Innogy fügt sich Zerschlagung durch Eon und RWE

Energie : Innogy fügt sich der Zerschlagung

Im Übernahmestreit der Innogy-Vorstand bei. Aktionärsschützer raten, das Eon-Angebot nicht anzunehmen. Das sind die Folgen für Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden.

Vor einer Woche trafen sich Hunderte Innogy-Mitarbeiter in der Lichtburg in Essen. Doch statt schöner Filme gab es hartes Brot: Der Innogy-Vorstand signalisierte der Mannschaft, dass er im Kampf gegen die Übernahme durch Eon beidreht. Am Mittwoch stimmte der Aufsichtsrat entsprechenden Rahmenvereinbarungen mit Eon und RWE zu. „Innogy wird die zügige Umsetzung der Transaktion positiv begleiten und unterstützen, auch gegenüber dem Kapitalmarkt“, teilten die drei Unternehmen nun mit. „Die Vereinbarungen schaffen die Grundlage für faire Integrationsprozesse auf Augenhöhe“, sagte Innogy-Chef Uwe Tigges. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass Innogy sich fügen muss. So darf Innogy auch kein Tafelsilber verkaufen, sondern muss das Vermögen zusammenhalten. Tigges ist dennoch überzeugt: „Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Innogy übernommen wird, haben wir das Bestmögliche für unsere Mitarbeiter herausgeholt.“

Im März hatten Eon und RWE den spektakulären Deal vereinbart: Danach übernimmt Eon von seinem Erzrivalen die 77-Prozent-Beteiligung an Innogy. Anschließend wird das erst 2016 geschaffene Unternehmen zerlegt: Eon bekommt das Netz- und Vertriebsgeschäft. RWE die Ökostrom-Aktivitäten von Eon und Innogy sowie eine Beteiligung von 16,7 Prozent an Eon. Die Folgen:

Für Mitarbeiter Zunächst gehen alle 42.000 Innogy-Mitarbeiter zu Eon. Von den über 70.000 Mitarbeitern der neuen Eon müssen 5000 gehen, wie Eon-Chef Johannes Teyssen schon im März angekündigt hat. Nun betonen die Konzerne: „Die Integrationen sollen, wie bisher in den Unternehmen gute Tradition, sozialverträglich erfolgen.“ Sie haben im Mai eine Grundsatzerklärung mit den Gewerkschaften vereinbart, danach sind „betriebsbedingte Beendigungskündigungen praktisch ausgeschlossen.“ Dennoch wird es ungemütlich: Bei doppelt vorhandenen Funktionen müssen die Stelleninhaber von Eon und Innogy sich bewerben, der beste wird genommen. „Wir werden alle Mitarbeiter gleich und fair behandeln, unabhängig davon, ob sie heute zu RWE, Innogy oder Eon gehören“, versicherte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz.

Das gilt nicht nur für Tarif-Beschäftigte und einfache Führungskräfte, sondern nun auch für die Top-Kräfte bei der neuen Eon. 2019 will der Konzern, dessen zentrale in Essen bleibt, sein neues Führungsteam bekannt geben. Ob die Innogy-Vorstände dort oder bei RWE eine Zukunft haben, sei fraglich, heißt es. Netzvorstand Hildegard Müller sei weiter verstimmt über ihren früheren Förderer RWE-Chef Schmitz, so Konzernkreise.

Für Aktionäre Eon bietet auch den übrigen Innogy-Aktionären 40 Euro pro Aktie. In einer ersten Runde konnte sich der rote Konzern so weitere 5,5 Prozent der Innogy-Aktien sichern und kommt damit auf gut 82 Prozent. Eine zweite Frist für Eons freiwilliges Angebot läuft bis zum 25. Juli. Innogy gibt keine Empfehlung, die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warnt: „Wir raten Innogy-Aktionären, das Angebot von Eon nicht anzunehmen. An den finanziellen Rahmendaten hat sich schließlich nichts geändert“, sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. „Anleger sollten abwarten, bis Eon im Zuge eines Beherrschungsvertrags oder eines Squeeze Out später ein Pflichtangebot machen muss.“ Die Höhe eines solchen Angebots sei dann im Gegensatz zu dem aktuell Vorliegenden gerichtlich überprüfbar. „Die letzte Aktie ist bekanntlich oft die teuerste. Das sollten Innogy-Anleger nicht vergessen.“

Für Kunden Ob Eon die mit Millionen-Summen eingeführten Marken Innogy und ePrimo behält, ist noch offen. Die Formulierung in den Rahmenvereinbarungen sei unerfreulich vage, heißt es in Innogy-Kreisen. Sollte Teyssen die Marken einstampfen, müsste Eon aber entsprechende Abschreibungen vornehmen. Offen sind die Auswirkungen für Stromkunden. Kartellexperten sehen wegen der vielen Anbieter kein grundsätzliches Problem. In Grundversorgungstarifen, die viele Kunden haben, haben Innogy und Eon allerdings schon jetzt eine führende Stellung.

Für Kommunen Die Kommunen halten knapp 25 Prozent an RWE. Als Aktionäre freuen sie sich, dass RWE eine Perspektive jenseits der Braunkohle hat. Der Kurs ist gegenüber dem Frühjahr um mehr als ein Drittel auf 22 Euro gestiegen. Doch aus Sicht als Firmen-Standort sehen sie die Sache skeptischer. Der Kahlschlag dürfte insbesondere Dortmund und Essen treffen. In Essen haben alle drei Konzerne ihren Sitz, in Dortmund sind wichtige Vertriebsabteilungen. Der geplante Innogy-Campus, das millionenschwere Bauprojekt in Essen, wurde bereits gestoppt. Nun warten die Kommunen, dass Eon mit ihnen Kontakt aufnimmt. Dabei geht es auch um die Beteiligung an ihren Stadtwerken, die von Innogy auf Eon übergehen.

Aktuell sprechen die Konzerne mit der EU-Kommission über die Kartellfreigabe, womöglich werden auch noch nationale Behörden eingeschaltet. Die Energiemanager hoffen, den Deal bis Ende 2019 abzuschließen.

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