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Karstadt: Abbaukonzept verunsichert die Belegschaft

Warenhaus-Konzern : Karstadts wacklige Überlebensstrategie

Heute wird mal wieder über einen Sozialplan verhandelt. Das Abbaukonzept verunsichert die Belegschaft. Für die Idee, Mitarbeiter in eine andere Lohngruppe einzustufen, müsste der Konzern zudem Änderungskündigungen aussprechen.

Seit Anfang Januar verhandeln die Unternehmensspitze bei Karstadt und der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens über den Interessenausgleich und einen Sozialplan für den Warenhauskonzern. Heute findet die nächste Runde statt. Wieder hoffen die Mitarbeiter, dass der Jobabbau an ihnen vorübergehen möge. Wieder wird so mancher vergebens hoffen.

Die Angst ist groß, seitdem ein Unternehmenskonzept durchgesickert ist, dem zufolge die Zahl der Vollzeitstellen in den 83 Warenhäusern von 9441 auf 8170 gesenkt werden soll. Das hieße: Mehr als 13 Prozent der Vollzeitjobs würden eingespart, dazu mehrere hundert Stellen in der Essener Hauptverwaltung. Jeder zweite Abteilungsleiter im Verkauf soll seinen Posten verlassen. Und 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen künftig nicht mehr verkaufen, sondern nur noch Regale aus- und einräumen. Die Argumentation des Unternehmens: Es sollten andere Beschäftigte entlastet werden, die sich nur noch um den Verkauf kümmern müssten. Die ökonomische Ratio: Wer nur noch Regale einpackt, der wird in eine niedrigere Lohngruppe eingestuft und verdient etwa 300 Euro weniger im Monat. Unter dem Strich stünden neue Millionen-Einsparungen.

Das ist aber vermutlich nur die Sicht derer, denen außer Sparen nichts einfällt. "Für ein erfolgreiches Warenhaus, das diesen Namen noch verdient, braucht man ausreichend Personal auf der Fläche. Daran darf nicht gesägt werden", hat eine Verdi-Sprecherin gesagt. Zumal, so verlautet aus dem Umfeld des Unternehmens, die Umgruppierung vor allem junge Leute treffen würde, die eigentlich die Zukunft von Karstadt ausmachen könnten. Und: Die Konzernspitze müsste für die Umgruppierungen zunächst Änderungskündigungen aussprechen, denen die betroffenen Mitarbeiter dann widersprechen könnten. Das würde weitere Zeit kosten - die Karstadt faktisch nicht hat, weil der Konzern selbst in der bestehenden Struktur schon permanent Umsatz verliert.

Entsprechend ist die Stimmung im Unternehmen. Zwar ist sie nicht auf einem so unterirdischen Niveau wie teilweise zu Zeiten des früheren Eigentümers Nicolas Berggruen, der viel versprochen und so gut wie nichts bewegt hat. Aber "der Frust über den Reflex, dass in Krisenzeiten wieder mal Personal abgebaut wird, ist natürlich schon da", heißt es aus dem Unternehmen. "Die Belegschaft hat eine enorm hohe Leidensfähigkeit", sagt ein Mitarbeiter, "die Beschäftigten lassen sich auch jetzt wieder auf den Weg ein, aber sie brauchen irgendwann auch mal eine realistische Perspektive." Das geht natürlich auch an die Adresse von Eigentümer René Benko, der jüngst mit seinem israelischen Partner Beny Steinmetz die Immobilien aufgeteilt hat. Da wurde wieder mal gemutmaßt, dass Benko eigentlich mehr Shopping-Zentren als Warenhäuser im Kopf habe. Und da es von dessen Seite keine für die Belegschaft plausible Erklärung gab, trug der Deal zur Verunsicherung bei. Vor Weihnachten hatte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt eine Beschäftigungsgesellschaft für jene gefordert, die ihren Job verlieren.

Karstadts Ausstieg aus der Tarifbindung ist über all diese Probleme in den Hintergrund getreten. Aber das Ziel, die Rückkehr in die Tarifbindung, hat die Gewerkschaft Verdi nicht aus den Augen verloren. Dem Vernehmen nach soll es dazu am 24. Februar Gespräche geben.

(RP)