Innogy-Deal zieht sich: Jetzt ist die EU am Zug

Neuordnung des Strommarktes : Innogy-Deal zieht sich: Jetzt ist die EU am Zug

Nun hat Eon die Innogy-Übernahme bei der EU-Kommission angemeldet. Sie prüft die Folgen für den Wettbewerb. Zugleich laufen die Verhandlungen über den Abbau von bis zu 5000 Stellen weiter. Der Frust in der Innogy-Belegschaft wächst.

Vor zehn Monaten haben Eon und RWE die Zerlegung der RWE-Tochter Innogy verkündet, doch die Mühen der Ebenen sind beträchtlich. Nach langen Vorgesprächen hat Eon nun die geplante Innogy-Übernahme bei der EU-Kommission angemeldet. „Mit der Anmeldung der Transaktion in Brüssel sind wir unserem Ziel einen wichtigen Schritt nähergekommen, die Transaktion zur Übernahme von Innogy ab Mitte 2019 umzusetzen“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. Das heißt: Das Ganze zieht sich. Vor einem Jahr hatte es nämlich noch geheißen, das Closing werde „bis Mitte des Jahres 2019“ erwartet.

Eon und RWE vereinbarten 2018 die Neuordnung des Strommarktes. Danach übernimmt Eon den Essener Nachbarn Innogy mit dem Netz- und Vertriebsgeschäft und kommt auf 50 Millionen Kunden. RWE übernimmt das Ökostromgeschäft von Innogy und Eon sowie 16,7 Prozent an Eon. So wird RWE zum drittgrößten Ökostromerzeuger Europas.

Bei Eons Part gilt die Zusammenlegung der Netzgeschäfte als unproblematisch, da diese ohnehin staatlich reguliert sind. Die Netzentgelte werden staatlich genehmigt. Probleme könnte es dagegen im Vertriebsgeschäft geben, die hohen Preise in der Grundversorgung sind Verbraucherschützern seit langem ein Dorn im Auge.

RWE hat seinen Teil des Geschäfts bereits vor zwei Wochen zur Kartellprüfung angemeldet. Die EU will nach eigenen Angaben bis zum 26. Februar über den RWE-Antrag entscheiden. Bei Bedarf kann die Uhr angehalten oder die Frist verlängert werden. Ziel bleibe es, den Deal „in der zweiten Jahreshälfte“ abzuschließen, so RWE.

Derweil laufen im Projekt „Sunrise“ weiter die Verhandlungen über die Aufteilung der Innogy-Belegschaft. Eon hatte angekündigt, im Zuge der Integration bis zu 5000 der künftig über 70.000 Stellen abzubauen. Ein großer Teil dürfte auf Essen entfallen, wo beide Zentralen samt den vielen Querschnittsfunktionen sitzen. In der Innogy-Belegschaft sei der Frust groß, heißt es in Innogy-Kreisen. Eon mache gerne deutlich, wer Herr im neuen Haus ist.

Bei Innogy versucht man, die trübe Stimmung in der Mannschaft zu drehen und bietet Workshops an – oder wie es im Innogy-Deutsch heißt: „Breakout Session als Navigationshilfe bei Unsicherheit“. Diese sollen „Hilfe beim Drahtseilakt“ geben, „Mut in stürmischen Zeiten“ machen und mit „strukturiertem Reden“ verhindern, dass „an der Kaffeemaschine“ Gerüchte entstehen. Die Betriebsräte beraten derweil über „Zukunft und Beschäftigung“ der gemeinsamen Belegschaft.

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