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Galgenfrist für Drogeriekette: Gläubiger vertagen Entscheidung über Schlecker

Galgenfrist für Drogeriekette : Gläubiger vertagen Entscheidung über Schlecker

Die Gläubiger der Drogeriemarktkette Schlecker haben ihre Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens aufgeschoben. Der vorläufige Gläubigerausschuss gebe Interessenten bis zum kommenden Freitagmorgen Zeit, um "ein bezüglich Kaufpreis und Konzept tragfähiges Angebot vorzulegen", sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag in Düsseldorf.

"Wenn bis Freitagfrüh kein tragfähiges Konzept vorliegt, wird für Schlecker die Abwicklung erfolgen", sagte der Sprecher weiter. Die Unternehmenstochter Ihr Platz sei von dieser Regelung ausdrücklich ausgenommen.

Derzeit lägen zwei Angebote möglicher Investoren für die insolvente Drogeriemarktkette vor. Beide seien jedoch nicht tragfähig. Von wem diese Angebote stammen, teilte die Insolvenzverwaltung nicht mit. Zuletzt war am Donnerstag der Finanzinvestor Nicolas Berggruen als möglicher Interessent genannt worden.

Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters befände sich Schlecker in einer "grundsätzlich sehr ernsten Situation", sagte dessen Sprecher. Geiwitz sei es zwar gelungen, den Verlust der Drogeriemarktkette von 200 Millionen Euro im Jahr 2011 zu reduzieren auf prognostizierte 25 Millionen Euro im Jahr 2012 und voraussichtlich 20 Millionen Euro 2013. Eigentlich dürfe ein Insolvenzverwalter jedoch gar keine Verluste machen. Diese erhöhen im Ernstfall den Verlust der Gläubiger.

Schlecker hatten im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen über Jahre rote Zahlen geschrieben hatte. Im Rahmen der Sanierung schloss die Drogeriemarktkette Ende März mehr als 2000 Filialen. Über 10.000 Mitarbeiter wurden entlassen, nachdem der Aufbau einer Transfergesellschaft vor allem am Widerstand aus den Reihen der FDP gescheitert war.

Hoffnung durch Berggruen

Für die verbliebenen 13.500 Mitarbeiter gibt es inzwischen neue Hoffnung: Medienberichten zufolge interessiert sich Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen für Schlecker. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wollte dies bislang nicht bestätigen.

Die Gewerkschaft Verdi indes zeigte sich erfreut über mögliche Gespräche mit Berggruen. "Wir sind im Sinne der Zukunft der Schlecker-Beschäftigten offen für Investoren, die den Erhalt der Arbeitsplätze im Blick haben und werden vorliegende Fortführungskonzepte sorgfältig prüfen und bewerten", sagte Verdi-Sprecherin Christiane Scheller am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chronologie der Schlecker-Pleite

(dpa)