Job-Abbau bei Bayer in Leverkusen/Monheim/Wuppertal: Tausende Jobs betroffen

Kahlschlag beim Chemiekonzern : Tausende Bayer-Jobs in Leverkusen von Abbau betroffen

Der Konzern streicht in Deutschland 4500 Stellen. Das trifft laut Betriebsrat am härtesten Leverkusen. Die IT-Einheit Business Services soll aufgelöst werden. In Wuppertal fallen 750 Stellen weg, Hunderte in Monheim.

Die Post, die am Dienstag die Bayer-Mitarbeiter bekamen, war von allen sieben Vorständen unterzeichnet. Schön war sie trotzdem nicht: „Wir werden die jährlichen Kosten für unsere Plattform-Funktionen (Corporate Functions, Business Services und Länderplattformen) um 1,4 Milliarden Euro reduzieren. Dies ist notwendig, um unsere Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen“, teilte der Vorstand um Bayer-Chef Werner Baumann den „lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ mit. „In Deutschland werden bis zu 3000 Stellen betroffen sein.“ Weitere 1500 kommen in anderen Bereichen (wie der Forschung) hinzu, so dass hierzulande insgesamt 4500 Stellen wegfallen.

Bayer hatte im November den Abbau von 12.000 Stellen weltweit angekündigt und bestätigte nun, dass 4500 Stellen auf Deutschland entfallen. Der Konzern betonte: „Betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG sind in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausgeschlossen.“

Weiter schreibt der Vorstand: „Wir wissen, dass diese Änderungen von Ihnen viel abverlangen. Wir setzen auf Ihre Unterstützung, damit wir alle gemeinsam Bayer zu einem stärkeren Unternehmen machen.“ Zugleich kündigte der Vorstand an, die Bayer Business Services (BBS) aufzulösen. „Die Aktivitäten aus Business Services gehen in die Corporate Functions über. Nach dieser Überführung wird es Business Services als organisatorische eigenständige Einheit nicht länger geben.“ Die BBS, die ihren Sitz in Leverkusen hat, hat weltweit 6400 Mitarbeiter, vor allem IT-Spezialisten.

Offen ist, wie sich der Abbau auf die deutschen Standorte verteilt: Laut informierten Kreisen fallen in Leverkusen Tausende Stellen weg. Noch aber ringen Konzern und Betriebsrat um Details. In Monheim fallen laut den Kreisen Hunderte Stellen weg, auch hierzu gibt es noch keine offizielle Zahl. Der Jobabbau, den Bayer in der Pharmaforschung plant, trifft vor allem Berlin und Wuppertal: In Berlin sollen bis 2022 rund 650 der 5000 Stellen wegfallen, in Wuppertal bis zu 400. Das hatte der Leiter der Pharma-Forschung den Mitarbeitern bereits im Dezember mitgeteilt. Zudem schließt Bayer in Wuppertal das nagelneue Werk zur Herstellung des Blutermedikaments Faktor 8 mit 350 Mitarbeitern.

Der Betriebrat reagiert betroffen. „Die Pläne des Unternehmens gehen an die Substanz. Die Betroffenheit ist allerorten im Unternehmen groß. Die Zentrale in Leverkusen wird es voraussichtlich am härtesten treffen“, heißt es in einer aktuellen Gesamtbetriebsrats-Information. Der Betriebsrat pocht darauf, dass die ausscheidenden Mitarbeiter „Bayer-like“ behandelt werden, zum anderen sorgt er sich um die bleibenden Mitarbeiter. „Wir werden nicht zulassen, dass Einsparungen zu Leistungsverdichtung führen. Wenn Stellen wegfallen, müssen auch die Aufgaben wegfallen“, sagte Petra Reinbold-Knape von der Gewerkschaft IG BCE.

NRW-Wirtschaftsminsiter Andreas Pinkwart bedauerte den Abbau: „Nordrhein-Westfalen ist mit über 25.000 Stellen die Heimat des Bayer-Konzerns. Es besteht leider die Gefahr, dass NRW von dem Abbau der 4500 Stellen in Deutschland mittelfristig stark betroffen sein wird. Dennoch sehe ich keine unmittelbare Gefahr für unseren Standort, da durch die gelebte Sozialpartnerschaft bis 2025 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.“ Die Landesregierung setze sich dafür ein, möglichst viele der von Bayer angekündigten Forschungs-Investitionen nach NRW zu holen, damit das Land „auch zukünftig ein wichtiger Forschungsstandort für Bayer bleibt“.

Heinz Georg Webers, Vize-Chef des Gesamtbetriebsrats, kündigte an: „Wir werden die Pläne im Detail prüfen. Wir bestehen auf Einhaltung der Zusagen in der ,Gemeinsamen Erklärung’ für alle Kollegen, die von dem drastischen Abbau-Projekt betroffen sind.“ Die Gemeinsame Erklärung garantiert sozialverträgliche Lösungen ohne Kündigungen.

Mehr von RP ONLINE