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US-Investor Lone Star: Heuschrecke krallt sich IKB

US-Investor Lone Star : Heuschrecke krallt sich IKB

Frankfurt/Düsseldorf (RPO). Für die angeschlagene Düsseldorfer IKB Deutsche Industriebank ist ein Käufer gefunden. Der umstittene US-Finanzinvestor Lone Star wird 90,8 Prozent der Anteile von der KfW Bankengruppe übernehmen. Angeblich soll der Staat bei dem Verkauf an die Private Equity-Gesellschaft sogar Geld drauflegen. Ob Arbeitsplätze gefährdet sind, ist derzeit unklar.

Der Präsidialausschuss des Verwaltungsrats der bundeseigenen KfW Bankengruppe beschloss, die Anteile an der kriselnden Mittelstandsbank an Lone Star zu verkaufen, wie die KfW am Donnerstag mitteilte. Lone Star werde den kompletten KfW-Anteil von 90,8 Prozent übernehmen. Als zweiter Bewerber soll der Investor RHJ International aus dem Rennen geworfen worden sein, schreibt das "Handelsblatt".

Der Finanzinvestor stand Anfang des Jahres in Deutschland in der Kritik. Nach Berichten der Fernsehsendungen "Tagesschau" und "Plusminus" soll Lone Star vertragsgerecht bediente Kredite aufgekauft und den Schuldnern Anschlussfinanzierungen nur zu deutlich angehobenen Konditionen angeboten haben. Ansonsten sei mit Zwangsmaßnahmen gedroht worden. Die Berichterstattung wurde von Experten und Verbänden kritisiert.

Fest steht, dass Lone Star sich auf den Aufkauf notleidender Kredite und die Sanierung von angeschlagenen Unternehmen, vor allem Banken und Versicherungen, spezialisiert hat. Die Anteileigner der Gesellschaft sind hauptsächlich US-Pensionskassen und andere institutionelle Investoren.

Schrumpfkur für die IKB?

Bis jetzt hat sich Lone Star bei den Unternehmensbeteiligungen als radikaler Sanierer gezeigt. Ein solches Schicksal könnte nun auch der IKB drohen - Entlassungen inklusive. Details sollen auf einer Pressekonferenz um 11 Uhr bekannt gegeben werden.

Für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dürfte indes ein Punkt Priorität haben: Die Kuh ist aus Sicht des Bundes vom Eis. Immerhin musste die Bank mit Finanzspritzen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

Das Unheil der IKB nahm am Morgen des 30. Juli 2007 seinen Lauf. Die globale Finanzkrise erschütterte erstmals auch die deutsche Bankenlandschaft: Die auf Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen spezialisierte IKB erklärte überraschend, sich mit Ramschhypotheken in den USA massiv verspekuliert zu haben. Das Geldinstitut senkte seine Ergebnisprognose, Vorstandschef Stefan Ortseifen musste seinen Hut nehmen. Die IKB brauchte plötzlich Kapitalspritzen vom Bund in Milliardenhöhe, nachdem der Vorstand lange behauptet hatte, die Risiken aus der US-Hypothekenkrise bewegten sich im einstelligen Millionenbereich.

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Nur ein in aller Eile geschmiedetes Rettungspaket der KfW von über acht Milliarden Euro konnte die Bank vor der Pleite bewahren. Doch auch in den Folgemonaten schockte die IKB die Finanzwelt mit immer neuen Gewinnwarnungen. Die Hilfe von KfW, Bund und Banken wurde mehrfach aufgestockt. Zum Abschluss des Geschäftsjahres 2007/2008 hat die IKB ein Minus von 32 Millionen Euro nach Steuern eingefahren. Im ersten Geschäftshalbjahr hatte sich der Verlust auf knapp eine Milliarde Euro belaufen.

Debatte um Vorstand

Rund um die Krise des taumelnden Geldinstituts entspann sich auch eine Debatte um die Verantwortung des ehemaligen Bank-Vorstands. Gegen mehrere Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Untreue und Verstößen gegen das Aktiengesetz. Auf einer hitzigen Hauptversammlung im März machten auch zahlreiche Kleinaktionäre ihrem Ärger Luft. Der Aufsichtsrat wies allerdings jede Mitschuld am Absturz der Mittelstandsbank von sich. "Die Krise hat uns ebenso überrascht wie Sie", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann damals vor rund 1.000 Aktionären.

Dutzende Kleinanleger wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und starteten eine Klagewelle gegen die Bank. Knapp 50 Verfahren sind am Düsseldorfer Landgericht anhängig. Bislang wurden alle Schadensersatzansprüche abgeschmettert. Auch zahlreiche Anfechtungsklagen gegen die zum Überleben der IKB dringend nötige Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro ließen die Bank in den vergangenen Monaten zittern. Im Juli beendete das Geldinstitut den Streit zwar mit einem Vergleich, dennoch ist die zum Großteil von der KfW getragenen Finanzspritze noch nicht in trockenen Tüchern. Erst im Oktober wird die EU-Kommission darüber entscheiden, ob die Beteiligung der bundeseigenen KfW keine Staatshilfe ist, die gegen europäisches Recht verstößt.

Staatliche Mitgift

Die seit Monaten unsichere Situation der IKB hat den Verkaufsprozess erheblich erschwert. Die KfW, die durch die IKB-Hilfen im vergangenen Jahr selbst in tiefrote Zahlen gerutscht ist, hatte kurz nach der Pleite angekündigt, ihren Anteil so schnell wie möglich veräußern zu wollen. Mit der geplanten Kapitalerhöhung steigt ihr Anteil von derzeit rund 45 aber erst einmal auf 90 Prozent. Ursprünglich war der Bund von einem Verkaufserlös von 800 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt soll er diese Summe nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" selbst zusteuern, um weitere Verlustrisiken abzusichern. Auch die KfW hatte bereits signalisiert, Kaufinteressenten im Notfall entgegenzukommen und sämtliche Portfolioinvestments sowie weitere riskante Wertpapiere zu übernehmen. Laut "Financial Times Deutschland" geht es dabei um eine Summe von 2,2 Milliarden Euro.

Auch die IKB selbst sieht sich ein Jahr nach ihrer Beinahe-Pleite offenbar noch nicht über den Berg: Durch die Nachwirkungen der Turbulenzen seien auch in den kommenden Monaten noch erhebliche Belastungen zu erwarten, hatte IKB-Chef Günther Bräunig erst bei der Vorlage des Jahresabschlusses im Juli erklärt.

(afp)