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Lufthansa: Streik sorgt für überlastete Call-Center

Lufthansa-Streik : Pilotenstreik sorgt für überlastete Call-Center

Nach dem Ende des Pilotenstreiks will die Lufthansa möglichst rasch wieder den Normalbetrieb aufnehmen. Am Freitagnachmittag mitteleuropäischer Zeit (MEZ) sollten in Asien bereits erste Flüge abheben. Wegen des Streiks herrschte unterdessen weiter Hochbetrieb in den Call-Centern der Fluggesellschaft. Passagiere mussten längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Am Freitag sollten nochmals mehrere hundert Flüge ausfallen. Insgesamt hatte die Lufthansa für die drei Streiktage seit Mittwoch 3800 Flüge annulliert. 425.000 Fluggäste waren demnach vom Pilotenstreik betroffen.

Kein Chaos an den Flughäfen

Die Lage an den Flughäfen blieb entspannt. Laut einem Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport wurden im Flughafen zwar vorsorglich Feldbetten aufgestellt. Aber nur eine Handvoll Passagiere, die den Transitbereich wegen fehlender Visa nicht verlassen durften, habe dort übernachten müssen.

Call-Center überlastet - 80.000 Anrufe am Dienstag

Die Call-Center der Lufthansa waren hingegen überlastet. Nachdem sich am Dienstag 80.000 Kunden wegen Umbuchungen an die Call-Center wandten, riefen am Mittwoch nochmals 25.000 Reisende an, wie das Unternehmen mitteilte. Über Twitter und Facebook beschwerten sich Passagiere, dass die Hotline stundenlang nicht erreichbar gewesen sei. Lufthansa räumte längere Wartezeiten ein.

Auch auf der Firmenseite der Lufthansa bei Facebook ließen Nutzer ihrem Unmut freien Lauf. Für viele war bei der Hotline demnach stundenlang kein Durchkommen. Unmut geäußert wurde auch über die Piloten, denen viele Nutzer überzogene Forderungen unterstellen.

Züge für Sonderfahrten stehen bereit

Wegen des Streiks wichen nach Angaben der Fluggesellschaft rund 20.000 Reisende auf die Bahn aus, andere wurden auf andere Fluggesellschaften umgebucht. Passagiere, deren Inlandsflüge annulliert worden sind, können ihre Tickets kostenlos in Bahn-Tickets umwandeln. Die Bahn setzte seit Mittwoch zusätzliche Mitarbeiter ein. Die bereitgestellten Züge für Sonderfahrten seien bislang aber nicht gebraucht worden, sagte eine Bahnsprecherin.

Der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa, Christoph Franz, setzt nun auf eine schnelle Einigung mit den Piloten. Er hoffe, "dass wir schnell wieder zu Gesprächen zusammenkommen und dann für beide Seiten akzeptable Kompromisse finden", sagte Franz der "Bild" vom Donnerstag. Im "Handelsblatt" (Freitagausgabe) sprach sich Franz zugleich für eine Reform des Streikrechts aus. "Es sollte aus unserer Sicht auch bei einem Streik eine Pflicht auf Mindestaufrechterhaltung der kritischen Verkehrsinfrastruktur geben, zu der ja auch die Bahn oder die Flugsicherung zählen", sagte der Lufthansa-Chef.

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Keine Gespräche zwischen den Streik-Parteien

Trotz der Forderung nach Gesprächen hat sich die Lufthansa laut der Vereinigung Cockpit noch nicht bei den Piloten gemeldet. "Bis jetzt hat das Telefon leider gar nicht geklingelt - es gibt kein neues Angebot der Lufthansa", sagte Cockpit-Sprecher Markus Wahl dem Nachrichtensender n-tv. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten erneut Streiks folgen. Bis zum Ende der Osterferien werde es aber keine neuen Arbeitsniederlegungen geben.

Hier geht es zur Infostrecke: Streiks im deutschen Luftverkehr

(AFP)