IAB-Studie 2018: In Cottbus verdienen Frauen offenbar mehr als Männer

Löhne von Frauen und Männern: Gehaltslücke fällt regional offenbar sehr unterschiedlich aus

Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen ist laut einem Medienbericht bundesweit unterschiedlich stark. Überraschenderweise verdienen Frauen in einigen Regionen mehr als ihre männlichen Kollegen - allerdings wohl nur, weil die Männer dort unterdurchschnittlich bezahlt werden.

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist einer Studie zufolge regional sehr unterschiedlich. Im Landkreis Dingolfing-Landau in Niederbayern etwa verdient ein Mann im Durchschnitt 38 Prozent mehr als eine Frau - im brandenburgischen Cottbus dagegen verdient eine Frau im Durchschnitt 17 Prozent mehr als ein Mann. Das habe eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben, berichtet die Zeitung "Die Welt".

Die Experten des IAB werten derzeit Daten der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2016 aus, ihre Studie soll laut Bericht im Herbst veröffentlicht werden. Sie zogen erste Schlussfolgerungen: "Wo die Männer weniger verdienen, besteht tendenziell ein Pay Gap zugunsten der Frauen", sagte Michaela Fuchs vom IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen der "Welt". "Wo Männer mehr verdienen, sehen wir eher einen Pay Gap zugunsten der Männer." Es scheine so zu sein, dass die Verfügbarkeit bestimmter Jobs für Männer in einer Region entscheidend dafür ist, wie die Lohnlücke dort ausfalle.

Besonders hoch ist die Gehaltslücke zugunsten der Männer etwa auch in Regionen wie Ingolstadt (36,9 Prozent), Böblingen (35,9 Prozent), Bodenseekreis (33,6 Prozent) und Erlangen (32,4 Prozent). "Das alles sind Regionen, die auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind", sagte Fuchs der Zeitung. Dort säßen bestimmte Unternehmen - in Ingolstadt etwa Audi, in Erlangen Siemens. Diese spezielle Jobstruktur scheine Männern mehr zugutezukommen als Frauen.

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Die höchste Lücke zugunsten der Frauen habe das brandenburgische Cottbus: 17 Prozent verdiene eine Frau dort im Schnitt mehr als ein Mann, sagte Fuchs weiter. Das liege aber nicht daran, dass die Unternehmen den weiblichen Mitarbeiterndort so viel höhere Löhne zahlten - die Einkommen seien in den untersuchten Regionen sogar annähernd gleich. In brandenburgischen Cottbus und im bayerischen Dingolfing-Landau verdienten Frauen demnach 2791 beziehungsweise 2814 Euro. Was sich aber unterscheide, sei das Durchschnittseinkommen der Männer: 4531 zu 2398 Euro.

Die hoch bezahlten Jobs seien in Deutschland nicht gleich verteilt, lautet eine erste Schlussfolgerung der IAB-Forscher. "Bricht man das herunter, könnte das heißen, dass Männer unterschiedliche Chancen haben, je nachdem, wo sie wohnen – und dass Frauen diese Chancenbreite gar nicht haben", sagte Fuchs. "Frauen sind grundsätzlich benachteiligt gegenüber Männern."

(wer)