Insolvenz von Frankfurt-Hahn Harte Zukunft für kleine Flughäfen

Düsseldorf · Der Insolvenzantrag des Airports Frankfurt-Hahn lenkt den Blick auf die Regionalflughäfen in NRW. Die haben vor allem dann Zukunft, wenn sie eine Nische bedienen. Bei Weeze bleiben Zweifel.

 Ein Archivfoto des Flughafen-Terminal Weeze Niederrhein (NRN).

Ein Archivfoto des Flughafen-Terminal Weeze Niederrhein (NRN).

Foto: picture alliance / CHROMORANGE/Markus Mainka

Am Flughafen Weeze haben sie zuletzt wieder kräftig durchgeatmet: Im August waren es mehr als 100.000 Passagiere, die von dem Regionalflughafen im Kreis Kleve am unteren Niederrhein abhoben. „Wir freuen uns sehr, dass sich unser Flugbetrieb nach den schwierigen, zurückliegenden Monaten in diesem Sommer so rasch wieder erholt hat“, sagte Flughafen-Geschäftsführer Sebastian Papst damals.

Zuvor war die Passagierzahl im Corona-Jahr 2020 um drei Viertel eingebrochen. Das laufende Jahr sollte eines des Wiederaufschwungs sein, nicht nur für Weeze, sondern für die gesamte Branche. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich die sehr erfreuliche Entwicklung weiter fortsetzt“, so Papst damals. Auf 83 Prozent des Niveaus von Sommer 2019 seine die Zahlen wieder gestiegen.

Aber hält der Aufwärtstrend in Weeze an? Reicht er, um auf Dauer profitabel zu sein? Eher nicht, wenn es nach dem Hamburger Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt geht: „Weeze ist ein Beispiel für ein Projekt, das keinen wirtschaftlichen Sinn ergibt“, sagte Großbongardt am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Der Bedarf sei beschränkt, weil es mit Düsseldorf und Köln sowie den niederländischen Airports Eindhoven und Amsterdam genug Flughäfen in der Region gebe. Somit mangele es an der wirtschaftlichen Grundlage: „Mir fehlt die Fantasie dafür, wie da die Zukunft aussehen könnte“, so Großbongardt.

Weeze ist einer von sechs Regionalflughäfen in Nordrhein-Westfalen, die Überlebensfähigkeit des Airports wird in regelmäßigen Abständen in Frage gestellt. Die Diskussion um den Standort am Niederrhein und die kleinen Airports generell hat durch den Insolvenzantrag der Flughafengesellschaft in Frankfurt-Hahn am Dienstag neue Nahrung bekommen. Haben die Regionalflughäfen in Deutschland keine Zukunft?

„Denen geht es insgesamt nicht gut“, bestätigt Großbongardt. Ein Problem: Ein Teil der kleineren Airports hat in den vergangenen Jahren Verkehr an die großen Konkurrenten an den Drehkreuzen verloren: an Frankurt, an München und andere. Und das Fliegen hat insgesamt nicht mehr den Stellenwert hat wie vor der Pandemie, auch wenn die Passagierzahlen zuletzt wieder gestiegen sind. Aber das gilt nicht für alle. Und: Die Kleinen dürfen nur noch gut zwei Jahre auf öffentliche Hilfen zählen. Eine Entscheidung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2014 besagt eindeutig, dass die staatlichen Beihilfen für Flughäfen in der EU gekappt werden und Betriebsbeihilfen nur noch bis 2024 erlaubt sind.

Die Tatsache, dass Weeze nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler neben dem bayerischen Memmingen 2018 der einzige deutsche Regionalflughafen war, der schwarze Zahlen schrieb, kann die Gegner des Airports nicht überzeugen. Denn das ist drei Jahre her, und danach fuhr der Großkunde Ryanair seine Kapazitäten zurück. Zumindest aus Sicht von Großbongardt gilt für Weeze das Gleiche, das er seinerzeit über Frankfurt-Hahn sagte: Der Airport im Hunsrück liege „zu weit vom Schuss“.

Hahn ist natürlich zunächst einmal daran gescheitert, dass der chinesische Hauptanteilseigner HNA kollabierte. Der Mischkonzern aus Asien hatte bereits Anfang des Jahres Insolvenz anmelden müssen. Dass Tochterunternehmen in der Folge zahlungsunfähig werden, ist kein Einzelfall – und Hahn ist somit auch kein Beleg für die mangelnde Existenzfähigkeit von Regionalflughäfen. Doch der Airport, der mehr als 120 Kilometer von Frankfurt entfernt ist, hat in den vergangenen Jahren massiv an Fluggästen verloren. Rund vier Millionen waren es mal, etwa 1,5 Millionen davon sind 2019 noch übrig, nachdem die irische Fluggesellschaft Ryanair Teile ihres Angebots an andere Flughäfen verlagert hat. Und 2019 , das war bekanntlich noch vor dem Ausbruch der Corona-Krise, der das weltweite Fluggeschäft in großen Teilen lahmlegte.

Dass Regionalflughäfen generell durchaus eine Daseinsberechtigung haben, wil Großbongardt gar nicht bestreiten. Das gelte auch für einige in Nordrhein-Westfalen: für den in Münster/Osnabrückk beispielsweise („Da läuft es gut im Frachtgeschäft“), für den in Paderborn/Lippstadt, der abseits der großen Zentren wichtig ist unter anderem für die Bertelsmanns, Oetkers und Mieles aus der Region, und sogar für den kleinen im Siegerland („Ein Bedarfsflughafen, der keine großen Kosten verursacht“).

 Weeze Deutschland 23 Juni 2019: Terminal des Flughafen Weeze Niederrhein (NRN) in Deutschland

Weeze Deutschland 23 Juni 2019: Terminal des Flughafen Weeze Niederrhein (NRN) in Deutschland

Foto: picture alliance / CHROMORANGE/Markus Mainka

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Aber in den Regionen gilt eben auch, dass es in akzeptabler Entfernung keine anderen Flugmöglichkeiten gibt. Das heißt, sie haben tatsächlich einen eigenen Markt. Das kann man von Weeze nicht behaupten. „Es gibt keine ernsthafte Nische für den Flughafen“, ist Großbongardt überzeugt.