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Debatte über Verkauf: IKB: Fischer ist der Favorit

Debatte über Verkauf : IKB: Fischer ist der Favorit

Düsseldorf (RP). Heute entscheidet der Präsidialausschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau, an wen die Förderbank ihren Anteil verkaufen wird. Aber der Deal ist noch mit Fragezeichen verbunden – unter anderem wegen der Kapitalerhöhung.

Düsseldorf (RP). Heute entscheidet der Präsidialausschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau, an wen die Förderbank ihren Anteil verkaufen wird. Aber der Deal ist noch mit Fragezeichen verbunden — unter anderem wegen der Kapitalerhöhung.

Wenn die milliardenschwere Kapitalerhöhung bei der IKB durchgezogen wird wie geplant, dann hat die Mittelstandsbank den Branchenführer Deutsche Bank doch tatsächlich in einer Beziehung hinter sich gelassen — nämlich bei der Zahl der Aktien. Rund 585 Millionen wären es dann, und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) käme auf einen Anteil von rund 90 Prozent.

Vorübergehend, weil sie ihr Paket ja verkaufen will. An wen, entscheidet der siebenköpfige Präsidialausschuss des KfW-Verwaltungsrates, der heute um 18 Uhr in Berlin tagen wird. Favorit auf den Anteil ist - die Brüsseler Beteiligungsgesellschaft RHJI, geführt von dem ehemaligen Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer. Der Konkurrent heißt Lone Star, ein Finanzinvestor aus den USA, von Gegnern dieser Branche auch gern als "Heuschrecke" bezeichnet. Und deshalb auch nicht gern gesehen, weil er "die Bank vermutlich zerlegen würde", wie es im Umfeld der IKB heißt.

Aber egal, ob Fischer oder Lonestar — der Verkauf ist ein Vabanquespiel. Ursprünglich wollte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück etwa 800 Millionen Euro aus dem Verkauf des KfW-Anteils erlösen, jetzt legt er nach Informationen der "FAZ" die Summe selbst drauf, um den Verkauf anzuschieben. Die 800 Millionen werden zur Abdeckung weiterer Verlustrisiken bereitgestellt. Eine Milliarde war im Juni zugesagt worden. Die Restrisiken aus den so genannten Portfolio-Investments bei der IKB liegen bei rund 2,2 Milliarden Euro.

"Am Ende legt der Bund auf jeden Fall drauf", sagte gestern der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler unserer Redaktion. Denn der Käufer wird sich auch gegen das Risiko einer juristischen Niederlage gegen den amerikanischen Versicherer FGIC absichern wollen. Das Unternehmen könnte die IKB auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagen. Es wirft der Bank vor, sich Versicherungen für die Anleihen mit falschen Informationen erschlichen zu haben. Dazu kommt, dass die Kapitalerhöhung, für die die KfW insgesamt 1,25 Milliarden Euro zugesagt hat, nur dann wirksam werden kann, wenn die EU-Kommission dafür grünes Licht gibt. Die Wettbewerbshüter in Brüssel überprüfen nämlich, ob die Beteiligung der KfW an der Kapitalspritze keine Behilfe ist, die gegen europäisches Recht verstößt.

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Komplizierte Verhältnisse also vor der heutigen Sitzung des Präsidialausschusses. Dem gehören neben Steinbrück Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der hessische Ministerpräsident Roland Koch, der stellvertretende Unionsfraktions-Vorsitzende Michael Meister, Bankenpräsident Klaus-Peter Müller, Handwerks-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer und der Gewerkschaftsvorsitzende Franz-Josef Möllenberg (NGG) an. Dass dieses Gremium über den IKB-Deal entscheiden soll, hat seinen Grund. Denn der Präsidialausschuss kann Eilbeschlüsse fallen. Und wenn es den Verantwortlichen gelänge, den IKB-Verkauf über die Bühne zu bringen, könnte der künftige KfW-Chef Ulrich Schröder im September seinen neuen Job ohne diesen Ballast antreten. Jedenfalls, wenn man von den Risikofaktoren absieht, die danach noch wie ein Damoklesschwert über der Bank schweben.

(RP)