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Peter Löscher fügt sich in die Niederlage: Krise bei Siemens ist noch nicht vorbei

Peter Löscher fügt sich in die Niederlage : Krise bei Siemens ist noch nicht vorbei

Siemens-Chef Peter Löscher wehrt sich nicht gegen seinen Rauswurf. Der Noch-Vorstandsvorsitzende ließ Berichte zurückweisen, er bestehe im Fall seiner Abwahl am Mittwoch auf einem Rücktritt von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Auch wenn dieses Problem ausgeräumt scheint: Die Krise bei Siemens ist noch lange nicht vorbei.

"Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zurecht stolz auf ihr Unternehmen sind", sagte Löscher der "Bild"-Zeitung. Ein Siemens-Sprecher erklärte, es stimme nicht, dass Löscher seinen Vorstandsposten nur dann räumen wolle, wenn zugleich auch Cromme das Kontrollgremium verlasse.

Damit macht Löscher den Weg für seinen Nachfolger frei. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns hatte sich am Wochenende nach langen Beratungen auf die vorzeitige Ablösung des Österreichers geeinigt und die für Mittwoch geplante Abwahl in einer knappen Pflichtmitteilung verbreitet. Aus gut informierten Kreisen wurde berichtet, dass Finanzvorstand Joe Kaeser Löschers Nachfolge übernehmen soll. Der Konzern schweigt zu dieser Personalie allerdings nach wie vor.

Doch wie immer diese Entscheidung ausfällt: Siemens braucht den Neuanfang. Der Konzern hat gleich mehrere Baustellen, und ein Wechsel an der Führungsspitze beruhigt zumindest vorerst die Anleger — und wohl auch so manchen Mitarbeiter.

Probleme mit ICE-Zügen und Windpark-Anbindungen

Denn Löscher, der 2007 von Cromme in den Konzern geholt worden war, um nach dem Schmiergeld-Skandal aufzuräumen, soll nie richtig mit Siemens warm geworden sein. Und er war der erste Chef, den man von außen holte. Mit Joe Kaeser will man nun zurück zu den Wurzeln — und am besten auch zu alten erfolgreichen Zeiten. Denn die lassen derzeit auf sich warten.

Teure Problem-Projekte lasten seit Längerem auf den Siemens-Bilanzen. Die Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn ist dabei nur ein Beispiel. Mit diesen ist der Konzern seit Langem in Verzug, weil es an der Zulassung durch die Behörden hakt. Aber auch bei der Anbindung von Windparks in der Nordsee gibt es Verzögerungen. Das kostet Siemens seit gut anderthalb Jahren viel Geld, der Konzern selbst nannte die Zahl von 680 Millionen Euro.

Hinzu kommt die Schließung der Solar-Sparte, nachdem die Übernahme des israelischen Solarunternehmens Solel verlustreich geendet hat. Und auch die Konjunktur hilft Siemens derzeit alles andere als weiter. Denn das nachlassende Wachstum in wichtigen Schwellenländern wie China bereitet Sorgen. Laut "Wirtschaftswoche" steht das China-Geschäft des Konzerns deshalb auf dem Prüfstand. Der Konzern sagt dazu nichts.

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Programm "Siemens 2014" fruchtete bislang nicht

Viele Mitarbeiter dürften für die Probleme Löscher verantwortlich machen. Denn nachdem er im Konzern aufgeräumt hatte — und dafür viel Lob erntete — verlor er bei den meisten an Sympathie wegen verschiedener Sparrunden und einem groß angelegten Stellenabbau. Die Belegschaft bezeichnete ihn als "Aus-Löscher". Mit dem Milliarden-Sparprogramm unter dem Namen "Siemens 2014" wollte der Konzern endlich wieder auf Kurs kommen.

Doch insbesondere die Rendite-Programme Löschers fruchteten nicht so, wie es sich der Siemens-Chef gewünscht haben dürfte. Mal wurden die Rendite-Ziele erfüllt, dann wieder nicht. Und nun die zweite Gewinnwarnung innerhalb von drei Monaten. Die vorgesehene Zielrendite von mindestens zwölf Prozent im operativen Geschäft lässt sich nicht erreichen. Und so etwas nehmen die Börsianer nicht auf die leichte Schulter, Nervosität machte sich breit. Siemens musste handeln.

Auf den voraussichtlichen Löscher-Nachfolger Kaeser kommen dementsprechend nun vor allem zwei Aufgaben zu: Aufräumen und für Ruhe sorgen im Konzern und auch bei den Börsianern. Ob er dazu die Gelegenheit bekommen wird, wird sich aber erst am Mittwoch zeigen — wenn der Siemens-Aufsichtsrat zu seiner entscheidenden Sitzung zusammenkommt.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist Peter Löscher

(das)