs stagniert

Handelskonzern : Metro wächst, der Aktienkurs stagniert

Der Düsseldorfer Konzern hat Umsatz und Ergebnis zwischen April und Juni gesteigert. Das Ostergeschäft hat geholfen. Am Mittwoch will der Vorstand sich zum Übernahmeangebot des tschechischen Großaktionärs EP äußern.

Glücklich können die Manager der Metro beim Blick auf den Aktienkurs nicht sein. Hoffnungsfroh vielleicht, weil sich die Aktie des Handelskonzerns nach dem Tiefpunkt im Sommer des vergangenen Jahres deutlich erholt hat. Aber glücklich wohl nicht, weil das Niveau immer noch 15 Prozent unter dem des Starts vor zwei Jahren liegt, als die alte Metro aufgespalten worden war und die neue von Vorstandschef Olaf Koch als Wachtumsstory angepriesen wurde, die Investoren locken sollte. Das ist so nicht eingetreten. Jetzt warten alle darauf, dass der geplante Verkauf der Warenhauskette Real endlich über die Bühne geht. Auch die neuen Investoren Daniel Kretinsky und Patrik Tkac mit ihrer Firma EP Global Commerce. Vermutlich verharrt die Aktie bis dahin unter 16 Euro.

Am Dienstag bleiben große Kursbewegungen jedenfalls aus. Die Quartalszahlen, die die Metro am Abend präsentierte, waren auch nicht geeignet, ein Feuerwerk am Aktienmarkt auslösen zu können. Ein Umsatzplus von 2,8 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro für das Ende Juni abgelaufene dritte Vierteljahr des Geschäftsjahres 2018/19 (bis 30. September) ist zwar ein Signal für mehr Wachstum, aber wohl vor allem der Tatsache geschuldet, dass in diesem Jahr das umsatzstarke Ostergeschäft anders als im vergangenen Jahr in das dritte Quartal fiel.

In Russland kämpft die Metro ohnehin mit den alten Problemen. Das Land, auf dem einst die großen Hoffnungen der Großhandelssparte ruhten, ist nach Angaben von Koch die einzige Region, in der die Umsatzkurve nicht nach oben zeigt. Mehr als 16 Prozent Geschäft hat der Konzern in Russland eingebüßt, vor allem wegen des schwachen Rubel. Auch in der Türkei macht die Landeswährung Sorgen. Und operativ läuft in Osteuropa längst nicht alles nach Plan.

Das wird auch bei Kretinsky und Co. nicht auf Begeisterung stoßen. Umso sehnlicher wünscht man sich ein Ende der Real-Verkaufsgespräche herbei, damit eine Baustelle erledigt wird. Koch sagte am Dienstag, die exklusiven Verhandlungen über die Veräußerung der Gruppe an ein Konsortium unter Führung des Immobilienkonzerns Redos hätten „große Fortschritte“ gemacht, die Verhandlungen würden fortgesetzt.

Die Frage bleibt, ob eine Lösung für Real wirklich auch aus Sicht von Investoren ein Befreiungsschlag ist. Denn bei dem geplanten Deal mit Redos sollen der Metro dem Vernehmen nach „nur“ etwa 500 Millionen Euro zufließen, während die Immobilien zuletzt mit rund 900 Millionen Euro bewertet worden waren. Für das dritte Quaartel meldet Real, schon seit Jahren das Sorgenkind des Konzerns, zwar etwa 2,3 Prozent Umsatzwachstum, aber auch das liegt vorrangig am Ostertermin in diesem Jahr.

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Immerhin hat der Düsseldorfer Konzern im dritten Quartal vor Steuern 181 Millionen Euro verdient, sich damit um mehr als ein Fünftel verbessert und das Minus aus dem ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres fast wettgemacht. Vielleicht ist das ein bisschen Munition für die weiteren Verhandlungen mit Daniel Kretinsky und Patrik Tkac. Am Mittwoch wollen sich Metro-Chef Koch und Finanzvorstand Christian Baier bei der Präsentation der Quartalszahlen zu der Offerte äußern, die EP Global Commerce gemacht hat. „Begründete Stellungnahme“ heißt das, was das Manager-Duo abliefern will. Man darf sicher sein, dass sie in Kretinskys Angebot die Metro weiterhin als unterbewertet ansehen. Anders als beispielsweise der Duisburger Familienkonzern Haniel, der sich längst auf die Seite der neuen Investoren geschlagen hat.