Hunderte von NRW-Firmen rufen Wurst der Firma Wilke zurück

Skandal bei Wilke : NRW-Firmen rufen Wurst zurück

Der Hersteller Wilke, dessen Waren mit Todesfällen in Verbindung gebracht werden, hat Hunderte NRW-Firmen beliefert - Kliniken, Metro, Ikea. Ämter überwachen den Rückruf.

Der Skandal um den nordhessischen Wursthersteller Wilke weitet sich aus. Die Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH, deren Waren mit zwei Todesfällen und 37 Krankheitsfällen in Verbindung gebracht werden, hat bundesweit Großhändler, Kantinen, Altenheime und Krankenhäuser beliefert. Am Montag bestätigte der Möbelkonzern Ikea, dass er Wilke-Waren über einen Großhändler bezogen hatte, die in Kunden- und Mitarbeiter-Restaurants verkauft wurden. Man habe den Verkauf aller Produkte des Herstellers gestoppt, so eine Ikea-Sprecherin. Der Möbelhändler war wie andere Abnehmer am Mittwoch vom Wilke-Rückruf informiert worden. Auch Metro und Kaufland riefen Produkte der Firma vorsorglich zurück, bei der Metro erstreckte sich der Rückruf auch auf die Eigenmarken Aro Pizza-Salami, Aro Peperoni-Salami, Metro Chef Pizzasalami, Metro Chef Peperonisalami. Rewe und Penny waren nach eigener Aussage keine Wilke-Kunden.

„Von dem Rückruf der Wilke-Wurstwaren sind in Nordrhein-Westfalen Hunderte Unternehmen betroffen“, sagte Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamts für Umwelt- und Naturschutz (Lanuv). „Wilke selbst hat seine Kunden über seine Kundenliste angeschrieben und zum Rückruf aller Wurst- und Fleischwaren aufgefordert. Nun überwachen die Behörden, ob auch wirklich alle Wilke-Waren aus den Regalen verschwinden.“ Der Wursthersteller war laut Lanuv ein sehr großer Lieferant und stellte auch Vorprodukte für Eigenmarken anderer Unternehmen her. „Flächendeckend dürfte fast jeder Verbraucher in NRW einen Zugang zu den Waren der Firma Wilke gehabt haben“, so Deitermann. Allein in Mönchengladbach waren nach städtischen Angaben 30 Betriebe Wilke-Kunden und sind vom Rückruf betroffen, in Duisburg sind acht betroffen. In Remscheid waren drei Altenheime Wilke-Kunden.

In den Produkten der Firma wurden mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen. Das sind Keime, die weltweit vorkommen. „Zum Problem werden sie, wenn sie wegen Fehler in der Hygiene in Lebensmittel gelangen“, so der Lanuv-Sprecher. Nur wenigen Menschen erkranken an Listeriose, doch bei geschwächtem Immunsystem kann die Infektion lebensgefährlich sein.

Der Landkreis Waldeck hatte als Aufsichtsbehörde den Betrieb am Dienstag geschlossen, die Firma hat Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Das Robert-Koch-Institut untersucht die Todesfälle.

Fast alle Kreise in NRW seien betroffen, sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Das Land werde Schwerpunktkontrollen durchführen, man habe die Lage im Griff. Ausnahme sei „eine große Stadt am Rhein“ gewesen. Heinen-Esser spielt darauf an, dass die Universitätsklinik Köln Wilke-Waren trotz Rückruf an einige Patienten ausgegeben hatte. Die Uniklinik Düsseldorf hatte dagegen die Tee- und Leberwurst, die sie von Wilke bezog, umgehend aus dem Programm genommen, wie ein Sprecher erklärte.

(anh/mkoe/mtm/or/rky)
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