Karstadt und Kaufhof: Fusion in der Not

Kommentar zu Karstadt und Kaufhof : Fusion aus der Not

Die Warenhausfusion ändert nichts an den Problemen der Unternehmen. Am meisten leiden die Beschäftigten bei Galeria Kaufhof.

Die Zeit der großen, überdimensionierten Warenhäuser in Deutschland ist vorbei. Daran ändert auch die Fusion von Karstadt und Kaufhof nichts. Selbst wenn die Menschen nicht alle auf der Couch sitzen und nur online bei Amazon und Co. einkaufen – das Modell Warenhaus hat in der jetzigen Form keine Zukunft. Die Einkaufstempel von einst werden schrumpfen müssen, das Angebot muss gestrafft werden. Das ist in Teilen schon passiert, aber noch längst nicht abgeschlossen. Deshalb werden sich auch die Innenstädte verändern. Es werden Filialen verschwinden, die zumindest als Besuchermagnet fungierten und Kunden in die Cities lockten, selbst wenn die Warenhäuser oft diejenigen waren, die am wenigsten davon profitierten. Auch wenn es Karstadt heute deutlich besser geht als Galeria Kaufhof, ändert das nichts an dem wesentlichen Befund: Die Fusion ist eine aus der Not heraus.

René Benko hat im dritten Anlauf das geschafft, was ihm viele nicht zugetraut hatten. Der Mann, dessen Angebot an den damaligen Kaufhof-Eigentümer Metro vor Jahren als unseriös galt, ist der Macher dieses Zusammenschlusses. Über seine langfristigen Motive darf man spekulieren. Benko ist viel zu sehr Immobilien-Unternehmer, als dass er keinen Alternativplan für den Fall des Scheiterns der Warenhausfusion in der Tasche hätte.

Diese Fusion wird Stellen kosten – wie jede andere. Und dies passiert in erster Linie bei Galeria Kaufhof. Die Beschäftigten des traditionsreichen Kölner Unternehmens sind diejenigen, die am stärksten darunter leiden werden, dass frühere Manager den Online-Zug verpasst haben und dann ein kanadischer Eigentümer das Sagen hatte, der den deutschen Handelsmarkt nicht einmal in Ansätzen verstanden hat. Und: Kaufhof muss deshalb stärker bluten, weil der einst vor der Pleite stehende Rivale Karstadt große Teile der schmerzlichen Einschnitte schon hinter sich hat. Dass der neue Konzern seinen Sitz in Köln bekommen soll, wird jene, die ihren Job verlieren, nicht mal am Rande interessieren.

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