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Unternehmen: Hoffen auf den Mittelstand

Unternehmen : Hoffen auf den Mittelstand

Düsseldorf (rpo). Alle reden vom Mittelstand. Er sei die Stütze unserer Wirtschaft. Auf der Regierungsbank sprechen die einen davon, den Mittelstand mit einem Paket gegen Bürokratie zu fördern. Die anderen wettern in der Opposition, die höhere Mehrwertsteuer sei ein Angriffe auf die mittelständischen Unternehmen. Aber was ist eigentlich der Mittelstand und wer gehört dazu?

Düsseldorf (rpo). Alle reden vom Mittelstand. Er sei die Stütze unserer Wirtschaft. Auf der Regierungsbank sprechen die einen davon, den Mittelstand mit einem Paket gegen Bürokratie zu fördern. Die anderen wettern in der Opposition, die höhere Mehrwertsteuer sei ein Angriffe auf die mittelständischen Unternehmen. Aber was ist eigentlich der Mittelstand und wer gehört dazu?

Die Antwort fällt Reinhard Clemens vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn leicht: Fast alle Unternehmen gehörten zum Mittelstand, "nur ein Prozent aller Unternehmen in Deutschland zählen nicht dazu, sie sind Großunternehmen". Ein-Mann-Unternehmen, Freiberufler, Selbstständige und Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten - sie alle zählen zum Mittelstand.

In Deutschland bilden laut Institut für Mittelstandforschung 3,4 Millionen kleine und mittlere Unternehmen in Dienstleistung, Handel und Produktion den Mittelstand. Da sie 70 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigen, kommt in der Politik niemand an ihnen vorbei. "Der Mittelstand ist wegen seiner hohen Zahl an Beschäftigten ein wichtiger Wachstumsfaktor", sagt Reinhard Clemens. Er zeichne sich außerdem durch seine Nähe zu Kunden und Markt, Flexibilität und Innovation aus.

"Der Wettbewerb zwingt den Mittelstand, sich permanent anzupassen - eine Herausforderung für die Unternehmer", findet Clemens. "Allerdings bleibt ihnen kaum Zeit für die Analyse, sie bleibt oft im Alltagsgeschäft auf der Strecke." Ein Grund: Der Mittelstand sei zum Beispiel überproportional mit Bürokratie belastet - dort will die große Koalition jetzt aufräumen.

Wo die Politik aus Sicht der Industrie anpacken sollte, fasst die Herbstbefragung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zusammen: Bürokratieabbau steht an der Spitze, gefolgt von der Forderung nach niedrigeren Lohnzusatzkosten und einem gelockerten Kündigungsschutz. Für wichtig halten die Unternehmer auch, die Stärkung von Ausbildung und Forschung, niedrigere Energiekosten und die geplante Unternehmenssteuerreform.

Auch die Finanzierung bereite einigen Mittelständlern Kopfschmerzen, so Clemens. "Beim Zugang zum Kapitalmarkt haben Großunternehmen ganz andere Möglichkeiten", sagt er. Unternehmensgründer ohne Erfolgsbilanzen müssten sich häufig mit schlechteren Konditionen bei der Kreditvergabe zufrieden geben. Dennoch, so Clemens, habe nur ein kleiner Teil der Unternehmen Probleme.

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Einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung zufolge blicken die Unternehmer optimistisch auf das kommende Jahr. Mehr als ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Situation und die Lage des eigenen Unternehmens 2006 verbessern werden.

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