Deutsche Autobauer Hohes Wachstumstempo nicht zu halten

Genf · Für die deutschen Autobauer wird 2012 ein Übergangsjahr. Das hohe Wachstumstempo wird sich kaum halten lassen. Trotzdem strotzt die Branche vor Optimismus - allen voran Volkswagen. Die Wolfsburger wollen nicht nur größer, sondern auch "grüner" werden.

 Neufahrzeuge verschiedener deutscher Marken stehen im Dezember 2008 in Bremerhaven auf dem Autoterminal der BLG Automobile Logistics Group zur Verschiffung bereit. Europa ist für die erfolgsverwöhnten Autobauer in diesem Jahr das Sorgenkind.

Neufahrzeuge verschiedener deutscher Marken stehen im Dezember 2008 in Bremerhaven auf dem Autoterminal der BLG Automobile Logistics Group zur Verschiffung bereit. Europa ist für die erfolgsverwöhnten Autobauer in diesem Jahr das Sorgenkind.

Foto: dpa, go Wagner

Die deutschen Autobauer stellen sich in diesem Jahr auf ein schwächeres Wachstum ein. 2012 werde ein "hartes Arbeitsjahr", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Montag zum Auftakt des Autosalons in Genf. "Wir haben Geschwindigkeit zurückgenommen, halten aber noch vergleichsweise hohes Tempo." 2011 hatte die deutsche Automobilindustrie bei Produktion, Export und Umsatz neue Rekordmarken erreicht.

Deutsche Autobauer: Hohes Wachstumstempo nicht zu halten
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Wissmann sagte, zuversichtlich stimme ihn die anhaltend positive Entwicklung in China und den USA. Für beide Länder erwartet der Verband 2012 jeweils ein Plus von acht Prozent auf mehr als 13 Millionen Fahrzeuge. In Westeuropa dagegen wird vor dem Hintergrund der Schuldenkrise und einer drohende Rezession in der Eurozone ein Absatzrückgang erwartet.

Winterkorn will den Autoriesen nicht nur größer, sondern auch "grüner" machen

Den schwierigeren Rahmenbedingungen zum Trotz schauen vor allem die großen deutschen Autobauer zuversichtlich auf die kommenden Monate. Allen voran Volkswagen: Der Branchenriese hat sich nach einem beeindruckenden Rekordjahr ehrgeizige Ziele gesetzt. "Volkswagen kommt auf seinem Weg an die Spitze der Automobilindustrie Stück für Stück voran", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Montagabend in Genf.

Winterkorn will den Autoriesen nicht nur größer, sondern auch "grüner" machen. Weit mehr als zwei Drittel der bis 2016 geplanten Ausgaben von 62,4 Milliarden Euro sollen in den ökologischen Umbau des Konzerns fließen, sagte Winterkorn. "Unser erklärtes Ziel ist es, Volkswagen auch in ökologischer Hinsicht zum führenden Automobilhersteller zu machen." Das Geld soll neben der Entwicklung umweltverträglicher Autos und neuer Antriebe auch in die Modernisierung der Produktion fließen. Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß in der Energieversorgung der Produktion um 40 Prozent sinken.

Daimler-Chef Dieter Zetsche will Volkswagen nicht ziehen lassen und die Wolfsburger und ihre Nobeltochter Audi mit der neuen A-Klasse bei den Kompaktwagen angreifen. "Mercedes ist auf der Jagd", sagte Zetsche bei der Weltpremiere des neuen Modells und bezeichnete die A-Klasse als eine der wirkungsvollsten Waffen. Die A-Klasse ist das zweite Fahrzeug der neuen Kompaktwagenfamilie von Daimler, die auf insgesamt fünf Modelle wachsen soll. Von der seit November erhältlichen neuen B-Klasse seien bislang 25 000 Fahrzeuge ausgeliefert worden, sagte Zetsche.

Der Manager bekräftigte den Anspruch, bis 2020 unter den deutschen Oberklasse-Herstellern den Spitzenplatz im Dreikampf mit Branchenprimus BMW und Audi zu erreichen. Der Daimler-Chef geht davon aus, dass die Nachfrage nach teuren Kompaktwagen innerhalb der nächsten zehn Jahre um mehr als vier Millionen Wagen wachsen wird.
Sowohl die Premium- aber auch die Massenhersteller setzen dabei vor allem auf Wachstum in China und in den USA.

In Westeuropa stellt sich der VDA dagegen in diesem Jahr auf einen Marktrückgang von bis zu fünf Prozent auf 12,1 Millionen Autos ein. "Mit ihrer globalen Ausrichtung können die deutschen Hersteller die momentane Schwäche auf dem westeuropäischen Markt ausgleichen", sagte Wissmann. In Deutschland stagnierte der Markt im Januar und Februar auf Vorjahresniveau. Auch für das Gesamtjahr rechnet Wissmann mit einem in etwa gleichbleibenden Markt von mehr als 3,1 Millionen Fahrzeugen. 2011 waren die Neuzulassungen um neun Prozent auf rund 3,17 Millionen Wagen gestiegen.

(dpa)
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