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Nach Praktiker auch Tochter insolvenz: Max Bahr: Dem Hoffnungsträger geht die Luft aus

Nach Praktiker auch Tochter insolvenz : Max Bahr: Dem Hoffnungsträger geht die Luft aus

Sie galten als Hoffnung für die insolvente Praktiker-Kette: die Max-Bahr-Baumärkte. Doch nun muss auch die Tochterfirma Insolvenz beantragen. Für die Mitarbeiter und Gläubiger sind das alles andere als gute Nachrichten. Denn eigentlich sollte versucht werden, mit den Max-Bahr-Märkten die insolvente Mutter zu retten.

Für Praktiker ging es im S-Dax am Freitagmorgen erst einmal bergab. Nachdem das Tochterunternehmen Max Bahr angekündigt hatte, dass es ebenfalls Insolvenz anmelden muss, rauschten die Papiere um fast 15 Prozent in die Tiefe — auf elf Cent. Was da am Donnerstagabend verkündet wurde, dürfte vielen Aktionären die Hoffnung genommen haben, dass die Baumarktkette Praktiker doch noch gerettet werden kann.

Denn Max Bahr war schon die große Hoffnung, als Praktiker seinen harten Sanierungskurs einschlagen musste. Nach und nach sollten Baumärkte der Mutter unter das Dach der Tochter eingegliedert werden, 54 waren es am Ende. Während sich Praktiker mit seinem Discount-Slogan "20 Prozent auf alles — außer Tiernahrung" selbst mehr schadete als nützte, waren die Max-Bahr-Märkte höherpreisig angelegt und galten als profitabel.

Umstellung von Praktiker auf Max Bahr

Und so wurde die Umstellung auf die Tochter unter Vorstandschef Armin Burger massiv vorangetrieben. Auch als Praktiker schließlich verkündete, Insolvenz beantragen zu müssen, hieß es noch, die Max-Bahr-Märkte wären davon ausgenommen. Der "Spiegel" hatte vor einigen Tagen berichtet, dass die Marke ganz verschwinden könnte und alle funktionierenden Praktiker-Filialen in den Max-Bahr-Bereich integriert werden könnten. Es solle ein "Kern-Max-Bahr" geben, an einem Konzept werde noch gearbeitet. Ein großer Hoffnungsschimmer sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Gläubiger. Das sieht seit Donnerstagabend nun anders aus.

Es ist zwar kein Einzelfall, dass eine Tochter durch die Insolvenz der Mutter mit in die Tiefe gezogen wird, im Falle von Praktiker und Max-Bahr ist es aber besonders bitter, weil eben die Tochter als Rettungsmöglichkeit galt, vom Dicounter-Image wegzukommen. Nachdem aber ein Warenkreditversicherer abgesprungen sei, sei eine zuverlässige Versorgung der Max-Bahr-Märkte mit Waren nicht mehr gesichert. Das heißt: Springt eine solche Versicherung nicht mehr ein, wollen Lieferanten oft Vorkasse sehen, sonst gibt es keine Ware.

3700 Mitarbeiter betroffen

Für Max Bahr soll nun ein Insolvenzplanverfahren eröffnet wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit eröffnet werden. Damit besteht noch Hoffnung, dass die Kette mit seinen 3700 Mitarbeitern und 132 Standorten als Ganzes erhalten werden kann. Für Praktiker selbst indes sieht es weniger gut aus.

Denn einerseits gibt es zwar Interessenten, doch das die Holding wirklich als Ganzes erhalten werden kann, daran darf gezweifelt werden. Zwar hatten bereits einige große Baumarktketten wie Hornbach oder Obi öffentlich Interesse an Praktiker bekundet, aber eben nur an einzelnen Filialen, nicht für das Gesamtpaket. Angesichts der Insolvenz von Max Bahr dürften sich die Insolvenzverwalter von Praktiker nun schnell nach einer neuen Strategie umschauen müssen.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Praktiker ist zahlungsunfähig

(das)