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Kommentar Thyssenkrupp: Das Versagen der Krupp-Stiftung

Kommentar zu Thyssenkrupp : Das Versagen der Krupp-Stiftung

Die Chaostage bei Thyssenkrupp erreichen einen Höhepunkt: Die Krupp-Stiftung mag groß im Geldausgeben sein, bei der Begleitung des Traditionskonzerns in die Zukunft hat sie versagt. Nun droht die Zerschlagung. Das hat die Belegschaft nicht verdient.

Vor acht Jahren stand Thyssenkrupp schon einmal am Abgrund. Nun erschüttern ihn erneut Kabalen und Intrigen. Damals beherrschten Kartelle, Korruption und Kapitalschwund die Schlagzeilen. Eine Kultur des Mauschelns und Vertuschens hatten das Brasilien-Desaster erst möglich gemacht, in das Ekkehard Schulz und Gerhard Cromme den Konzern geführt hatten.

Dann kam 2011 Heinrich Hiesinger, uneitel und bodenständig, und startete das große Aufräumen. Der Wandel ist und bleibt sein Verdienst. Mit der Entwicklung einer Wachstsumsstrategie ließ sich Hiesinger allerdings Zeit, die Suche nach einem Partner für das schwankungsanfällige Stahlgeschäft zog sich quälend lange hin. Zwei aggressive Fonds nutzten die Chancen und stiegen ein. Sie setzten den Vorstand unter Druck und forderten die Zerschlagung des Konzerns. So weit ist es nicht gekommen - noch nicht. Doch immer mehr Aufsichtsräte zeigten sich beeindruckt von Investor Cevian.

Das hätte die Stunde der Krupp-Stiftung sein müssen, eigentlich der Ankeraktionär von Thyssenkrupp. Doch statt Farbe zu bekennen, blieb deren Chefin Ursula Gather im Hintergrund. Wenn sie Hiesinger hätte halten und seine Stahlfusion mit Überzeugung gewollt hätte, hätte sie ihm intern und extern demonstrativ den Rücken stärken müssen. Das tat sie nicht. Statt eine Strategie für den Restkonzern voranzubringen, muss der Aufsichtsrat erst einmal eine neuen Chef finden. Unklar ist, was die Stiftung will: Wenn ihr der Stahl-Plan nicht behagt, was dann?

Die Stiftung und ihre Chefin Ursula Gather mögen groß im Geldausgeben sein - bei der Kontrolle und Begleitung eines wichtigen Industriekonzerns haben sie versagt. Das ist bitter, es geht schließlich nicht um ein paar Kulturmillionen, sondern um 157.000 Mitarbeiter und den größten Arbeitgeber im gebeutelten Ruhrgebiet. Was bei der RAG-Stiftung und Evonik gut funktioniert, scheitert gerade bei Thyssenkrupp. Die Stiftung mit Eigeninteresse erweist sich als schlechter Kontrolleur.

Nun ist der Aufsichtsrat zerstritten, sein Chef Ulrich Lehner unter Druck, Dem traditionsreichen Konzern droht die Zerlegung. Die Börse setzt bereits darauf. Das hat die Belegschaft von Thyssenkrupp nicht verdient.

(anh)