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Britische Großbank: HSBC glänzt mit Top-Profit

Britische Großbank : HSBC glänzt mit Top-Profit

Das blühende Asien-Geschäft macht Europas größte Bank HSBC zum Gewinn-Champion in einer angeknacksten Branche. Im vergangenen Jahr erzielte der in London ansässige Konzern mit knapp 22 Milliarden Dollar den bislang höchsten Profit unter den westlichen Geldhäusern.

Weil HSBC mehr als drei Viertel seiner Ergebnisse außerhalb Europas und Nordamerikas macht, bekam es die Schuldenkrise auf dem Kontinent deutlich weniger zu spüren.

Das Management zeigte sich am Montag überzeugt, dass die boomenden Märkte in Fernost die Geschäfte auch künftig ankurbeln. "Wir sind weiter zufrieden mit den wirtschaftlichen Aussichten der Schwellenländer", sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver. "Wir sind zuversichtlich, dass China eine weiche Landung seiner Konjunktur gelingt." Doch der Erfolg hat seinen Preis: Die Banker in Asien wollen deutlich mehr Geld, die Gehälter explodieren dort.

Gewinn vor Steuern um 15 Prozent gestiegen

2011 steigerte die Bank, die rund 7200 Standorte in 80 Ländern hat, ihren Vorsteuergewinn um 15 Prozent auf 21,9 Milliarden Dollar. Das Ergebnis lag zwar etwas unter den Analystenerwartungen, übertraf aber die bisher veröffentlichten Ergebnisse der europäischen und auch der amerikanischen Banken. So verdiente etwa JPMorgan 19 Milliarden Dollar. An der Spitze der Branche liegen mittlerweile die Bankengiganten Chinas. ICBC kam 2010 auf 32 Milliarden Dollar, China Construction Bank auf 26,4 Milliarden Dollar. Beide stellten damit etwa auch den HSBC-Rekordgewinn von 24,2 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2007 in den Schatten.

Doch auch vor HSBC machen die Probleme des Finanzsektors nicht halt. Zieht man einen Buchgewinn von 3,9 Milliarden Dollar auf die eigenen Verbindlichkeiten ab, ergab sich ein Ergebnisrückgang von sechs Prozent. Hier schlugen sich die kräftig anziehenden Bankergehälter in Schwellenländern sowie Restrukturierungskosten nieder. Auch die europäische Schuldenkrise schlug sich nieder. Im Investmentbanking brachen die Gewinne um fast ein Viertel auf sieben Milliarden Dollar ein, weil die Anleger an den Finanzmärkten sich im zweiten Halbjahr deutlich zurückhielten.

Sparkurs für HSBC

Bankchef Gulliver hat HSBC daher einen Sparkurs verordnet.
Um die Ertragskraft zu steigern, sollen die Kosten jährlich um 3,5 Milliarden Dollar sinken und die Geschäfte in Asien ausgeweitet werden. Diese Bemühungen würden in diesem Jahr verstärkt, kündigte Gulliver an.

Die Erfolge der Bank füllen auch den Beschäftigten weiter kräftig die Taschen. Anders als die viel stärker auf dem Heimatmarkt engagierten und überdies staatlich gestützten britischen Institute Royal Bank of Scotland und Lloyds schränkte HSBC die Bonus-Zahlungen kaum ein.

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Ausgeschüttet wurden insgesamt 4,2 Milliarden Dollar, nur zwei Prozent weniger als 2010. Gulliver selbst bekam im abgelaufenen Jahr 7,2 Millionen Pfund, davon 2,2 Millionen an Boni. Damit war er aber nicht der Gehaltsriese im eigenen Haus: Ein nicht namentlich genannter HSBC-Banker brachte es auf acht Millionen Pfund.

An der Londoner Börse trennten sich die Anleger von der HSBC-Aktie, die sich im vergangenen Jahr deutlich besser entwickelt hatte als der europäische Branchenschnitt. Manche Investoren sahen offenbar eine gute Gelegenheit, Kasse zu machen. Der Kurs rutschte um 3,4 Prozent ab. Für Börsianer bleibt HSBC jedoch ein Lichtblick unter den Finanztiteln. "Das ist eine gute Wette in einem schwierigen Sektor", sagte Fondsmanager John Smith von Brown Shipley.

(REU)