Handelskonzern: Tengelmann Ventures öffnet sich für Investoren

Handelskonzern : Tengelmann Ventures öffnet sich für Investoren

Der Risikokapitalgeber des Handelskonzerns beteiligte sich an Zalando, Delivery Hero und Uber. Bisher mit dem Geld der Familie Haub. Nun will man auch andere Investoren aufnehmen.

In der mehr als 150-jährigen Geschichte des Familienunternehmens Tengelmann ist die Risikokapitalsparte TEV in der breiten Öffentlichkeit bislang eher eine Fußnote. Kaisers, Kik, Obi  – mit diesen Marken sind (oder waren im Fall der Supermarktkette) die Mülheimer in praktisch jeder größeren deutschen Stadt vertreten.

Aber TEV? Mit diesen drei Buchstaben dürften viele zunächst nur wenig anfangen können. Dabei hat sich Tengelmann Ventures seit dem Start vor knapp zehn Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Start-up-Risikokapitalgeber gemausert: Zalando, Delivery Hero, Klarna, Uber. In mehr als 50 Start-ups hat TEV seit dem Start investiert und sich dabei innerhalb der Branche einen Namen gemacht.

Nun will das Team um Christian Winter den nächsten Schritt gehen. Wurde TEV bislang mit dem Geld der Familie Haub aufgebaut, werden sich die Essener nun erstmals auch für externe Investoren öffnen.

Nach Unternehmensangaben plant Tengelmann Ventures derzeit die Auflage des dritten Funds (TEV III) mit einem sogenannten First Closing im ersten Quartal 2020. „Der dritte Fund wird strukturell erstmals so konzipiert, dass auch externe Investoren aufgenommen werden können“, sagt eine Sprecherin. Als potenzielle Partner kämen beispielsweise Family Offices oder institutionelle Investoren in Frage.

Mit einer drohenden Zerschlagung des Konzerns, wie sie zuletzt vom „Manager Magazin“ ins Spiel gebracht wurde, soll dieser Schritt allerdings nichts zu tun haben. Das Magazin hatte über Streitigkeiten innerhalb der Familie berichtet, die mit dem Verschwinden des langjährigen Firmenchefs Karl-Erivan Haub beim Skilaufen in den Schweizer Bergen 2018 einen schweren Schicksalsschlag erleiden musste.

Dass dieser bislang nicht für tot erklärt wurde, hängt angeblich auch damit zusammen, dass seine Erben dann Erbschaftssteuer in Millionenhöhe für seine Firmenanteile zahlen müssten. Laut „Manager Magazin“ schultere normalerweise das Unternehmen in so einer Situation die Steuerlast. Doch darüber herrscht bislang offenbar mit dem neuen Tengelmann-Chef keine Einigkeit. In der schwierigen Situation hatte Haubs Bruder Christian die Geschäfte in dem Familienunternehmen übernommen, der bislang die amerikanischen Aktivitäten verantwortet hatte.

Die Sprecherin bestätigt, dass es Gespräche darüber gebe, wie die Erbschaftssteuer finanziert wird, die eine Todeserklärung von Karl-Erivan Haub nach sich ziehen würde. „Aber gleich, welches Ergebnis diese Gespräche haben – die grundsätzliche Struktur des Konzerns wird dadurch nicht berührt.“ Es werde weder eine Veräußerung wesentlicher Unternehmensteile noch eine Aufspaltung des Unternehmens geben. Die Veränderungen bei Tengelmann Ventures, das inzwischen auch von Mülheim nach Essen umgezogen ist, sollen daher eher strategischer Art sein. „In einem dynamischen Marktumfeld mit größer werdenden Finanzierungsrunden erscheint uns die Erweiterung des Partnernetzwerks als hilfreich, um dieses Ziel zu realisieren“, heißt es.

In der Tat haben sich die Finanzierungsrunden bei Start-ups in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Bereits in frühen Phasen des Unternehmens sammeln Gründer heute regelmäßig zweistellige Millionensummen ein, während diese früher zu so einem Zeitpunkt die absolute Ausnahme waren.

Will ein Investor verhindern, dass seine Firmenanteile anschließend bei weiteren Finanzierungsrunden verwässern, muss er also mitziehen – und braucht, um im Marktjargon zu bleiben, tiefere Taschen. Und diesen Anspruch vorne weiter mitzuspielen hat das Team um Christian Winter, das nun eine neue Erfahrung macht: Früher buhlten Start-ups um ein Investment. Nun wird die Tochter TEV selbst zum Investitionsobjekt.

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