Martina Merz könnte Thyssenkrupp-Chefaufseherin werden

Industriekonzern : Martina Merz könnte Thyssenkrupp-Chefaufseherin werden

Erstmals könnte eine Frau den Aufsichtsrat des Essener Konzerns führen und so dessen Führungskrise beenden. Denn der amtierende Chefkontrolleur ist nur eine Übergangslösung. Derweil können sich die Stahlkocher auf einen Extra-Bonus für 2018 freuen.

An die Spitze des Thyssenkrupp-Aufsichtsrats könnte Insidern zufolge erstmals eine Frau rücken. Die gerade erst in das Kontrollgremium berufene ehemalige Bosch-Managerin Martina Merz kann sich Hoffnungen auf das Spitzenamt machen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Merz habe im Poker um den Aufsichtsratsvorsitz gute Karten.

Eigentlich hatte Daimler-Manager Bodo Uebber in den Thyssenkrupp-Aufsichtsrat einziehen und schließlich auch die Nachfolge des derzeitigen Aufsichtsratschefs Bernhard Pellens antreten sollen. Dieser Plan war aber wohl auch an unterschiedlichen Vorstellungen über die Höhe der Aufsichtsratsvergütung gescheitert. Nun könnte Martina Merz auf Pellens folgen, sagten die Insider.

Die 55-Jährige ist bereits Aufsichtsrätin bei der Lufthansa sowie Vorsitzende des Boards of Directors beim Autozulieferer SAF-Holland. Die Maschinenbauerin ist als Unternehmensberaterin tätig. Sie war im November in den Thyssenkrupp-Aufsichtsrat berufen worden. Die Hauptversammlung soll sie im Januar bestätigen. Die Einladung für das Treffen wird nächste Woche erwartet – sie könnte bereits Klarheit bringen. Ein Thyssenkrupp-Sprecher lehnte einen Kommentar ab und verwies auf die anstehende Einladung.

Der Aufsichtsrat muss die Aufspaltung begleiten. Vorstandschef Guido Kerkhoff will Thyssenkrupp in eine Industrial AG um die lukrative Aufzugsparte und eine Materials AG aufteilen, zu der die Beteiligung am Stahl-Joint-Venture gehören soll. Der amtierende Aufsichtsrats-Chef Bernhard Pellens muss 2020 gehen, er sitzt schon zu lange als einfaches Mitglied in dem Gremium. Pellens war als Chefkontrolleur eingesprungen, nachdem Ulrich Lehner im Sommer das Handtuch geworfen hat.

Unterdessen will Thyssenkrupp den Beschäftigten der Stahlsparte Anfang 2019 eine Erfolgsbeteiligung von je 1000 Euro zahlen, so die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Der Konzern wollte sich nicht äußern. Der Betriebsrat hatte einen Bonus für die Stahlkocher gefordert, da die Sparte ein sensationelles Ergebnis abgeliefert habe, so Betriebsrats-Chef Tekin Nasikkol.

(rtr)
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