Vorstand Reutersberg im Interview: "Kündigungen bei Eon sind möglich"

Vorstand Reutersberg im Interview : "Kündigungen bei Eon sind möglich"

Düsseldorf (RP). Der größte deutsche Energiekonzern Eon will in Düsseldorf mehr als jede zweite Stelle streichen. Die Mitarbeiter wurden bereits in einer Betriebsversammlung darüber informiert. Eon-Vorstand Bernhard Reutersberg sprach mit unserer Redaktion über die Details zum geplanten Stellenabbau.

Der Eon-Vorstand hat den Umbau der Zentrale in Düsseldorf beschlossen. Wie viele Stellen fallen weg?

Reutersberg: Von den 850 Stellen, die es derzeit in der Zentrale gibt, werden 230 Stellen gestrichen. Über die Zuordnung von 220 Stellen, die in Unterstützungsfunktionen wie dem Einkauf, der IT oder dem Gebäudemanagement tätig sind, entscheiden wir später. Sie sollen künftig nicht mehr zur Zentrale gehören, bleiben aber grundsätzlich im Konzern.

Welche Stellen fallen weg?

Reutersberg: Der Abbau betrifft alle Bereiche und alle Hierarchie-Stufen in Düsseldorf. Wir müssen uns von Aufgaben befreien, die wir uns nicht mehr leisten können.

Wird es Kündigungen geben?

Reutersberg: Unser Ziel ist es, dass möglichst viele der Beschäftigten, von denen wir uns trennen müssen, von Arbeit wieder in neue Arbeit kommen, innerhalb oder auch außerhalb unseres Konzerns. Dafür bieten wir als eine erste Maßnahme umfassende Beratungsleistungen und bei freiwilligem Ausscheiden Abfindungen an. Darüber hinaus sind unter bestimmten Voraussetzungen auch Vorruhestandsregelungen möglich. Weitere Maßnahmen wollen wir mit dem Betriebsrat noch verhandeln. Doch weil all das möglicherweise nicht reicht, können wir betriebsbedingte Kündigungen als ultima ratio nicht ausschließen — auch nicht in Düsseldorf.

Gibt es auch Konsequenzen für den Vorstand?

Reutersberg: Nein. Es bleibt bei sechs Vorständen, das ist für einen Konzern unserer Größe im internationalen Vergleich eher unterdurchschnittlich.

Eon hat die Zentrale in den vergangenen Jahren um 300 Mitarbeiter verstärkt. Jetzt wird die Hälfte der Stellen hier gestrichen. Wie passt das zusammen?

Reutersberg: Die Energie-Welt hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch gewandelt. Daher erscheint auch die Ausstattung der Konzernzentrale in neuem Licht. Eon leistet sich im Vergleich zu anderen nationalen und internationalen Konzernen eine zu große Zentrale.

Der frühere Eon-Chef Bernotat wollte die Zentrale mal ganz aus Düsseldorf verlegen. Gibt es solche Überlegungen wieder?

Reutersberg: Nein. Eon hat seine historischen Wurzeln in Düsseldorf. Die Leitung des Konzerns bleibt in Düsseldorf und zwar in diesem Gebäude am Rhein.

Wie lange will oder kann Eon noch an der Förderung des Düsseldorfer Museums Kunstpalast festhalten?

Reutersberg: Wir haben Verträge bis 2013, das respektieren wir. Danach werden wir überlegen, ob wir an der Förderung festhalten werden.

Wann werden die Mitarbeiter wissen, was mit ihnen passiert? Bis Weihnachten?

Reutersberg: Wir hoffen, die Phase der Unsicherheit so kurz wie möglich halten zu können. Über Details zur Umsetzung der Maßnahmen in der Konzernleitung werden wir nun Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufnehmen.

Die Gewerkschaft wirft Ihnen Salami-Taktik vor.

Reutersberg: Wir kommunizieren ehrlich und so transparent wie möglich. Wir sagen, wohin wir wollen. Aber wir können den Verhandlungen mit der Arbeitnehmer-Vertretung nicht vorgreifen.

