1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Früherer BayernLB-Vorstand vor Gericht: Gribkowsky bestreitet Schmiergeldvorwürfe

Früherer BayernLB-Vorstand vor Gericht : Gribkowsky bestreitet Schmiergeldvorwürfe

München (RPO). Einer der größten deutschen Schmiergeldprozesse hat am Montag vor dem Landgericht München begonnen. Die Anklage wirft dem ehemaligen Bayerischen-Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky vor, von Formel-1-Chef Bernard Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld für sich persönlich kassiert zu haben.

Im Gegenzug habe Gribkowsky an Ecclestone und dessen Familie 66 Millionen Dollar zulasten der BayernLB überwiesen und die Mehrheit an der Rennserie, die der BayernLB als Pfand nach der Pleite der Kirch Media zugefallen war, an einen Ecclestone genehmen Investor verkauft, sagte Staatsanwalt Martin Bauer.

Gribkowskys Verteidiger Rainer Brüssow beklagte eine "Hetzjagd" von Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit und sagten, die Anklage werde im Verlauf des Prozesses "in sich zerfallen". Auch den Richtern warfen die Anwälte Parteilichkeit vor, weil der Freistaat Bayern sowohl deren Dienstherr als auch Eigentümer der Landesbank sei. Der Prozess müsse deshalb ausgesetzt werden. Zudem beantragten sie, das Verfahren mit dem Untreue-Prozess gegen Gribkowsky und sieben andere ehemalige Bankvorstände wegen des dubiosen Kaufs der Hypo Group Alpe Adria 2007 zusammenzulegen.

Der 53-jährige Gribkowsky nahm lächelnd auf der Anklagebank Platz. Er sei unschuldig, werde sich aber nicht äußern, sagte Anwalt Daniel Amelung.

Briefkastenfirmen und "Privatstiftung Sonnenschein"

Laut Anklage hatte Gribkowsky als Risikomanager der BayernLB im Jahr 2005 von Ecclestone 50 Millionen Dollar gefordert, damit er ihn nicht beim britischen Finanzamt anschwärzt und damit er die Formel-1-Anteile aus der Insolvenzmasse von Leo Kirch an den britischen Finanzinvestor CVC verkauft. CVC sei Ecclestones Wunschpartner gewesen.

Nach dem Verkauf habe die BayernLB auf Gribkowskys Veranlassung an Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino zunächst 66 Millionen Dollar als Vermittlungsprovision und für Auslagen überwiesen. Anschließend hätten Ecclestone und Bambino bis Dezember 2007 über Briefkastenfirmen in der Karibik und auf Mauritius insgesamt 44 Millionen Dollar an Gribkowsky überwiesen. Zur Tarnung habe Gribkowsky dafür eine "Privatstiftung Sonnenschein" in Salzburg gegründet.

Gribkowsky, der seit Januar in Untersuchungshaft sitzt, droht bei einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit als Amtsträger, Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe eine langjährige Freiheitsstrafe. Sein Vermögen wurde nach einer Schadenersatzforderung der BayernLB bereits auf Eis gelegt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Ecclestone. Der 80-jährige Formel-1-Chef ist für den 9. und 10. November als Zeuge geladen.

(apd/felt)