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Sachsen: Infineon schlägt Rettungsangebot für Qimonda aus

Sachsen : Infineon schlägt Rettungsangebot für Qimonda aus

München (RPO). Eine Rettung des schwer angeschlagenen Speicherchipherstellers Qimonda ist in weite Ferne gerückt. Der Qimonda-Mutterkonzern Infineon schlug ein Angebot der sächsischen Regierung zur Rettung des Unternehmens aus.

Die Bedingungen des Freistaates seien nicht erfüllbar. Dieser hatte angeboten, Qimonda ein Darlehen über 150 Millionen Euro zu geben, falls Infineon seiner Tochter dauerhaft 150 Millionen Euro in bar zuschieße.

"Diese Forderung übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, wie sie Infineon in den Verhandlungen mit dem Freistaat frühzeitig und deutlich zum Ausdruck gebracht hat", erklärte das Unternehmen. Man sei aber weiterhin zu Gesprächen mit Sachsen bereit. Medienberichten zufolge hatte Infineon zuletzt Bereitschaft signalisiert, sich mit 50 Millionen Euro an einer Rettung des Tochterunternehmens zu beteiligen.

Qimonda hatte wegen massiver finanzieller Probleme die Landesregierung in Dresden um Hilfe gebeten. Das Unternehmen hatte Anfang Dezember davor gewarnt, dass ihm im Frühjahr das Geld ausgehen könnte. Im schlimmsten Fall drohten im ersten Kalenderquartal 2009 Liquiditätsengpässe, die "sich auf die Fähigkeit des Unternehmens auswirken könnten, sein Geschäft weiter zu betreiben", hatte Qimonda damals erklärt.

Infineon-Chef Peter Bauer erklärte: "Wir sind mit dem Angebot an die Grenze der noch vertretbaren Belastungen gegangen." Sein Unternehmen habe in Verbindung mit dem Verkauf eines substanziellen Aktienpaketes an Sachsen einen Kredit angeboten. "Wir bedauern außerordentlich, dass unsere Vorschläge vom Freistaat Sachsen nicht berücksichtigt worden sind."

Bedeutung für den gesamten Standort Dresden

Die sächsische Regierung hatte Infineon aufgerufen, das Angebot anzunehmen. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte betont, "nur gemeinsam mit dem Eigentümer Infineon ist eine Hilfe für Qimonda möglich." Er verwies zugleich auf die Bedeutung von Qimonda für den Standort Dresden. Neben der finanziellen Beteiligung Infineons hatte Sachsen auch Bestandsgarantien für Teile der Fertigung in Dresden und Investitionen zur Bedingung für seine Hilfe gemacht.

Ziel sei es, nach der bereits angekündigten Entlassung von rund 1.000 Beschäftigten die verbliebenen etwa 2.000 Arbeitsplätze bei Qimonda in Dresden zu retten, sagte der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD). Mittelfristig könnten dort wieder 480 neue Stellen entstehen.

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Tillich warnte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Wissen zur Fertigung von Computerspeichern Sachsen und Europa verloren geht." Europa habe schon häufiger Innovationen wie den MP3-Player entwickelt, die Vermarktung und Produktion und die damit verbundenen Arbeitsplätze aber an Länder außerhalb Europas verloren.

Auch der IG Metall-Chef von Sachsen, Olivier Höbel, hatte gefordert, Infineon müsse sich seiner Verantwortung stellen. Dazu gehöre auch eine Bestandsgarantie für am Standort neu entwickelte Technologien. Dresden gilt als der bedeutendste europäische Mikroelektronik-Standort.

Infineon versucht seit längerem Qimonda zu verkaufen, hält derzeit aber noch mehr als drei Viertel der Anteile an dem Hersteller von Speicherchips.

(AP)