Metro: Real soll an einen neuen Investor gehen

Verkauf der Warenhauskette Real : Diese Vorteile hätte Metro durch den neuen Investor

Der neue bevorzugte Bieter für die Warenhausgruppe Real ist ein Konsortium aus dem Immobilieninvestor X+Bricks und der Investmentfirma SCP. Der bisherige Interessent Redos ist raus. Die Metro will Real komplett abgeben.

Eine solche Kehrtwende hatten vermutlich nur wenige auf dem Schirm. Sieben Monate lang hat die Metro mit einem Konsortium um den Immobilieninvestor Redos exklusiv über den Verkauf der Warenhauskette Real verhandelt. Sieben Monate, in denen die Metro ungeachtet mehrerer Verzögerungen stets den Eindruck vermittelte, sie und ihr bevorzugter Verhandlungspartner stünden kurz vor einer Einigung. Jetzt ist alles vorbei. Die Gespräche mit Redos sind beendet worden; stattdessen gibt es jetzt exklusive Verhandlungen mit einem Konsortium, zu dem der Redos-Konkurrent X+Bricks und die SCP, eine Tochter der russischen Beteiligungsgesellschaft Sistema, gehören.

Die neuen Gesprächspartner hatten schon mal einen Anlauf unternommen, Real zu bekommen, waren aber gescheitert. Zu groß war Metro-Chef Olaf Koch seinerzeit das Risiko gewesen, beim Kartellamt zu scheitertn, weil X+Bricks fest verbandelt war mit dem Handelskonzern Kaufland. Der hätte aus Wettbewerbsgründen mehr oder weniger große Teile von Real nicht übernehmen können. Was wäre aus dem Rest geworden? Jetzt hat X+Bricks die Exklusiv-Partnerschaft mit Kaufland beendet und kann Filialen auch an andere Interessenten aus der Branche weiterreichen.

Der entscheidende Vorteil für die Metro ist indes, dass sie anders als bei dem mit Redos geplanten Deal nicht mehr drei Jahre lang eine Minderheitsbeteiligung an dem Real-Geschäft behalten wird, das nicht an Wettbewerber weitergereicht ist. Real soll direkt zu 100 Prozent verkauft werden; der Verkauf einzelner Häuser oder Häusergruppen durch X+Bricks erfolgt erst danach.

Auch für die Beschäftigten in den Real-Häusern und der Verwaltung soll der Deal mit dem neuen Wunschinvestor, der bis Ende Januar stehen und bis Oktober des kommenden Jahres auch formal unter Dach und Fach sein soll, von Vorteil sein. Zumindest ist beabsichtigt, dass X+Bricks die Händler, die Interesse an einzelnen Real-Filialen signalisieren, dazu verpflichten soll, die bestehende Belegschaft mit zu übernehmen. Inwieweit die das in der Praxis tatsächlich tun würden und ob X+Bricks die Mitarbeiter-Pläne zur Bedingung für einen Filialkauf machen würde, steht auf einem anderen Blatt. Ewig will der neue Investor vermutlich auch nicht bleiben; da macht man bei Verkaufsverhandlungen auch mal Abstriche an den eigenen Erwartungen.

Dass die Verhandlungen mit dem bisherigen Favoriten Redos gescheitert sind, liegt vermutlich auch daran, dass das Bundeskartellamt jüngst für die bisher eingereichten Pläne zur Übernahme von Real-Filialen durch die Hamburger Edeka-Gruppe die Prüffrist bis Ende Februar 2020 verlängert hat. Die Wettbewerbshüter hatten zwar den Deal zwischen der Metro und Redos bereits genehmigt. Der sah vor, einen großen Teil der 286 Häuser an andere abzugeben, einen weiteren Teil gemeinsam weiterzubetreiben und wieder andere Häuser zu schließen.

Aber: So lange das Kartellamt nicht klar gesagt hätte, was in Sachen Weiterverkauf von Niederlassungen ginge und was nicht, wären Redos und die Metro womöglich auf Real-Filialen „sitzengeblieben“, die sie lieber an andere Investoren abgegeben hätten. Eine weitere monatelange Hängepartie wollte sich wohl niemand leisten. Ob jetzt auch Neuanmeldungen der bereits beim Kartellamt eingereichten Pläne von Edeka und Co. nötig sind, ist noch offen.

Geplanter Netto-Mittelzufluss für die Metro nach Abschluss des Deals mit x+Bricks und Co.: etwa  500 Millionen Euro. Dafür sollen die Käufer das  operative Geschäft von Real, den Online-Marktplatz real.de sowie die 80 im Eigentum befindlichen Immobilien bekommen. Die Metro hätte, wenn alles klappt, das Kapitel Real endgültig geschlossen. An der Börse haben ihr die neuen Pläne gestern allerdings noch keinen Vorteil verschafft. Der Kurs ist nur ganz leicht geklettert. Vermutlich sind auch die Börsianer vorsichtig geworden nach der  Hängepartie der vergangenen Monate.