Karstadt-Kaufhaus-Deal bedroht 30 Warenhäuser

Karstadt und Kaufhof : Fusion bedroht 30 Kaufhäuser

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof wollen die Ketten zusammenlegen. Das könnte ein Sechstel der Standorte und bis zu 6000 Stellen kosten, warnen Experten.

Seit Jahren ringen die Erzrivalen Kaufhof und Karstadt um eine Fusion, nun wird es ernst: Der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay Company (HBC) und der Karstadt-Eigentümer Signa unterzeichneten laut Branchenkreisen eine umfangreiche Absichtserklärung. Diese sieht vor, dass Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in einem Gemeinschaftsunternehmen aufgehen. Kaufhof soll 96 Warenhäuser einbringen, Karstadt 82. Signa übernimmt demnach 51 Prozent an dem geplanten Joint Venture. Die operative Führung soll Karstadt, derzeit erfolgreicher als der rote Zahlen schreibende Kaufhof, übernehmen. Besiegelt ist noch nichts, derzeit prüfen die Experten gegenseitig die Bücher. Die Unternehmen wollten sich zu den Plänen nicht äußern.

Signa und sein Eigentümer René Benko versuchen seit Langem, den Kaufhof zu schlucken. Bislang hatten sich die Kaufhof-Eigentümer gewehrt. Doch mittlerweile stehen die Kanadier selbst so unter finanziellem Druck, dass sie der Fusion zustimmen. Der Online-Handel setzt den Warenhäusern zu, Rabattschlachten und überhöhte Mieten zehrten an den Margen. In den 1970er Jahren standen Kaufhof und Karstadt zusammen für 15 Prozent des deutschen Einzelhandelsumsatzes. Heute sind es nicht mal mehr ein Prozent.

Mitarbeiter und Kunden müssen sich mittelfristig auf drastische Einschnitte einstellen. In Verhandlungskreisen ist die Rede von „weniger als 15 Filialen“, die zur Schließung anstehen. Handelsexperte Gerrit Heinemann rechnet dagegen damit, dass deutlich mehr Häuser geschlossen werden. Da die Fusion nicht zu neuen Umsätzen führe, müsste die neue Warenhaus AG die Kosten senken, um sich zu rechnen.

„Man wird an Standorten, wo Karstadt und Kaufhof sitzen, Warenhäuser schließen“, so Heinemann. Ein Drittel der Häuser seien solche Doppelstandorte. Damit sei ein Sechstel der Warenhäuser (rund 30) von Schließungen bedroht. Doppelstandorte gibt es etwa in Düsseldorf, Mönchengladbach, Köln und Bonn.

Zugleich müssen sich die Mitarbeiter auf einen Kahlschlag gefasst machen. „Wenn der neue Warenhaus-Konzern die Verluste von Kaufhof aufholen und auf eine Rendite von drei Prozent kommen will, muss er 250 Millionen Euro einsparen. Das heißt, dass bis zu 6000 Jobs bedroht sind“, rechnet Heinemann vor. Vor allem die Mitarbeiter in den Zentralen Köln (Kaufhof) und Essen (Karstadt) müssen bangen. Laut Verhandlungskreisen sollen Verwaltung, IT-Logistik und Einkauf der beiden Warenhausketten zusammengelegt werden. Wo die neue Zentrale sitzt, ist noch unbekannt.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) fordert die Unternehmen auf, die Belange der Innenstädte zu berücksichtigen: „Die Landesregierung legt Wert auf lebendige Innenstädte. Gefragt sind Unternehmen, die nachhaltig in die Modernisierung der Warenhäuser investieren können und wollen“, sagte Pinkwart unsere Redaktion. Zudem müssten sie eine Idee haben, wie man den Präsenzhandel in Zeiten der Digitalisierung attraktiv gestalten könne. „Ich bin zuversichtlich, dass die beiden Unternehmen die Belange der Standorte und Mitarbeiter bei ihren Entscheidungen berücksichtigen werden.“

Die Gewerkschaft Verdi fordert rasche Klarheit von den Eigentümern. „Sobald diese ihre Angelegenheit geklärt hat, werden wir in Gespräche eintreten, um Regelungen zu finden, die die Interessen der Beschäftigten von beiden Unternehmen wahren“, sagte Bernhard Franke, der für Verdi die Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag führt. Kaufhof will aus dem Flächentarifvertrag aussteigen. Karstadt ist schon vor einiger Zeit ausgetreten und bietet schlechtere Konditionen.