Höhle der Löwen 2018: Ralf Dümmel kritisiert Verbraucherzentrale NRW

"Die Höhle der Löwen": „Willkommen in der Marktwirtschaft“ - Dümmel kritisiert Verbraucherschützer

Nach der heftigen Kritik der Verbraucherzentrale NRW an der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ wehrt sich Ralf Dümmel gegen die Vorwürfe – und verrät, was sein bester Deal war.

Obwohl Ralf Dümmel Hamburger ist, ist ihm die sprichtwörtliche hanseatische Zurückhaltung eher fremd. In der Vox-Sendung „Die Höhlen der Löwen“ (DHDL) wirbt er leidenschaftlich um Gründer und ihre Ideen. Leidenschaftlich wird Dümmel jedoch auch, wenn man ihn auf die Vorwürfe anspricht, die die Verbraucherzentrale NRW zuletzt gegen die Sendung erhoben hat.

Die Verbraucherzentrale NRW schreibt unter der Überschrift „Endstation Grabbeltisch“, dass viele DHDL-Produkte anfangs teuer sind und vielfach schnell verramscht werden. Wie gehen Sie mit solchen Vorwürfen um?

Ralf Dümmel Erstmal bin ich wahnsinnig enttäuscht, weil ich die Verbraucherzentrale für seriös gehalten habe. Der Sinn der Verbraucherzentrale ist doch eigentlich, Verbraucher zu schützen. Aber was werfen sie der Sendung denn vor? Da heißt es dann zum Beispiel, dass die Produkte „wie von Zauberhand“ am Tag nach der Sendung im Laden liegen. Dabei ist es doch gar kein Geheimnis, dass die Sendung aufgezeichnet wird. Was ist daran verwerflich, dass wir das Produkt zur Sendung in den Handel bringen?

Die Verbraucherschützer warnen davor, dass die Preise für die Produkte zunächst relativ hoch seien, die Waren aber oft schon nach Wochen deutlich günstiger zu haben seien. Es handele sich dabei um „eine Verkaufsstrategie, die zu Lasten von angefixten Schnellkäufern geht“.

Dümmel Willkommen in der Marktwirtschaft! Man sollte dort eigentlich wissen, dass der Verkaufspreis weder von einem Gründer, noch von einem Löwen, geschweige denn einer Fernsehsendung vorgeschrieben werden darf, weil das Kartellrecht ganz klar regelt, dass der Handel frei in seiner Preisgestaltung ist – es gibt ja schließlich auch einen Sommer-Schlussverkauf. Niemand macht ein Geheimnis daraus, dass es Produkte gibt, die nicht funktionieren. Soll man die Produkte in die Elbe kippen? Das ist doch geschäftlich völlig normal, dass man Waren auch mal reduziert.

Die Verbraucherzentrale weist auch auf viele negative Kritiken hin, die es im Internet über Produkte aus der Sendung gibt.

Dümmel Meinungsvielfalt ist in Deutschland gewollt und Kundenbewertung spiegeln dieses auch sehr oft wieder und zeigen nur das ehrliche Empfinden des Verbrauchers. Natürlich gibt es negative Bewertungen bei manchen Produkten. Das ist ja auch ok, wenn ein Käufer unzufrieden ist. Nicht erwähnt wird, dass bei vielen Produkten eine Menge positiver Kommentare und Bewertungen überwiegen.

Letztlich will die Marke „Die Höhle der Löwen“ aber natürlich auch für eine gewisse Qualität stehen, um die Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden. Wenn Produkte wie der Display-Schutz „Protect Pax“ ihre Werbebotschaft ändern müssen, weil das Produkt nicht hält, schadet das ja auch der Marke DHDL oder nicht?

Dümmel Absolut. Wir arbeiten hier sehr viel und dabei passieren leider auch mal Fehler. Aber in diesem Fall ging es ja nicht um die Qualität des Produkts, sondern eine Werbebotschaft. Das war nicht schön, klar hätten wir das gerne vermieden. Das Produkt hat aber viel mehr positive als negative Kommentare.

Ihr DHDL-Kollege Frank Thelen sagte zuletzt im Gespräch: Wir werden schon bald Pleiten von DHDL-Start-ups erleben. Stimmen Sie ihm zu?

Dümmel Ich bedauere das natürlich, aber willkommen in der realen Welt! Neun von zehn Start-ups schaffen es üblicherweise nicht. Bei uns schaffen es circa 65 Prozent. Wir liegen also bei DHDL deutlich über dem Schnitt. Aber natürlich werden es auch bei uns einige nicht schaffen, mit einem Produkt ein Leben lang Geld zu verdienen. Eine 100-Prozent-Quote wird es nie geben.

Tauschen Sie sich mit Ihren Mit-Löwen eigentlich auch mal darüber aus, wie man Autor wird? Judith Williams und Frank Thelen haben ja jetzt jeweils ihre Biografie auf den Markt gebracht, von Carsten Maschmeyer gibt es auch schon diverse Bücher. Wann kommt die Ralf-Dümmel-Autobiografie?

