Trotz Vollzeitbeschäftigung: Jeder Fünfte liegt unter der Niedriglohnschwelle

Trotz Vollzeitbeschäftigung : Jeder Fünfte liegt unter der Niedriglohnschwelle

Leipzig (RPO). Einem Medienbericht zufolge dehnt sich in Deutschland der Niedriglohnsektor weiter aus. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten, die einen Niedriglohn erhalten, liegt inzwischen bei 22,8 Prozent. Mehr als 2,5 Millionen Frauen arbeiteten demnach im Jahr 2010 unterhalb der Niedriglohnschwelle. Diese liegt bei derzeit 1379 Euro für Ostdeutschland und bei 1890 Euro für Westdeutschland.

Die "Leipziger Volkszeitung" zitiert aus Jahresstatistiken der Bundesagentur für Arbeit. Im Gastgewerbe in Deutschland und bei den Haushaltshilfen arbeiten inzwischen drei von vier Vollzeitangestellten zu Löhnen unterhalb der Niedriglohngrenze. Entsprechend der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fällt ein Arbeitnehmer als sozialversicherungspflichtiger Vollzeitangestellter dann unter die Niedriglohnschwelle, wenn er weniger als zwei Drittel des Durchschnittslohns erhält.

In vergangenen Jahr verdienten danach 715.000 Jugendliche außerhalb der Ausbildung weniger als zwei Drittel des Durchschnittseinkommens. 2,56 Millionen Frauen lagen trotz Vollzeitjobs unterhalb der Niedriglohnschwelle.

McAllister: Es gibt zu niedrige Löhne

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister verlangt eine Neuorientierung der CDU in der Sozialpolitik. "Wir müssen uns heute eingestehen, dass es teilweise zu niedrige Löhne in Deutschland gibt." Die Frage der angemessenen Bezahlung sei von zentraler Bedeutung für die soziale Gerechtigkeit, sagte der CDU-Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Für die CDU als Partei der sozialen Marktwirtschaft müsse das ein zentrales Thema sein.

McAllister sagte, die Tarifpartner müssten in einigen Branchen von der Politik bei ihren Bemühungen um eine Ausweitung der Tarifbindung unterstützt werden. Das Bundesarbeitsministerium sollte prüfen, ob eine Änderung des Mindestarbeitsbedingungsgesetzes hilfreich wäre. Außerdem fordert er, den Missbrauch der Leiharbeit einzuschränken.

(AFP/felt)