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Wirtschaft in Süddeutschland boomt: Landesbanken machen dicke Gewinne

Wirtschaft in Süddeutschland boomt : Landesbanken machen dicke Gewinne

Die gute Wirtschaftsentwicklung in Süddeutschland gibt der LBBW und der BayernLB Rückenwind. Die beiden größten deutschen Landesbanken bauten ihren Gewinn im ersten Halbjahr deutlich aus und stärkten zudem ihre Kapitalpuffer für schlechte Zeiten.

Hauptverantwortlich dafür waren florierende Geschäfte mit Großkonzernen und Mittelständlern im wohlhabenden Süden Deutschlands. "Wir profitieren davon, dass wir der Hort der Stabilität in Europa sind", betonte BayernLB-Finanzchef Stephan Winkelmeier am Montag.

Beide Landesbanken waren in der Finanzkrise vom Staat mit Milliarden vor dem Aus gerettet worden und konzentrieren sich seitdem vor allem auf das Geschäft mit Unternehmen und Sparkassen.

Auch die Frankfurter Helaba, die dieses Geschäftsmodell schon länger verfolgt, hat ihren Gewinn in den ersten sechs Monaten deutlich ausgebaut. Die Zahlen verdeutlichen, dass es derzeit eine Zweiteilung des Landesbanken-Sektors gibt. Den Instituten im Süden und in der Mitte Deutschlands geht es vergleichsweise gut, während die Häuser im Norden schwer unter der Schifffahrtskrise leiden.

Die NordLB hat wegen der Flaute auf hoher See im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben, bei der HSH Nordbank schrumpfte der Gewinn deutlich. Auch die Aufseher haben diese Institute, die Ende der Woche ihre Halbjahreszahlen vorlegen, genau im Blick. Die Behörden durchleuchten die Schifffahrtsportfolios aller deutschen Banken.

Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) im kommenden Jahr mit der Kontrolle der großen europäischen Banken beginnt, soll in zwei Stresstests geklärt werden, ob noch unentdeckte Risiken in den Bilanzen der europäischen Geldhäuser schlummern.

Buhlen um den Mittelstand

Die LBBW und die BayernLB sind für die neuen Auflagen nach eigenen Angaben gut gerüstet. Bei beiden Instituten kletterte die harte Kernkapitalquote bis Ende Juni auf rund 14 Prozent. Auch die Risikovorsorge im Kreditgeschäft lag bei den Banken mit jeweils gut 130 Millionen Euro auf einem relativ niedrigen Niveau.

Beide Geldhäuser führen die gute Entwicklung im Firmenkundengeschäft auf ihre Verwurzelung in Süddeutschland zurück. Sie hätten in der Finanzkrise weiter als Kreditgeber zur Verfügung gestanden, als sich andere Institute zurückzogen.

"Nachdem die Restrukturierung weitestgehend abgeschlossen ist, richtet die LBBW alle Kraft auf das Kundengeschäft", betonte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter. "Das Ergebnis zeigt, dass diese Bemühungen fruchten." Vor allem dank Zuwächsen im Firmenkundengeschäft steigerte die LBBW ihren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um ein Drittel auf 260 Millionen Euro. Parallel baute die Bank ihren Bestand an riskanten Papieren weiter ab und nahm dabei auch Verluste in Kauf.

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Derzeit buhlen immer mehr Banken aus dem In- und Ausland verstärkt um den deutschen Mittelstand - unter anderem die Deutsche Bank, HSBC Trinkaus und die französische Bank BNP Paribas. Die BayernLB spüre den verstärkten Wettbewerb durchaus, räumte Finanzchef Winkelmeier ein. "Wir verlieren auch mal den einen oder anderen Kundendeal." Insgesamt wachse das Geschäftsfeld aber mit auskömmlichen Gewinnmargen. Im ersten Halbjahr gewann das Geldhaus 70 große Mittelständler als neue Kunden.

Die BayernLB, die im Gegensatz zur LBBW noch mitten im Umbauprozess steckt, hat ihren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr mehr als verfünffacht auf 719 Millionen Euro und zudem weitere Staatshilfen an das Land Bayern zurückgezahlt.

Maßgeblich zur Gewinnexplosion beigetragen hat jedoch der milliardenschwere Verkauf der Wohnungsbautochter GBW, der den Bayern einen Ertrag von 351 Millionen Euro einbrachte. Für das Gesamtjahr bleibt die BayernLB deshalb vorsichtig und sagt wie die LBBW lediglich ein positives Ergebnis voraus.

Sorgen bereitet der BayernLB vor allem die ungarische Tochter MKB, die ihren Vorsteuerverlust im ersten Halbjahr um knapp zwei Drittel auf 108 Millionen Euro ausweitete. Grund dafür sind Belastungen durch die ungarische Bankenabgabe, eine 2013 eingeführte Finanztransaktionssteuer sowie die Rezession in dem osteuropäischen Land.

In den kommenden Monaten droht der BayernLB weiteres Ungemach, falls die ungarische Regierung wie angekündigt ein neues Programm zum Umtausch von Fremdwährungskrediten in Forint-Darlehen auf den Weg bringt.

Die ungarische Regierung will damit Familien helfen, die vor der Finanzkrise 2008 hohe Kredite in Schweizer Franken aufgenommen haben, und diese nun wegen des Wertverfalls der Landeswährung nicht mehr zurückzahlen können. Auf den Verlusten bei solchen "Zwangsentschuldungsprogrammen", wie Winkelmeier sie nennt, bleiben am Ende meist die Banken sitzen.

(REU)