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Revisionschef der Bahn beurlaubt: Hinweise auf mögliche Straftaten bei Datenaffäre

Revisionschef der Bahn beurlaubt : Hinweise auf mögliche Straftaten bei Datenaffäre

Berlin (RP). Die Deutsche Bahn schließt im Zusammenhang mit der Datenaffäre Straftaten der von ihr beauftragten Firmen nicht aus. Zugleich gab sie zwei weitere Ausspäh-Aktionen ihrer Mitarbeiter zu. Der Leiter der Konzernrevision, Josef Bähr, der für die Nachforschungen verantwortlich ist, ließ sich daraufhin beurlauben.

Die Bahn wird am Montagabend ihren Vorstand Otto Wiesheu, den Anti-Korruptionsbeauftragten Wolfgang Schaupensteiner und den Sicherheitschef Jens Puls zum Verkehrsausschuss des Bundestags entsenden, um den Abgeordneten in der Datenaffäre Rede und und Antwort zu stehen.

Nach dem Bericht des Vorstands für Ausschuss und Aufsichtsrat hat die Bahn im Zeitraum von 1998 bis 2007 insgesamt drei Mal die Daten ihrer Mitarbeiter und zwei Mal die ihrer Führungskräfte abgeglichen. Bislang sind zwei Mitarbeiter-Überprüfungen und ein Abgleich bei den Führungskräften bekannt geworden.

Die erste Untersuchung fand 1998 statt. Es folgte 2002/2003 das "Projekt Babylon”, bei dem Name, Adresse und Kontoverbindung von 173.000 Mitarbeitern mit denen der 80.000 Lieferanten abgeglichen wurden. Beauftragt dafür war die Detektei-Firma Network. Schließlich gab es 2005/2006 eine weitere interne Massen-Überprüfung von Mitarbeitern, die allerdings nicht ganz so umfangreich war wie die Vorgänger-Aktion.

Die Personaldaten der Führungskräfte des Konzerns wurden in zwei Aktionen mit denen von Lieferanten abgeglichen. Dazu führte wiederum die Firma Network 2003/2004 das Projekt "Eichhörnchen” durch, bei dem 774 Konzernangehörige und 500 nahe Verwandte untersucht wurden. Ein zweiter Datenabgleich erfolgte ein Jahr später. Die Bahn beauftragte die Auskunftei Creditreform.

Hinweise auf mögliche Straftaten ergab eine Untersuchung der Zusammenarbeit mit der Firma Network. Die arbeitete in 43 Projekten für die Bahn. Dabei soll sie in sieben Projekten Informationen beschafft haben, die sie offenbar nicht auf legalem Wege erhalten hatte. Auch beim Marketing-Dienstleister Argen, der 1997 bis 1998 für die Bahn tätig war, gibt es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigte sich in einer ersten Stellungnahme unzufrieden mit den Ergebnissen des Berichts. Der Report werfe "mehr Fragen auf, als er beantwortet”, sagte der Ressortchef in Berlin. So bleibe offen, wer wofür die Verantwortung trage. Tiefensee: "Hier muss nachgearbeitet werden.”

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(RP)