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Riskante Geschäfte: JPMorgan verzockt zwei Milliarden Dollar

Riskante Geschäfte : JPMorgan verzockt zwei Milliarden Dollar

Die US-Großbank JPMorgan Chase hat sich massiv verzockt. In den vergangenen sechs Wochen musste das Institut zwei Milliarden Dollar (etwa 1,54 Milliarden Euro) abschreiben. Bankchef Jamie Dimon spricht von ungeheuerlichen Fehlern und Schlampereien.

Erneut hat sich eine Großbank mit riskanten Finanzwetten heftig verspekuliert. Die US-Bank JPMorgan Chase musste am Donnerstag zugeben, dass binnen sechs Wochen ein Verlust von mindestens zwei Milliarden Dollar (1,54 Milliarden Euro) auflief, weil die Investmentabteilung sich mit Kreditausfall-Versicherungen verzockte. Angeblich soll ein französischer Händler in London der Hauptverantwortliche sein.

Bankchef Jamie Dimon machte den Milliardenverlust in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz öffentlich und warnte, es könne "noch schlimmer kommen". Die Verluste könnten sich um eine Milliarde Dollar oder mehr erhöhen.

Die Verluste seien selbstverschuldet, betonte Dimon. JP Morgan vergibt Kredite, und deren Ausfall bedeute das "allergrößte" Risiko für die Bank. Deshalb habe die Bank massiv Versicherungen gegen mögliche Kreditausfälle gekauft, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) - und die Investmentabteilung handelte damit.

Die Abteilung habe "unerhörte Fehler" gemacht, sagte Dimon. Entscheidungen seien "schlecht überdacht und schlecht ausgeführt" worden. "Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen".

Das "Wall Street Journal" hatte bereits im vergangenen Monat berichtet, ein französischer Händler in London, genannt "Der Londoner Wal", habe der Bank mit seinen Geschäften riesige Verluste beschert. Dimon sagte am Donnerstag, die von ihm nun öffentlich gemachten Verluste hätten "nur wenig mit dem Artikel zu tun". Vieles darin sei Spekulation.

Kreditausfallversicherungen standen auch im Mittelpunkt der Finanzkrise 2008. Durch diese war JP Morgan ohne staatliche Hilfe gekommen - und entsprechend stolz darauf. Dimon gehört zu den schärfsten Kritikern der Pläne der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit solchen Papieren stark einzuschränken.

"Es ist bedauerlich, jetzt wird es jede Menge Kommentare geben", die ihn deshalb ins Kreuzfeuer nehmen würden, sagte Dimon. "Aber damit müssen wir leben." Die Wertpapiergeschäfte, die die Verluste verursachten, hätten nicht gegen die geplanten Regeln der Regierung verstoßen, sondern gegen das "Dimon-Prinzip", sagte er.

Der demokratische US-Senator Carl Levin, der Banken-Regulierung zusammen mit dem früheren Notenbank-Chef Paul Volcker ausgearbeitet hatte, erklärte umgehend, die enormen Verluste von JPMorgan seien nur "der letzte Beweis dafür, dass das, was die Banken "Risikoabdeckung" nannten, nur riskante Wetten seien, die Banken ab einer für das System wichtigen Größe nicht machen dürften.

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Der Fall ähnelt den spektakulären Verlusten, die einzelne Händler bei anderen Großbanken verursacht haben sollen. Jérôme Kerviel war im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft und einer Rekord-Geldstrafe von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden - der Summe, den Société Générale durch seine riskanten Spekulationen in Milliardenhöhe erlitten hatte. Kweku Adoboli ist in London angeklagt, weil er der UBS mit Fehlspekulationen einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro beschert haben soll.

Die JPMorgan Chase hatte im vergangenen Monat einen Gewinn von 5,38 Milliarden Dollar für das erste Quartal ausgewiesen. Das waren zwar drei Prozent weniger als im Vorjahresquartal, aber mehr als erwartet. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf knapp 27 Milliarden Dollar.

(APD/afp)