1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

"Keine Erfahrungen in der Branche": Italienischer Investor warnt vor Karstadtkäufer

"Keine Erfahrungen in der Branche" : Italienischer Investor warnt vor Karstadtkäufer

Berlin (RPO). Im Kampf um Karstadt hat sich die italienische Borletti-Gruppe eingeschaltet. Konzernchef Maurizio Borletti warnt laut einem Bericht vor dem potenziellen Investor Nicolas Berggruen. Berggruen und sein Partner Max Azria hätten "keine praktischen Erfahrungen" in der Branche, heißt es in einem Brief an Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Borletti gehört zum Highstreet-Konsortium, das 86 der 120 Karstadt-Filialen besitzt. Der Brief liegt der Berliner Zeitung" vor. Berggruen hat den Zuschlag für Karstadt erhalten, der Vertrag wird aber erst rechtskräftig, wenn es eine Einigung bei den Mieten gibt.

Borletti schreibt, er habe "begründete Zweifel" an Berggruens Konzepten. Die geplante Aufteilung des Konzerns in drei Gesellschaften nähre die Furcht, dass mit den Sporthäusern und den Premiumkaufhäusern "zwei profitable Einheiten" entstehen, die schnell verkauft werden könnten. Danach blieben "Karstadt und die meisten Beschäftigten" mit unprofitablen Warenhäusern zurück.

Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte, von der Leyen dringe darauf, "dass die Verhandlungen ernsthaft geführt werden, um die Arbeitsplätze bei Karstadt und den Zulieferern zu sichern". Alle Beteiligten seien aufgefordert, innerhalb des engen Zeitfensters zu einer Einigung zu kommen. Mitte Juli will der Essener Amtsgericht endgültig über den Insolvenzplan für Karstadt entscheiden.

Verhandlungskreisen zufolge steuert der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen derweil auf eine Einigung mit den Vermietern der meisten Warenhäuser von Karstadt zu. Sowohl im Umfeld des künftigen Eigentümers der Kette als auch in Kreisen des Highstreet-Konsortiums hieß es am Donnerstag, die Gespräche am Mittwoch in London seien konstruktiv verlaufen. Highstreet gehören 86 der 120 Häuser. "Es sieht aus, als würden wir uns einigen", sagte einer der Insider Reuters. Zur möglichen Kompromisslinie wurde zunächst nichts bekannt. Sprecher beider Seiten bestätigten nur, dass verhandelt wurde.

Vor allem die Gläubiger der Anleihe, mit der Highstreet die vier Milliarden Euro schwere Übernahme der Kaufhaus-Immobilien finanziert hatten, drängten auf eine Lösung, hieß es in den Kreisen. Highstreet wird von Fonds von Goldman Sachs (Whitehall) und der Deutschen Bank (RREEF) dominiert, auch der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti ist beteiligt.

Der Milliardär Berggruen hatte an den Verhandlungen anders als in der vorangegangenen Runde selbst teilgenommen, wie ein Sprecher bestätigt hatte. Er muss sich mit den Vermietern bis Mitte Juli einigen, um Karstadt übernahmen zu können. Berggruen fordert Mietsenkungen und eine Öffnung des General-Mietvertrages für alle Kaufhäuser. Highstreet war ihm bereits zweimal entgegengekommen.

(DDP/awei)