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Jeff Bezos: Amazon-Gründer gibt Konzernführung ab

Internet-Riese : Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt Konzernführung ab

Jeff Bezos gibt den Posten des Vorstandsvorsitzenden des Onlineunternehmens überraschend ab. Der 57-Jährige will seine Energie in neue Projekte und Initiativen stecken. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Der Milliardär stand fast 30 Jahre lang an der Spitze des weltgrößten Onlinehändlers. Im dritten Quartal werde Bezos das Amt des CEO an den Amazon-Manager Andy Jassy übergeben, teilte der Konzern mit. Jassy leitet derzeit das Cloud-Geschäft des Unternehmens.

Der 57-jährige Bezos behält aber als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrates eine einflussreiche Position. Dort wolle er seine Energie in neue Produkte und Initiativen stecken und sich gleichzeitig auf andere Projekte wie seinen Klimafonds, die Weltraumfirma Blue Origin und die Zeitung „Washington Post“ konzentrieren, schrieb Bezos in einer E-Mail an die Amazon-Angestellten. Ruhiger angehen lassen wolle er es jedenfalls nicht. „Ich hatte nie mehr Energie und es geht hier nicht darum, in Rente zu gehen“, schrieb er.

Bezos gründete Amazon 1994 und baute das Unternehmen vom Online-Buchladen zum Billionen-Konzern auf. Nach dem Start im Juli 1995 verkaufte Amazon von Bezos' Garage aus zunächst Bücher, doch mittlerweile gibt es kaum etwas, das bei Amazon nicht erhältlich ist. Die Firma brachte außerdem den ersten von einem breiten Publikum genutzten E-Reader und zahlreiche andere technische Neuerungen auf den Markt.

Amazon ist eines der wenigen großen US-Technologieunternehmen, in denen der Gründer auch noch der Vorstandsvorsitzende ist. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin gaben ihre Führungsposten beim Mutterkonzern Alphabet 2019 auf, Oracle-Gründer Larry Ellison zog sich 2014 aus der Konzernführung zurück und Bill Gates ist seit 2000 nicht mehr CEO von Microsoft. Bis 2008 mischte er allerdings noch im Tagesgeschäft mit und war bis 2014 Vorsitzender des Verwaltungsrates. Im vergangenen Jahr zog er sich ganz zurück, um sich seinen wohltätigen Projekten zu widmen.

Mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet 155,4 Milliarden Euro ist Bezos derzeit dem „Bloomberg Billionaires Index“ zufolge der zweitreichste Mensch der Welt.

Schon als Kind war Bezos ein Tüftler. Später machte er einen Abschluss als Elektroingenieur und Computerwissenschaftler an der Princeton University und arbeitete in der Folge für mehrere Wall-Street-Firmen. Seinen letzten Angestelltenjob bei D.E. Shaw kündigte er schließlich, um einen Online-Versandhandel aufzubauen. Zunächst wusste er nicht, was er verkaufen sollte, legte sich dann aber auf Bücher fest und zog mit seiner Frau MacKenzie, die er 1993 geheirartet hatte, nach Seattle an die US-Westküste, weil dort viele Technologie-Experten verfügbar waren. In Oregon in der Nähe hatte auch ein großer Buchhändler seinen Sitz.

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Bezos schrieb an seine Angestellten, die Amazon-Reise habe mit einer Idee und noch ohne Namen vor 27 Jahren begonnen, im Jahr 1994. Ein Jahr später war der Verkaufsstart. Mittlerweile hat das Unternehmen 1,3 Millionen Angestellte weltweit. Amazon sei derzeit so "erfinderisch" wie nie zuvor, schrieb Bezos. "Das ist die optimale Zeit für eine Übergabe." Andy Jassy werde als neuer CEO ein "herausragender" Konzernchef, dem er vollends vertraue.

Gleichzeitig mit dem Führungswechsel gab Amazon am Dienstag hervorragende Quartals- und Jahreszahlen bekannt. Der Gewinn verdoppelte sich auf 7,2 Milliarden Dollar, der Umsatz stieg um 44 Prozent auf 125,6 Milliarden Dollar. Im gesamten von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 stieg der Umsatz um 38 Prozent auf 386,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 21,3 Milliarden Dollar.

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(juju/csi/AFP/dpa)