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Lufthansa: Welche Folgen das Aus für Germanwings hat

Krisenprogramm der Lufthansa : Welche Folgen das Aus für Germanwings hat

Es werde noch Jahre dauern, bis die Krise überwunden ist, meint die Lufthansa und legt 42 Jets still. Die Gewerkschaften kämpften vergeblich für den Erhalt von Germanwings. Nun fordert Verdi die Übernahme der 1400 Beschäftigten.

Die Corona-Krise trifft Luftfahrt und Tourismus ins Mark. Und die Lufthansa hat keine Hoffnung auf rasche Besserung: „Es wird Monate dauern, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben sind, und Jahre, bis die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder dem Vorkrisen-Niveau entspricht“, teilte der Vorstand um Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach seiner Sitzung am Dienstag mit. Nun stemmt sich der Konzern mit einem großen Sparprogramm gegen die Krise. Er legt Dutzende Flugzeuge dauerhaft still und stellt bei der Tochter Germanwings den Betrieb ein. Zu Kündigungen sagt der Konzern nichts, betont aber, dass „möglichst vielen“ Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Lufthansa Group angeboten werden soll. Bei der Lufthansa sind konzernweit bereits rund 700 der 763 Flugzeuge am Boden.

Germanwings Das Tochterunternehmen, das bereits weitgehend von Eurowings aufgesogen wurde, soll nun endgültig verschwinden. „Der Flugbetrieb der Germanwings wird beendet. Alle daraus resultierenden Optionen sollen mit den Sozialpartnern besprochen werden“, erklärte der Konzern. Damit setze man das bereits vor der Krise festgelegte Ziel von Eurowings nun beschleunigt um, den Flugbetrieb auf eine Einheit zu bündeln. Nach 2015, dem Jahr des Germanwings-Absturzes in den Alpen, war die Marke bereits immer mehr aus dem öffentlichen Auftritt verschwunden.

Eurowings hat 140 Maschinen, davon gehören noch 30 zu Germanwings. Fast alle Maschinen sind bereits in den hellblau-roten Eurowings-Farben umlackiert, nur noch vereinzelt gibt es Maschinen in braun-gelbem Germanwings-Dekor. 1400 der 5000 Eurowings-Mitarbeiter gehören bislang zu Germanwings. Oft sind ältere Germanwings-Arbeitsverträge besser als die der Eurowings-Kollegen. Hier drohen nun Verteilungskämpfe. Die Gewerkschaften von Piloten, Boden- und Kabinenpersonal hatten zuvor vergeblich in einem gemeinsamen Brief vor solchen Stilllegungen gewarnt. „Keines der Tochterunternehmen der Lufthansa trägt eine Schuld an dieser Krise. Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie einzelne Gruppen opfern und ernsthaft noch mit konstruktiver Unterstützung Ihrer Mitarbeiter andere Gruppen rechnen“, hieß es in dem Schreiben an den Vorstand. Dennis Dacke, Luftfahrt-Experte der Gewerkschaft Verdi, fordert: „Wenn es zu einer Stilllegung der Germanwings kommt, müssen die Arbeitsplätze von Kabinenbeschäftigten, Cockpit und Verwaltung in der LH Group zu gleichen tariflichen Konditionen und mit dem Ausgleich von Härten sichergestellt werden.“

Flugzeug-Stillegungen In allen Bereichen mustert die Lufthansa Flugzeuge aus, selbst beim Renommierflieger A 380. „Bei der Lufthansa Airline werden sechs Flugzeuge vom Typ Airbus A380 und sieben Flugzeuge vom Typ A340-600 sowie fünf Boeing 747-400 stillgelegt“, so der Konzern. Damit reduziere die Lufthansa vor allen ihre Kapazität an den Drehkreuzen Frankfurt und München. Hinzu kommen auf der Kurzstrecke elf Airbus A320, die stillgelegt werden. Zusätzlich werde Lufthansa Cityline drei Flugzeuge vom Typ Airbus A340-300 aus dem Betrieb nehmen. Seit 2015 hatte die Regionalfluglinie vor allem touristische Langstreckenziele für Lufthansa angeflogen.

Eurowings Doch damit nicht genug: Auch der Billigableger Eurowings wird seine Zahl der Flugzeuge weiter reduzieren. „So sind im Bereich der Kurzstrecke zusätzlich zehn Airbus A320 zur Ausflottung vorgesehen“, betonte der Konzern. Das Langstreckengeschäft der Eurowings solle ebenfalls verkleinert werden. Wie das Ganze den Flughafen Düsseldorf trifft, ist noch unklar. Hier hat Eurowings 39 Flugzeuge stationiert. Eurowings hat in Düsseldorf einen Marktanteil von 40 Prozent. Die nun vor dem Aus stehende Germanwings hat den Flugbetrieb in Düsseldorf bereits Ende März eingestellt.

Kurzarbeit Infolge der Stilllegungen sind Zehntausende Piloten sowie beim Kabinen- und Bodenpersonal ohne Arbeit. 87.000 der insgesamt 135.000 Mitarbeiter hat der Konzern bereits in Kurzarbeit geschickt. Am Dienstag wurde die Kurzarbeit für 12.000 Beschäftigte bei der Lufthansa Technik, die für Wartung und Reparatur zuständig ist, vereinbart. Hier soll die Kurzarbeit bis Ende August andauern. Die Arbeitsagentur übernimmt damit Sozialabgaben und bis zu 67 Prozent des Lohns, die Lufthansa stockt bei vielen ihrer Gesellschaften auf 90 Prozent auf. Der Vorteil für die Mitarbeiter: Während des Bezugs von Kurzarbeitergeld darf ihnen laut Sozialgesetz nicht gekündigt werden. Germanwings hat der von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Kurzarbeit allerdings nicht zugestimmt.

Staatshilfe Wenn das alles nicht reicht, muss der Staat ran: „Wenn die Krise länger dauert, wird der Staat helfen“, ist Luftfahrt-Experte Gerald Wissel überzeugt. Doch mit Krediten allein sei der Lufthansa nicht geholfen. „Die Margen in der Branche sind so gering, dass durch Zinsen und Tilgung der wirtschaftliche Spielraum weiter reduziert wird. Ein Modell mit Teilverstaatlichung wie bei der Commerzbank ist gut vorstellbar.“ Auch die Gewerkschaft Verdi setzt auf den Staat: „Wir begrüßen jede Form der Hilfe. Dennoch kann es staatliche Hilfen nur geben, wenn auch die Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen damit einhergeht“, sagt Dennis Dacke und verweist ausgerechnet auf die USA. „Bei Zusagen von über 31 Milliarden Dollar wurde Arbeitsplätze und Einkommen von mehreren hunderttausend Beschäftigten geschützt.“ Die Lufthansa äußerte sich am Dienstag nicht zum Thema Staatshilfe. In Berliner Kreisen heißt es, aktuell liefen Gespräche mit dem Konzern und der Politik.

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