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Handelsriese zieht Bilanz: Metro startet Aufholjagd im Internet

Handelsriese zieht Bilanz : Metro startet Aufholjagd im Internet

Lange hatte die Metro den Siegeszug des Online-Handels verschlafen. Jetzt ist der Handelsriese doch noch aufgewacht. Mit der Verbindung von Internet und stationärem Handel macht das Unternehmen verlorenen Boden gut.

"Online waren wir gar nicht präsent. Das kann man uns zu Recht vorhalten." Metro-Chef Olaf Koch macht bei der Präsentation der Konzernbilanz 2013/2014 am Dienstag in Düsseldorf keinen Hehl daraus, dass das Unternehmen den Siegeszug des Online-Handels lange Zeit verschlafen hat.

Doch der Handelsriese ist dabei, verlorenen Boden gutzumachen. Bei der Elektronikkette Media-Saturn stieg der über das Internet generierte Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um fast 30 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Bei der Warenhauskette Kaufhof legte der E-Commerce um 64 Prozent auf 63 Millionen Euro zu.

Als hilfreich erweist sich für den Konzern dabei etwas, dass in den vergangenen Jahren zuweilen schon fast als gestrig belächelt wurde: sein enges Filialnetz. Denn der Konzern bemüht sich, seine Online-Angebote und seine Ladengeschäfte im Rahmen eines Multi-Channel-Angebots zu einem einzigen Einkaufserlebnis zu verschränken. "Einen Fernseher im Internet reservieren und 60 Minuten später im Laden abholen. Das Angebot kann sonst keiner", lobt Koch das eigene Unternehmen.

"Multi-Channel funktioniert sehr gut"

Tatsächlich trifft die Metro mit solchen Angeboten offenbar den Zeitgeist. "Multi-Channel funktioniert sehr gut", bestätigt Michael Gerling, der Geschäftsführer des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. Der Kunde wolle je nach Lust und Laune entscheiden, wie er einkaufe - per Internet oder im Laden. Schon heute biete deshalb jeder zweite der 1000 größten deutschen Online-Händler auch die Möglichkeit zum stationären Einkauf. Selbst Händler wie Mymuesli oder Cyberport, die ursprünglich als reine Online-Anbieter starteten, hätten inzwischen Läden aufgemacht.

Doch natürlich hat die Metro auch viel getan, um das eigene Online-Standbein zu stärken. Das Online-Sortiment der Elektroniktochter Media Markt umfasst inzwischen annähernd 70.000 Produkte. Bei Saturn sind es 50.000. Und die Mühe scheint sich zu lohnen. Nach etlichen Krisenjahren weist die Kette sei Mitte des Jahres endlich wieder steigende Umsätze und Gewinne aus.

Viel bleibt allerdings auch noch zu tun. So sind die Wachstumsraten der Tochter Kaufhof im Online-Geschäft mit einem Plus von 60 Prozent zwar auf den ersten Blick beeindruckend. Dennoch macht der Online-Anteil am Gesamtumsatz der Warenhauskette gerade einmal zwei Prozent aus. Dabei gehört der Fashion-Bereich zu den Branchen, in denen der Siegeszug des Online-Handels am weitesten fortgeschritten ist.

Kein Wunder also, dass Koch noch ein enormes Wachstumspotenzial für die Internetaktivitäten der Metro sieht. Der Online-Anteil am Media-Saturn-Geschäft werde schon bald die 10-Prozent-Marke deutlich überschreiten und könne auch "in Richtung 20 Prozent plus" gehen, meint er. Bei Kaufhof sei ebenfalls ein Online-Anteil von über 20 Prozent drin. Auch bei den Metro-Großmärkten werde der Internethandel künftig eine wesentlich größere Rolle spielen.

Nur in einem Geschäftsbereich hat der Manager seine Zweifel am Siegeszug des E-Commerce. "Bei Lebensmitteln bin ich sehr skeptisch", sagt Koch. Es gebe zu viele Supermärkte und Discounter in Deutschland, der Preiswettbewerb sei zu hart, und die Verbraucher seien zu sehr auf den Preis fixiert. "Ich glaube das wird sehr schwer."

(lnw)