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Nach Erotik-Skandal: Kirche will Weltbild-Verlag verkaufen

Nach Erotik-Skandal : Kirche will Weltbild-Verlag verkaufen

Die kircheneigene Augsburger Verlagsgruppe Weltbild steht zum Verkauf. Das Unternehmen solle "ohne jeden Verzug entschlossen" veräußert werden, teilte Weltbild am Dienstag mit. Die Gesellschafter hätten die Geschäftsführung mit entsprechenden Maßnahmen beauftragt.

Der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Weltbild, Carel Halff, hat die Verantwortung für den Weltbild-Erotik-Skandal übernommen. "Ich nehme das sehr ernst, es ist ein sehr schmerzhafter Moment", sagte Halff der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Augsburg. Gleichzeitig verwies er darauf, dass ein allgemeiner Buchhandel in der Größe und Komplexität von Weltbild immer Titel vertreiben werde, "die nicht vollständig der katholischen Wertebindung entsprechen".

Eine eindeutige und klare Grenzziehung sei nicht möglich, erklärte der Geschäftsführer. Darüber sei in den Sitzungen von Aufsichtsrat und Gesellschaftern immer wieder diskutiert worden. Insofern sei es keine "völlig neue und unerwartete Situation" gewesen.

Halff räumte ein, dass die Geschäftsführung kein besonderes Augenmerk auf problematische, teilweise pornografische Inhalte gehabt habe. "Wer sucht bitte bei Weltbild nach diesen Titeln?" Er bedaure zutiefst, "dass durch einzelne Internetangebote, mögen sie wirtschaftlich noch so unbedeutend gewesen sein, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und der Gesellschafter gelitten hat". Nun gelte es, einen neuen und geeigneten Inhaber für das Unternehmen zu suchen. Dies werde angesichts der Komplexität von Weltbild nicht innerhalb von ein paar Wochen gelingen. Der Zeitraum werde "eher bei 18 als bei 12 Monaten" liegen.

Meisner foderte "radikale Trennung"

Die Verlagsgruppe steht in der Kritik, weil sie auch erotische und esoterische Literatur vertreibt. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte am Wochenende gefordert, die Kirche müsse sich von dem Unternehmen "radikal trennen".

Die VDD hatte sich am Montag in Würzburg mit der Weltbild GmbH befasst. Der VDD hält 24,2 Prozent der Anteile an der Verlagsgruppe.
Die Verlagsgruppe Weltbild ging aus dem 1948 gegründeten katholischen Zeitschriftenverlag Winfried-Werk GmbH hervor.

(DAPD/KNA)