Kopfloser Thyssenkrupp-Konzern

Kommentar : Kopfloser Konzern

Nach den jüngsten Rücktritten droht Thyssenkrupp mehr denn je die Zerschlagung. Die Spitzenkräfte müssen sich nach ihrer Verantwortung fragen.

Das hat die Thyssenkrupp-Belegschaft nicht verdient: Erst wirft Konzern-Chef Hiesinger hin und dann Aufsichtsrats-Chef Lehner. In seiner schwersten Krise steht Thyssenkrupp nun ohne echte Führung da. Alle, die an der Misere beteiligt sind, müssen sich fragen, ob sie persönliche Eitelkeiten nicht vor die Interessen des Unternehmens gestellt haben. Wie Ursula Gather, die Chefin der Krupp-Stiftung, die durch ihr sibyllinische Auftreten maßgeblich zum Abgang der Spitzenkräfte beigetragen hat. Viel zu spät und halbherzig hat sie sich zur Einheit des Konzerns bekannt. Immerhin hat sie nun erklärt, nicht selbst nach dem Vorsitz im Aufsichtsrat zu greifen. Das Amt hätte die industriepolitisch und taktisch unerfahrene Professorin überfordert.

Hiesinger und Lehner sahen für ihre Strategie des Mischkonzerns keine Mehrheit mehr. Ihre Rücktritte kann man konsequent nennen – oder stur. Sie lassen 150.000 Mitarbeiter allein, ein zerstrittener Aufsichtsrat muss nun gleich zwei Spitzenposten neu besetzen. Thyssenkrupp droht mehr denn je die Zerschlagung - genau das, was Hiesinger und Lehner verhindern wollten.

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