Rosige Perspektiven für Airbus: Historische Jahr: Airbus düst an Boeing vorbei

Rosige Perspektiven für Airbus : Historische Jahr: Airbus düst an Boeing vorbei

Paris (rpo). Die wirtschftliche Krise hat bei Airbus kaum Spuren hinterlassen. Der europäische Flugzeugbauer produzierte 2003 erstmals mehr Passagierjets als der US-Rivale Boeing und flog erneut mehr Bestellungen ein. Ein historisches Jahr für Airbus.

Mitten in der tiefen Branchenkrise sind die Perspektiven im Vergleich zum krisengeschüttelten Konkurrenten weiter rosig. Auch 2004 dürfte Airbus bei den Auslieferungen die Nase wieder vorn haben und das Milliardenprojekt A380 befindet sich ein Jahr vor dem Jungfernflug des Super-Jumbos auf bestem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg.

Boeing setzt seine Comeback-Hoffnungen auf das mittelgroße Langstreckenflugzeug B7E7; der Programmstart für den "Dreamliner" soll nächstes Jahr erfolgen. Die einst erfolgsverwöhnten Amerikaner haben ein "annus horribilis" hinter sich, das mit dem schmachvollen Abgang ihres Konzernchefs Phil Condit wegen eines Skandals um dubiose Machenschaften bei Rüstungsgeschäften seinen unrühmlichen Höhepunkt fand. Im zivilen Flugzeugbau wurden weitere 11.000 Arbeitsplätze abgebaut, seit den Anschlägen des September 2001 insgesamt 38.000.

Mit seinen noch 55.000 Beschäftigten baute Boeing 2003 etwa 280 Flugzeuge. Airbus benötigte für seine rund 300 Maschinen und das ehrgeizige A380-Programm nur 48.500 Mitarbeiter. Einen Abbau planen die Europäer nicht, sie kalkulieren 2004 mit erneut nur 300 Auslieferungen "oder etwas weniger". Boeing rechnet mit einer Produktion von erneut 280 Jets. Noch 1999 stellten die Amerikaner 620 Maschinen her, mehr als Boeing und Airbus derzeit gemeinsam. Erst 2005 könnte es in der Branche wieder aufwärts gehen.

Im Frühjahr beginnt Zusammenbau der ersten A380

Fast alles scheint derzeit für Airbus zu sprechen: Erfolgreiche Raubzüge im einst für Boeing reservierten Jagdrevier der Billigflieger (Qantas, Atlantic Coast) und bereits 129 Festbestellungen für die doppelstöckige A380 sorgen für zusätzliches Selbstbewusstsein in Toulouse. Ab etwa 250 Verkäufen schreibt das Zehn-Milliarden-Dollar-Projekt schwarze Zahlen. "Wir haben schon mehr als die Hälfte des Weges hinter uns, und das bei einem auf zwei Jahrzehnte angelegten Programm", freut sich A380-Marketingdirektor Richard Carcaillet.

Nach dem "hervorragenden Jahr 2003" wolle Airbus jetzt jedes Jahr mindestens einen neuen Kunden für seinen Super-Jumbo ködern, der die B747 aufs wohlverdiente Altenteil abgeschoben habe. Im Frühjahr wird in Toulouse damit begonnen, das erste Exemplar des größten Flugzeugs der zivilen Luftfahrt zusammenzuschrauben. Anfang 2005 soll der 240 Tonnen schwere Gigant erstmals abheben.

Schwarzes Loch in Japan

Doch Airbus hat für sein Flaggschiff noch keinen Käufer in Japan gefunden. Auf dem weltweit zweitgrößten Markt mussten die Europäer 2003 ihren schwersten Rückschlag einstecken: All Nippon Airways schloss einen Großauftrag mit dem US-Rivalen ab und will ihre A320-Jets ausmustern. Japans Nummer eins, JAL, hat gar noch nie einen Airbus gekauft.

Die Konkurrenz sei seit den 50er Jahren in Japan präsent, gibt Carcaillet zu bedenken. Da habe Airbus noch viel Arbeit vor sich. Doch noch in diesem Jahrzehnt will er dort einen Auftrag für die A380 einfahren, für den Zukunftsmarkt China peilt der Manager das "symbolische Datum Olympia 2008" an.

"Technologischer Quantensprung" im kommenden Jahrzehnt

Während japanische Firmen nur zu zwei Prozent an der A380 beteiligt sind, liegt der Anteil bei Boeings neuer B7E7 bei satten 35 Prozent. Der 200-Sitzer tritt gegen die A330-200 an, die die veralteten B757 und B767 ausgestochen hat. In Toulouse gibt man sich gelassen ob der Konkurrenz. Der Wettbewerbsvorteil durch den Einsatz von leichteren Verbundwerkstoffen werde nicht allzu groß sein.

Der Jet komme zu früh: Erst für Anfang nächsten Jahrzehnts sei ein "technologischer Quantensprung" im Flugzeugbau zu erwarten, der mit der Einführung der Fly-by-wire-Technik in der A320 vergleichbar sei, heißt es bei Airbus.

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