Dümmel Ich bin ja der Meinung, dass keiner ein Buch von mir lesen will. Ich wundere mich ja auch bis heute, das Leute ein Selfie mit mir machen wollen. Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass ich ein Buch schreiben müsste. Ein Buch sollte ja auch sehr authentisch sein, da müsste ich auch selbst viel Arbeit reinstecken – im Zweifel habe ich in der Zeit drei Artikel auf den Markt gebracht.

Ich hatte gelesen, dass Sie 7,5 Millionen Euro bislang in DHDL-Start-ups investiert haben. Korrekt?

Dümmel Die Summe ist einen kleinen Tick zu hoch, weil einige wenige meiner 50 Deals ja nicht zustande gekommen sind.

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Und wieviel Umsatz haben Ihre DHDL-Start-ups bislang gemacht?

Dümmel Das ist eine Menge. Allein das Nahrungsergänzungsmittel Smartsleep hat in nicht mal vier Wochen vier Millionen Euro Handelsumsatz seit der Ausstrahlung der Sendung erzielt. Alle unsere Gründer und wir kratzen zusammen knapp an der 200-Millionen-Euro-Handelsumsatz-Marke.

Das liegt wahrscheinlich auch am DHDL-Hype. Die neue, inzwischen fünfte Staffel läuft ja sogar noch besser als die Vorgänger. Wie kommt das?

Dümmel Die Entwicklung hat auch bei uns viele überrascht, wir wären schon zufrieden gewesen, wenn wir die tolle Marke vom letzten Mal hätten halten können. Ich glaube, dass die Sendung die Menschen bewegt. Wir sprechen ja nicht nur Leute an, die ein Unternehmen gründen wollen. Dann wäre die Zielgruppe ja recht klein. Aber die Sendung ist ja für jeden Menschen interessant, der ein schwieriges Gespräch führt – bei der Bewerbung, über Gehalt oder was auch immer. Wie verteidige ich mich? Wie rechtfertige ich mich? Wie verhalte ich mich, wenn ich mal angegriffen werde? Das betrifft total viele. Und ich glaube, dass die Gründer noch besser geworden sind. Wir kennen die Zahlen zwar nicht, aber ich sage immer: Wenn Vox vorher 1000 Ideen zur Auswahl hatte und jetzt 5000, dann ist klar, dass man bei 5000 Ideen 70 bessere Start-ups für die Sendung auswählen kann als aus 1000.

Die Gründer haben wahrscheinlich auch noch stärker den eigenen Nutzen erkannt, weil inzwischen klar ist, welche Marketingmacht die Sendung hat.

Dümmel Das stimmt, es gibt inzwischen natürlich sehr viele Erfolgsgeschichten, die den Gründern zeigen, dass es nicht nur darum geht, ein bisschen Fernsehen zu machen.

Sie haben 50 Deals in der Sendung gemacht. Welches war Ihr Bester?

Dümmel Das ist schwer, jemanden herauszuheben. Die Frage ist ja, woran man den Erfolg bemisst: Umsatz, Firmenwert, verkaufter Stückzahl, Arbeitsplätzen? Aber man muss natürlich schon sagen, dass der Abfluss-Stopfen Abflussfee und Kinderleichte Becherküche zu den erfolgreichsten zählen. Das Kochbuch „Kinderleichte Becherküche“ hatte niemand so richtig auf dem Zettel, dabei haben wir da zuletzt das sechste Buch rausgebracht. Auch der Spülmaschinenreiniger Rokitta’s Rostschreck ist mega-erfolgreich, damit gehen wir jetzt sogar in die USA.

Vor dem Schritt in die USA schreckt ja sogar mancher große Mittelständler wegen Themen wie Produkthaftung und Co. zurück. Wie beurteilen Sie das Risiko?

Dümmel Amerika ist crazy, man kennt ja diese verrückten Urteile. Da ist es ja fast schon ein Sport geworden, Unternehmen zu Millionen-Strafen zu verurteilen. Natürlich guckt man sehr genau, welches Risiko es gibt. Alles, was einen Stecker hat, hat ja beispielsweise schon mal ein größeres Risiko als ein Rostschreck, den man einfach nur in den Geschirrspüler packt.

Ist das das erste Produkt aus DHDL, das in den USA auf den Markt kommt?

Dümmel Ja, aber ehrlicherweise kommt es nicht direkt auf den Markt, sondern wird erstmal getestet. Wir haben dort einen Partner, der in einen Werbespot investiert hat, weil er an das Produkt glaubt. Und jetzt gucken wir mal, wie es bei den Kunden ankommt.

Haben Sie nach drei Staffeln, in denen Sie als Löwe dabei sind, inzwischen ein gutes Bauchgefühl, was funktioniert?

Dümmel Ich mache den Job ja ohne Kameras schon seit 30 Jahren – und in der ganzen Zeit lag ich glücklicherweise häufiger richtig als falsch. Aber trotzdem werde auch ich immer wieder von der Realität überrascht. Ich sage immer: Wir können die Produkte in den Handel reintragen, raustragen müssen die Produkte aber die Kunden.

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