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Vom Altstadt-Kellner zur Luftfahrt-Ikone: Joachim Hunold - Deutschlands Wiedeking der Lüfte

Vom Altstadt-Kellner zur Luftfahrt-Ikone : Joachim Hunold - Deutschlands Wiedeking der Lüfte

Düsseldorf (rpo). Seine Konkurrenten nennen ihn "wahnsinnig", seine Mitarbeiter einfach nur "Achim" und er sich selbst ungeduldig. Mit seiner direkten und unbequemen Art hat sich Air Berlin-Chef Joachim Hunold nicht nur Freunde gemacht. Aber Respekt, den hat sich der 59-Jährige verdient, wie jetzt auch durch die clevere Übernahme des Wettbewerbers dba.

Mit der Übernahme des Billigfliegers dba meldet sich Hunold wieder zurück in den Schlagzeilen. Nach dem bescheidenen Börsenstart von Air Berlin war es zeitweise still geworden um einen der umtriebigsten Manager der deutschen Wirtschaft. Der Erfolg seiner Airline, inzwischen die Nr. 2 im deutschen Markt, lässt ihn zum Überflieger werden, der zwar jeden Grund zum Abheben hätte und doch am Boden bleibt. Auch privat bevorzugt Hunold Bier statt Wein, gut bürgerlich vor fein und edel. Hunold ist ein Manager der Marke "Ärmel hoch".

Einer seiner Leitsätze: "Wenn Du was erreichen willst, musst du Risiken eingehen." Der 59-Jährige ist ein echter Selfmademan, die Karriere des Überfliegers weist gleich mehrere örtliche Turbulenzen auf. Die Schule hat Hunold abgebrochen, das Abitur erst später nachgeholt und das folgende Jura-Studium endet mit nicht geschafftem Examen, weil er mehr als Kellner in der Düsseldorfer Altstadt präsent war als an seinem Schreibtisch. Es klingt fast nach dem vielzitierten "amerikanischen Traum", vom Tellerwäscher zum Millionär. Nur ist Hunolds Karriere kein Traum und wurde mitten in Deutschland realisiert.

Seinen Traum aus Kindheitstagen, Pilot zu werden, machte früh eine Sportverletzung zunichte. Als Abfertigungsmanager am Flughafen Düsseldorf fand er aber 1978 dann doch einen Einstieg in die Luftfahrtbranche. Vier Jahre später wechselte er zur LTU. Zunächst als "Mädchen für alles". Wenige Jahre später war er als Marketingchef die Nr.2 im Unternehmen bis zu einem Streit mit einem Großaktionär. Nach einer kurzen Auszeit setzte der Hunold dann alles auf eine Karte und übernahm gemeinsam mit vier weiteren Gesellschaftern die angeschlagene kleine US-Fluggesellschaft Air Berlin.

Bis heute hat sich viel getan: Air Berlin ist Deutschlands zweitgrößte Airline und wächst mit der dba noch weiter. Sein Hauptgegner bleibt weiterhin die Lufthansa, aber auch jeder neidische Wettbewerber. Ryanair-Chef Michael O'Leary bezeichnet Hunold als "wahnsinnig". Dieser ist aber nicht weniger schlagfertig und wirft den billigsten der Billigflieger einen Komfort "wie beim Viehtransport" vor und legt nach: "Nach deren Philosophie soll der Passagier einfach nur Geld abliefern. Am liebsten wäre es denen, wenn er dann nie fliegen würde", sagte Hunold einmal zu Ryanair.

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Markige Sprüche platziert Hunold in schöner Regelmäßigkeit auch im Editorial des Bordmagazins seiner Airline. Mit politischen Kommentaren sorgt er für Aufsehen und findet nichts Schlimmes dabei: "Wenn ich meine, es läuft Einiges schief, muss ich doch den Mund aufmachen", argumentiert der Air Berlin-Chef.

Wer austeilt, muss auch einstecken: Besonders von Seiten der Gewerkschaften kommt häufig Kritik. Da geht es um Arbeitsbedingungen und Arbeitsverträge. Auf diese Kritik reagiert Hunold stets gereizt mit Aussagen wie "Ich zwinge niemanden, bei uns zu arbeiten". Er selbst sieht sich als großzügiger Chef, der bei vielen Freiheiten im Gegenzug auch Eigeninitiative seiner Mitarbeiter erwartet. Er leugnet nicht, auch laut und unbequem sein zu können. Diese Launen werden künftig auch die Mitarbeiter der dba kennenlernen.

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