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Branche und Politik ringen um Zinssenkung: Gremium stützt Lebensversicherer

Branche und Politik ringen um Zinssenkung : Gremium stützt Lebensversicherer

Berlin/Köln (RPO). Die garantierten Renditen von Lebensversicherungen werden spätestens Anfang 2012 sinken. Das maßgebliche Gremium zur Festsetzung der Mindest-Zinsen von Versicherungen teilte am Montag mit, der Garantiezins von Neuverträgen solle ab 1. Januar 2012 von 2,25 Prozent auf 2,00 Prozent sinken. Das Bundesfinanzministerium wird aber womöglich von der Empfehlung abweichen und den Zins sogar noch schneller und stärker senken.

Der Garantiezins besagt, wie viel Geld Kunden von Lebensversicherungen am Ende der Laufzeit mindestens bekommen, egal wie viele zusätzliche Gewinne erwirtschaftet und an die Kunden ausgezahlt werden. Sinken die Zinsen an den Kapitalmärkten, können auch die Lebensversicherungen mit dem Geld ihrer Kunden weniger Gewinn machen.

Für neu geschlossene Verträge gilt der Garantiezins, alte Verträge laufen mit dem bei Abschluss gültigen Garantiezins weiter.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) teilte am Montag mit, Renditen von Staatsanleihen seien zuletzt deutlich gesunken. Diese Anleihen sind ein zentraler Pfeiler der Anlagestrategie von Lebensversicherungen. Deshalb solle der Garantiezins ab 1. Januar 2012 von 2,25 Prozent auf 2,00 Prozent sinken.

Finanzministerium hat das letzte Wort

Die Vereinigung, der Zusammenschluss der Versicherungs- und Finanzmathematiker, empfiehlt jährlich den Garantiezins. Das letzte Wort hat das Finanzministerium. Das Ministerium war den Empfehlungen der Aktuarvereinigung in den vergangenen Jahren gefolgt. Nun will es den Garantiezins allerdings schon zum 1. Juli 2011 auf 1,75 Prozent zu senken, wie aus einem internen Verordnungsentwurf hervorgeht.

Das Ministerium argumentiert, die gesunkenen Renditen an den Kapitalmärkten machten die Absenkung aus "Vorsichtsgründen" nötig. Mit einem niedrigeren maximalen Garantiezins kann verhindert werden, dass Versicherer im Werben um Kunden zu hohe Zinsen anbieten, die sie in den Folgejahren nicht zahlen können.

Branche gegen Absenkung

Die Versicherungsbranche wehrt sich gegen eine Absenkung auf 1,75 Prozent. Sie argumentiert, eine Absenkung auf 2,00 Prozent sei "ausreichend vorsichtig". Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht sich durch die nun ausgesprochene Empfehlung der Aktuarvereinigung in seiner Position gestärkt. Die Entscheidung über die Zinssenkung dürfte in den kommenden Wochen fallen.

Wie die "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe) berichtet, sollen die Versicherer außerdem nach dem Willen der Bundesregierung mehr Geld zurücklegen, um die hohen Garantiezinsen älterer Lebensversicherungen bezahlen zu können. Die Finanzaufsicht BaFin habe die Anbieter aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil ihrer Verträge schon 2011 deutlich zu erhöhen, berichtet das Blatt.

Von der BaFin-Vorgabe betroffen seien Rückstellungen für zwischen 1995 und 2000 angebotene klassische Lebensversicherungen. Sie werden noch über die gesamte Laufzeit mit garantierten 4,00 Prozent verzinst. Seit Beginn des Jahrtausends ist der Garantiezins nach und nach auf heute noch 2,25 Prozent gesunken.

(AFP)