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Aktienkurse im Niedergang: Metro droht heute Abstieg aus Dax

Aktienkurse im Niedergang : Metro droht heute Abstieg aus Dax

Der Absturz der Aktie sowie der hohe Anteil des Mutterfirma Haniel am Konzern führen dazu, dass der Handelskonzern Metro wohl den Dax-30 verlassen muss. Die Bayer-Abspaltung Lanxess kann sich dagegen freuen: Sie könnte ebenso wie der Autozulieferer Continental aufsteigen.

Dem Handelsgiganten Metro droht heute eine peinliche Schlappe: Das Unternehmen mit weltweit 280 000 Mitarbeitern wird wahrscheinlich heute ebenso wie MAN aus München aus dem Börsenindex Dax-30 hinauskomplimentiert. Die offizielle Entscheidung fällt um 22 Uhr.

Metro Für den Handelskonzern ist die Niederlage extrem bitter, weil Metro unter dem Namen ihrer Tochterfirma Kaufhof sogar im Jahr 1987 Gründungsmitglied des Börsenindex Dax 30 war. Und so ganz gerecht ist sie nicht: Bei einem gesamten Wert von 7,8 Milliarden Euro sind die Düsseldorfer noch immer wertvoller als der Halbleiterproduzent Infineon aus München, die Commerzbank oder Heidelberger Zement.

Doch ein Ereignis aus der Firmengeschichte hat unerwartete Folgen: Im Jahr 2007 verdoppelte der Duisburger Mischkonzern Haniel seinen Anteil an Metro auf 34 Prozent, mit anderen zwei Großaktionären kontrolliert Haniel nun 60 Prozent. Das Ergebnis: Als frei handelbare Aktien gibt es von Metro nur noch 130 Millionen Papiere. Und die sind nur noch 3,1 Milliarden Euro wert, seit die Metro-Aktie in zwei Jahren um 60 Prozent abgestürzt ist — und für die Zugehörigkeit zum Dax zählt vorrangig der Wert des "Free Float", der frei gehandelten Aktien.

Der Abstieg hat drei Folgen: Erstens droht dem Metro-Papier eine weitere Schwächung. Denn viele Fonds haben sich verpflichtet, die Werte eines Börsenindex gemäß seiner Zusammensetzung "nachzubauen". Wenn eine Firma nicht mehr im Dax-30 enthalten ist, steigen Anleger aus. Da nützt es wenig, dass der seit Januar amtierende neue Metro-Chef Olaf Koch den drohenden Dax-Abstieg als "nicht so dramatisch" bezeichnet.

Zweitens wird es für Metro noch schwerer, eine Kapitalerhöhung zu stemmen, um Investitionen zu bezahlen. Das kann Folgen haben: Eigentlich drängen die Düsseldorfer den Ableger Media-Saturn dazu, in China hunderte neue Filialen aufzubauen, doch tatsächlich muss Vorstandschef Koch Sparrunde auf Sparrunde fahren.

Drittens ist der Metro-Abstieg ein weiterer Rückschlag für Mutterkonzern Haniel. Der trägt auch wegen der Aufstockung des Metro-Anteiles einen Schuldenberg von rund vier Milliarden Euro mit sich rum. Für den seit 1. August amtierenden neuen Haniel-Chef Stephan Gemkow ist der Metro-Abstieg aus dem Dax eine Katastrophe: Um wie geplant neue Beteiligungen aufzubauen, müsste der frühere Finanzvorstand der Lufthansa einige Metro-Aktien verkaufen, doch genau die bringen immer weniger Geld.

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Des einen Freud ist des anderen Leid. So sieht es auch beim Dax aus. Denn einerseits kann sich der Autozulieferer Continental auf den Wiedereinzug in den obersten Börsenindex freuen — ein Kursplus von 60 Prozent seit dem Jahreswechsel macht es möglich.

Lanxess Andererseits steht Lanxess vor dem Aufstieg. Auch wenn sich der Konzern in Sachen Dax-Aufstieg offiziell leidenschaftslos gibt, dürfte für Lanxess-Chef Axel Heitmann mit der Aufnahme in den Dax ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Schließlich galt Lanxess lange als verstoßene Tochter des Erfolgskonzerns Bayer, der unter diesem Namen im Jahr 2004 seine Chemietochter abgespalten hat.

Heute beschäftigt Lanxess weltweit 17000 Mitarbeiter und setzt 8,8 Milliarden Euro um. Mit einem Sanierungsprogramm hat Heitmann Lanxess so gut umstrukturiert, dass der Konzern wesentlich schneller als gedacht schwarze Zahlen schrieb. Inzwischen notiert das Papier knapp über 60 Euro und ist damit viermal soviel wert wie beim Börsengang vor sieben Jahren.

Der Leverkusener Chemie-Riese dürfte einige Vorteile durch den Sprung in die erste Börsenliga haben. Oliver Schwarz, Lanxess-Analyst bei MM. Warburg, zählt sie auf: "Viele Fonds bilden den Dax ab. Die müssen dann Lanxess-Aktien kaufen, was die Nachfrage automatisch antreibt", sagt der Experte. Hinzu komme, dass Dax-30-Unternehmen in der Regel günstigere Kredite von Banken bekämen. "Und schließlich ist der Dax das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Das ist eine kostenlose Werbung für alle, die drin sind", sagt Schwarz.

Die meisten dieser Vorteile seien im aktuellen Lanxess-Aktienkurs aber bereits eingepreist. Und weil Lanxess stark von der Konjunktur abhängt, könnte die Aktie schnell auch wieder schwächeln.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Einbrüche des Deutschen Aktienindex im Überblick

(RP/csi)