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Heydrate greift Airup und Waterdrop bei Leitungswasser mit Geschmack an

Heydrate, Airup und Co. : Start-ups wollen Leitungswasser leckerer machen

Leitungswasser ist hierzulande nach Kaffee und Mineralwasser das beliebteste Getränk. Doch immer häufiger greifen die Deutschen zu ungesunden Getränken mit Geschmack wie Limonade. Start-ups wollen das ändern.

Immer wieder hatten sich Janik Nolden und Julian Dienst vorgenommen, Leitungswasser zu trinken. Sie hatten sich Flaschen aus Glas oder Edelstahl eingepackt, bevor sie sich auf den Weg zur Universität gemacht haben. Sie wollten das Geld für Getränke sparen – und natürlich auch weniger Müll produzieren. Doch am Ende kauften sie sich doch wieder Cola und Co. „Wir haben gemerkt, dass wir doch gerne etwas mit Geschmack trinken“, sagt Janik Nolden.

So wie den beiden geht es offenbar vielen, darauf deuten zumindest die Verkaufszahlen ihres Start-ups hin. Mit Heydrate produzieren die beiden Gründer kleine Tütchen mit Getränkepulver, das man einfach ins Wasser mischen kann. Mehr als 600.000 dieser Beutel hat Heydrate seit der Gründung im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben verkauft.

Leitungswasser ist laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019 nach Kaffee und Mineralwasser das beliebteste Getränk in Deutschland. Fast 63 Prozent der Deutschen trinken demnach täglich Leitungswasser – bei jüngeren Menschen lag der Anteil sogar noch höher. Doch gleichzeitig zeigten die Zahlen auch, dass immer mehr Light-Getränke oder Limonaden und Cola getrunken werden.

Schon vor Jahren begannen Anbieter wie Sodastream oder Wassermax damit, Leitungswasser mit Kohlensäure anzureichern, um damit eine Alternative zu Mineralwasser zu bieten. Inzwischen versucht eine ganze Reihe an Start-ups wiederum, den Trend zu Süßgetränken in Richtung Leitungswasser umzulenken. Sie nennen sich Airup, Hydrant, Waterdrop oder eben Heydrate.

Als Janik Nolden und Julian Dienst im Studentenwohnheim mit knapp 3000 Euro eigenem Kapital begannen, mit Inhaltsstoffen wie Hibiskus, Zitrone oder Ingwer zu experimentieren, hatte das US-Unternehmen Hydrant bereits die erste Millionenfinanzierung bekommen. 2017 wurde das Start-up gegründet, das genau wie Heydrate auf Getränkepulver-Mischungen setzt, um Leitungswasser aufzuwerten. Bis heute wurden umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro in das Start-up investiert, an dem sich unter anderem auch Prominente wie der Football-Spieler Aaron Rodgers von den Green Bay Packers beteiligten.

Auf dem deutschen Markt ist Hydrant bislang noch nicht aktiv. Doch hier muss sich das Düsseldorfer-Pendant unter anderem gegen Waterdrop und Airup beweisen. Während Waterdrop auf eine Art Brausetablette setzt, die dem Wasser den Geschmack gibt, verzichtet Airup völlig auf Inhaltsstoffe. In die Flaschen wird dabei eine kleine Kapsel eingesetzt, aus der dann ein Duftstoff entweicht. Dieser gaukelt dem Hirn vor, das Wasser habe Geschmack. Gemeinsam haben beide Start-ups, dass sie TV-Prominenz als Unterstützer gewinnen konnten. Bei Airup beteiligten sich die beiden aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ bekannten Investoren Frank Thelen und Ralf Dümmel, Waterdrop stellte sein Produkt sogar in der Sendung vor, wo die Investorin Dagmar Wöhrl ihr Interesse signalisierte.

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Preislich unterscheiden sich die Angebote dabei kaum. Ein Starter-Set von Waterdrop kostet im Online-Shop des Unternehmens 34,90 Euro. Dafür bekommt man 18 Mischungen und eine Glasflasche. Bei Heydrate gibt es die Glasflasche mit 36 Getränkesticks für 44,90 Euro. Und bei Airup kostet das Starter-Set mit zwei Duftkapseln und Flasche 34,95 Euro.

Für die Start-ups kommt es daher darauf an, den Kunden von der eigenen Marke zu überzeugen. Heydrate konnte für das weitere Wachstum nun im Rahmen einer sogenannten Seed-Finanzierungsrunde rund 700.000 US-Dollar (rund 600.000 Euro) von Business Angels einwerben. Neben dem Ex-Chef der Handelskette Kaufland beteiligte sich auch ein früherer Geschäftsführer des Keksherstellers Bahlsen. Mit dem frischen Kapital haben die beiden Düsseldorfer Gründer nun große Pläne: „Bislang sind Instagram und Facebook unsere wichtigsten Marketingkanäle für unseren Online-Shop“, sagt Janik Nolden: „Wir wollen aber unsere Produkte auch über den stationären Handel vertreiben.