Insgesamt will Eon bis zu 11 000 Arbeitsplätze streichen. Die Zentrale ist der Anfang, welche Bereiche sind als nächstes an der Reihe?

Reutersberg: Der Umbau wird in rund 60 Einzelprojekten konkret gestaltet. Wir haben mit der Zentrale angefangen, auch weil sie zum Beispiel für den Reporting-Aufwand in anderen Unternehmensteilen verantwortlich ist. Als nächstes werden wir etwas über eine mögliche Zusammenführung des Gashandels von E.ON Ruhrgas und E.ON Energy Trading sowie über E.ON Energie und den Standort München etwas sagen können.

Wo wird denn die vereinigte Handelstochter sitzen?

Reutersberg: Zunächst müssen das Konzept und die Organisation fertig gestellt sein. Erst danach wird über den Standort entschieden.

Sind Sie mit den Verantwortlichen aus der Politik im Gespräch? Die Landesregierung drängt doch bestimmt, den Standort Essen zu erhalten.

Reutersberg: Ich habe mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Elbers gesprochen, Herr Teyssen mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Wir haben ihnen versichert, dass wir uns der Verantwortung für die Mitarbeiter bewusst sind und dass Eon im Großraum Düsseldorf bleibt. Dazu zählt auch Essen.

Ist Climate&Renewables eigentlich beim Sparprogramm außen vor?

Reutersberg: Nein, keine Einheit bleibt außen vor. Jeder Unternehmensbereich muss unseren Effizienzvorgaben genügen, auch Climate&Renewables, auf die wir besondere Zukunftshoffnungen setzen. Aber natürlich ist es leichter, Strukturen in einem wachsenden Bereich anzupassen als in einem stagnierenden.

Ursprünglich sollte es bis November eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben. Warum wird daraus nichts?

Reutersberg: Weil es wenig Sinn ergibt, einzelne Zwischenergebnisse vorzustellen, wenn wir auf der Sitzung im Dezember einen gesamten Überblick über Eon 2.0 geben können. Daher haben der Vorsitzender des Aufsichtsrates, Herr Wenning, und der stellvertretende Vorsitzende, Herr Ott, sich gegen eine Sondersitzung entschieden.

Andere Konzerne antworten mit Lohnverzicht für alle Mitarbeiter auf eine Krise. Steht das zur Debatte?

Reutersberg: Wir gehen nicht mit dem Rasenmäher vor, sondern wollen Strukturen verändern, so dass Eon effizienter wird. Bestehende Tarifverträge werden nicht berührt.

Sie waren früher Ruhrgas-Chef. Schmerzt Sie, das Ruhrgas nun besonders im Fokus steht?

Reutersberg: Ich bin seit 12 Jahren im Konzern, habe in Essen und in München gearbeitet. Viele Mitarbeiter, die vom Umbau betroffen sind, kenne ich persönlich. Natürlich berührt mich das.

Böse Zungen sagen, Sie seien Umbaubeauftragter geworden, weil kein anderer den Job habe machen wollen. Unsinn?

Reutersberg: Ja, das ist Unsinn. Eine solche Entscheidung wird nicht danach getroffen, wer sich nicht schnell genug wegducken kann. Zusammen mit meiner Kollegin Regine Stachelhaus, die im Vorstand für Personal verantwortlich ist, organisiere ich den Umbau. Ich bin für die inhaltlichen Fragen zuständig, sie für die Personalfragen. Wir ergänzen uns gut.

Ist Eons einzige Strategie nun Stellen abzubauen?

Reutersberg: Nein, Eon 2.0 bildet die Basis dafür, dass wir in die Zukunft investieren können. Vor allem in Erneuerbare Energien, in dezentrale Energieversorgung und in Wachstum außerhalb Europas.

Nimmt die jüngste Gerichtsentscheidung zur Brennelementesteuer den Druck, sparen zu müssen?

Reutersberg: Nein. Wir freuen uns über die vorläufigen Entscheidungen, die unsere Rechtsauffassung bestätigen. Wir hatten von Anfang an rechtliche Bedenken gegen die Steuer. Aber die Bundesregierung hat bereits angekündigt, dass sie in die nächste Instanz geht.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist der Eon-Konzern