Kommentar zur Krise bei Bayer: Die Wagenburg-Mentalität ist gefährlich

Kommentar zur Krise bei Bayer : Die Wagenburg-Mentalität ist gefährlich

Bayer war einmal der wertvollste deutsche Konzern, hatte friedliche Aktionäre und Arbeitnehmer, Kontrolle und Komment schweißten die Reihen auch in Krisenzeiten zusammen. Nach dem historischen Misstrauensvotum gegen den Vorstand aber ist der Konzern ein Krisenfall.

Was hilft es, dass die Monsanto-Übernahme industrielle Logik hat, wenn der Bayer-Vorstand nicht überzeugen kann – weder die Gerichte, die über Glyphosat und milliardenschwere Strafen urteilen, noch die Aktionäre, deren Depots nur noch halb so viel wert sind? Mindestens kommunikativ hat sich der Konzern übernommen, die Leverkusener Wagenburg-Mentalität ist ein Teil des Problems.

Die Mehrheit der Bayer-Aktionäre hat dem Vorstand um Werner Baumann das Misstrauen ausgesprochen, ein einmaliger Vorgang. Doch noch schützt ihn der Aufsichtsratschef und die Tatsache, dass sein Rauswurf erstmal nichts ändern würde – weder in den US-Gerichten noch beim Konzernumbau. Bayer hat keinen Plan B zum Monsanto-Deal, aber viele Baustellen mit Alltagsgeschäft und Jobabbau. Hinwerfen wie bei Thyssenkrupp wird das Führungsduo nicht. Lockt die Vertrauenskrise aber aggressive Investoren an, die nicht nur Denkzettel verpassen wollen, droht die Zerschlagung. Das ist jenseits der Führungskrise das eigentliche Problem.

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