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Regierung soll Notfallpläne schmieden: London rechnet angeblich mit BPs Untergang

Regierung soll Notfallpläne schmieden : London rechnet angeblich mit BPs Untergang

London (RPO). Die britische Regierung bereitet sich angeblich auf einen Zusammenbruch des angeschlagenen Energiekonzerns BP vor. Wie die renommierte "Times" berichtet, führen Vertreter des Wirtschafts- und des Finanzministeriums Gespräche über die Zukunft des Ölmultis. Dazu gehören demnach auch Notfallpläne.

Das Blatt beruft sich in ihrer Dienstagausgabe auf mit den Beratungen Vertraute. Die Regierung stelle sich auf "alle Eventualitäten" ein. Weitere Details wurden nicht genannt. Das Finanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Das Wirtschaftsministerium konnte für eine Stellungnahme zunächst nicht erreicht werden. Die Ölpest im Golf von Mexiko entwickelt sich zu einem immer riesigeren Milliardenloch für BP. Die Aktien des Unternehmens, die von vielen britischen Pensionsfonds gehalten werden, haben seit Beginn der Katastrophe Mitte April beinahe die Hälfte ihres Werts verloren.

Die Ölpest im Golf von Mexiko entwickelt sich zu einem immer riesigeren Milliardenloch für BP. Zweieinhalb Monate nach dem Untergang der Plattform "Deepwater Horizon" musste der britische Energieriese nach eigenen Angaben bislang bereits mehr als drei Milliarden Dollar für die Bewältigung der Katastrophe aufbringen, inklusive 147 Millionen Dollar an Entschädigungszahlungen. Und die Rechnung steigt weiter, denn ein durchschlagender Erfolg bei der Bekämpfung zeichnet sich zumindest bis August vorerst nicht ab.

Die BP-Aktie war am Montag dennoch so sehr wie selten in den vergangenen Wochen gefragt. Am Wochenende waren Medienberichte erschienen, denen zufolge der Konzern nach neuen Großinvestoren sucht, auch um potenzielle Übernahmeversuche abwehren zu können. Das BP-Papier verteuerte sich an der Börse in London um zeitweise mehr als fünf Prozent und schloss gut 3,5 Prozent höher. Berater des Ölmultis rührten unter Rivalen und Staatsfonds die Werbetrommel, um sie zur Übernahme eines Anteils von fünf bis zehn Prozent zu bewegen, berichtete die britische "Sunday Times". In anderen Berichten hieß es zudem, mehrere Staatsfonds hätten Interesse an BP-Vermögenswerten im Mittleren Osten oder Asien.

Der Konzern, dessen Marktwert sich seit Beginn der Ölpest mehr als halbiert hat, äußerte sich zu den Berichten nicht, hat aber bereits erklärt, durch den Verkauf von Geschäftsteilen in diesem Jahr zehn Milliarden Dollar einnehmen zu wollen. So soll der 20 Milliarden Dollar schwere Entschädigungsfonds finanziert werden, der auf Druck der US-Regierung ins Leben gerufen wurde.

Ob die Berichte die Nachfrage nach der BP-Aktie befeuerten, war unklar. Mehrere Anleger zeigten sich skeptisch. "Wir sind überhaupt nicht der Ansicht, dass ein strategischer Partner nötig ist", hieß es bei einem der zehn größten BP-Anteilseigner, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Die Aktionäre werden dazu 'Nein, danke' sagen, und das haben wir gegenüber dem Unternehmen kommuniziert."

Societe-Generale-Analyst Evgeny Solovyov sagte: "Um ehrlich zu sein, sehe ich nicht ganz, wieso das gut für den Aktienpreis sein sollte." Er gab unter anderem zu bedenken, dass BP mit dem Einstieg eines Großinvestors aus dem Mittleren Osten oder China seine Position in Regionen wie den USA aufs Spiel setzen könnte. Seymour-Pierce-Analyst Alan Sinclair machte daher einen anderen möglichen Grund für die positive Marktreaktion aus. Die Entlastungsbohrungen sollten bald funktionieren, und das dürfte am Markt für Erleichterung sorgen, sagte er.

Hoher Seegang

BP hofft, dass das defekte Bohrloch in gut 1,5 Kilometern Tiefe im kommenden Monat verschlossen werden kann, wenn die Entlastungsbohrungen greifen. Bis dahin sollen anderen Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Ölteppichs zumindest etwas im Zaum zu halten. So teilte BP am Montag mit, an Plänen für weitere Öl-Auffangvorrichtungen zu arbeiten. Einsatzbereit könnten diese demnach Mitte oder Ende des Monats sein.

Außerdem soll ein Supertanker mit dem Namen "A Whale" in Kürze damit beginnen, Öl von der Meeresoberfläche abzugreifen. Noch befindet sich dieses Vorhaben in der Testphase, die wegen des hohen Seegangs in Folge des durchgezogenen Hurrikans "Alex" verlängert wurde, wie ein Sprecher des taiwanischen Schiffseigners TMT Shipping Offshore mitteilte. "A Whale" soll etwa 80 Millionen Liter ölverseuchtes Wasser von der Oberfläche aufnehmen können.

Seit Ende April sprudelten Millionen Liter Öl in den Golf, nur ein Bruchteil wird bislang aufgefangen. Die Ölpest hat bereits massive Umweltschäden an der US-Golfküste verursacht und unter anderem die örtliche Tourismus-Industrie in Mitleidenschaft gezogen. So kamen am verlängerten Feiertagswochenende merklich weniger Besucher an die sonst so weißen Sandstrände.

(RTR/pst)